„Ich fürchte mich nicht mehr vor dem Tod – ich bin ein freier Mensch“
Gronau. Zweimal im Jahr lädt die Kirchengemeinde St. Joseph im Rahmen der Reihe „Mit Gott ins Kino“ in die Gronauer Lichtspiele ein. Helmut Blaschke aus Bodenwerder gab die Einführung zu einem Film, der die Besucher sehr bewegt hat.
Der französische Regisseur Xavier Beauvois erzählt in seinem Film „Von Menschen und Göttern“ aus dem Jahr 2010 von neun französische Mönchen, die in einem kleinen Kloster in den algerischen Bergen leben. Sie betreiben Landwirtschaft, verkaufen ihren Honig auf dem Markt und nehmen am Dorfleben teil. Die Kamera begleitet die Mönche bei ihrer täglichen Arbeit und beim gemeinsamen Gebet, die Bilder sind so still und ruhig wie das Leben der Mönche. Sie machen nicht viele Worte, diese zumeist älteren Männer mit ihren zerfurchten Gesichtern. Bruder Luc ist Mediziner und versorgt trotz seines fortgeschrittenen Alters jeden Tag über hundert Patienten aus der Umgebung, Bruder Christian, der Prior der kleinen Gemeinschaft, nimmt an dörflichen Leben teil und pflegt den Schriftverkehr mit den Mächtigen des Landes, Bruder Christophe betreibt die Landwirtschaft. Die Haltung der Brüder zu ihren
muslimischen Nachbarn ist eine des Respekts. Sie missionieren nicht, sondern sind einfach da, wenn sie gebraucht werden: als Arzt, als Helfer beim Briefeschreiben, als Freunde.
Als radikal-islamistische Rebellen alle Ausländer aus dem Land vertreiben wollen und eine Gruppe von Kroaten töten, sind die Menschen im Dorf entsetzt – mit dieser Form des Islams haben sie nichts zu tun. Auch die Mönche sind jetzt in Gefahr. Der Hauptteil des Films erzählt davon, wie die Mönche auf die Bedrohung ihres Lebens reagieren. Für den Prior ist klar, dass sie bleiben und nicht vor den Terroristen fliehen. Christophe sieht keinen Sinn in einem voreiligen Märtyrertum: „ Und was machen wir, wenn sie ins Kloster kommen? Lassen wir uns lächelnd umbringen?“ Im Laufe der folgenden Tage und Wochen prüfen die Männer ihr Gewissen. Sie beten weiterhin gemeinsam zu ihren Gebetszeiten, sie bestellen weiterhin ihre Felder, und sie reden miteinander. Sollen sie zurück nach Frankreich gehen? Oder in ein sichereres Kloster in Afrika? „Wir sind wie Vögel auf einem Baum. Wir wissen nicht, ob wir weiterziehen,“ versucht einer der Brüder den Dorfbewohnern zu erklären. „Die Vögel sind wir. Ihr seid der Baum“, erwidert eine der Frauen. Am Ende werden sie bleiben. Wie ihre Geschichte ausgeht, das erzählt dieser Film anhand realer Begebenheiten: sieben der neun Mönche werden von den Terroristen verschleppt und getötet. „Ich fürchte mich nicht mehr vor dem Tod“, sagt einer der Brüder im Laufe des Films. „Ich bin ein freier Mensch.“
Der nächste Film wird voraussichtlich im Oktober gezeigt, der Eintritt ist wie immer frei.
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Der Kinobesuch im schönen Gronauer Kino ist leichter geworden: es gilt 3G und freie Platzwahl, die Maske kann am Platz abgenommen werden.
Quelle Julia Kleegrewe