Das Ende einer Ära

Superintendentin Katharina Henking geht in den Ruhestand

Alfeld. Der Satz ist schon mehr als 13 Jahre alt, doch Katharina Henking hat ihn bis heute nicht vergessen: „Eine ganze Landeskirche schaut auf Sie“, hatte ihr der ehemalige Präsident des Landeskirchenamtes Burkhard Guntau zu ihrem Amtsantritt als Superintendentin im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld gesagt. Denn mit Katharina Henking in Alfeld und ihrem Kollegen Christian Castel in Elze ging damals erstmals eine ephorale Doppelspitze an den Start, die es in dieser Form bislang noch nicht gab. Die beiden Pioniere gelten bis heute als Vorreiter für ein Erfolgsmodell, das bereits mehrfach kopiert wurde. Deshalb denkt Katharina Henking wenige Monate vor ihrem Ruhestand noch gern an diesen Satz, der am Anfang ihres Wirkens in Alfeld stand.

Es folgte eine Zeit, die in hoher Geschwindigkeit den Veränderungsprozess der evangelischen Kirche aufzeigt. Auch hierfür hält die scheidende Superintendentin ein anschauliches Beispiel parat. „Da müssen Sie sich aber ganz hintenanstellen“, lautete damals die Reaktion des Landessuperintendenten Eckhard Gorka auf ihre Bewerbung. Denn zu dieser Zeit gab es noch einen regelrechten Boom auf die Stellenausschreibungen innerhalb der Landeskirche, der längst abgeebbt ist. Für Katharina Henking war die skeptische Haltung Gorkas nach dem Motto „Jetzt erst recht“ aber Ansporn genug. Zu reizvoll fand sie den neuen Weg einer Leitungsfunktion als Doppelspitze ohne Hierarchien: „Zwei Superintendenten auf Augenhöhe. Das war unser Anspruch.“

Mit dem Wahlspruch der Zisterzienser „Porta patet, cor magis – Die Tür steht offen, das Herz noch mehr“ machte sie sich an die Arbeit, empfand ihre Aufgabe nie als Job, wollte immer nah am Menschen sein. Dabei pflegte sie einen offenen und kommunikativen Stil, brachte auch in kritischen Situationen anstehende Probleme zur Sprache: „Alles kam auf den Tisch, nichts sollte vernebelt werden“, sagt Katharina Henking. Wie nach der Veröffentlichung der ForuM-Studie, die sie tief beschämte und zu der sie öffentlich Stellung bezog. Mit ihrer Amtskollegin Franziska Albrecht machte sie das Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt zur Chefsache, trieb das Thema in allen Gemeinden voran.

Die lernte die Superintendentin bei ihren zahlreichen Visitationen kennen. Diese Besuche waren für sie nicht nur nette Abstecher in den Amtsbereich, sondern eine Kernaufgabe, geprägt von Wertschätzung, konstruktiv kritischer Wahrnehmung und einem zielgerichteten Blick. In den vergangenen Jahren wurden die immer häufiger auftretenden Vakanzen die größte strategische und personelle Herausforderung für die Superintendentin.

Eine zukunftsweisende Entscheidung war die Einrichtung der sogenannten Springerpastor*innen, die heute das Netzwerk der Haupt- und Ehrenamtlichen im Kirchenkreis nach Kräften unterstützen: „Wenn der Druck immer größer wird, müssen wir ausloten, wo sich neue und ganz andere Spielräume öffnen“, sagt Katharina Henking und spricht dabei vor allem über die Stärkung von multiprofessionellen Teams in Gemeinden und Planungsbereichen. „In einer Gemeinde meines Amtsbereiches hat zurzeit eine junge Theologiestudentin den Konfirmandenunterricht übernommen: das läuft sehr erfolgreich!“ Schließlich gilt ihre große Sorge der Überlastung von Haupt- und Ehrenamtlichen im Kirchenkreis. „An diesem Thema arbeiten wir gemeinsam. Dabei ist eine Konzentration und eine Priorisierung der Aufgaben unerlässlich. Manches, was uns lieb geworden ist, oder selbstverständlich erwartet wird, müssen wir schlicht sein lassen. In allem setze ich auf die Lebens- und Glaubenserfahrung vieler vitaler und beweglicher Menschen vor Ort. Deshalb blicke ich zuversichtlich nach vorn.“

Zuversicht war auch beim Aufbau der Kita-Trägerschaft nötig, die heute 26 Einrichtungen im Kirchenkreis umfasst. „Da war viel Überzeugungsarbeit in den Kirchenvorständen für unser neues Konzept nötig“, erinnert sich Katharina Henking. Das Gebäudemanagement sowie die Zukunft der Sakralgebäude, bei dem sie auf landeskirchlicher Ebene mitwirkte, waren weitere Schwerpunkte als Superintendentin, ebenso die langjährige Stellvertretung des Landessuperintendenten Gorka, beziehungsweise der Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder.

Da sie anfangs noch einen kleinen Stellenanteil in der Alfelder St. Nicolai-Gemeinde innehatte, lag ihr die Stärkung dieses Standorts stets am Herzen. Mit Aktionen wie „Kultur in der Suptur“, Hofgottesdiensten, den Reformationstagen mit Musik, Festvorträgen und dem beliebten Mahl „Katharina bittet zu Tisch“ war die Superintendentin auch immer wieder gern vor Ort aktiv. Ihr Herzensprojekt waren die Taufengel im Kirchenkreis. Bis heute wird die Broschüre „20 Engel und ein Flügel“ aus ganz Deutschland angefordert. Quer durch den Kirchenkreis startete die Superintendentin die Taufengelwanderungen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuten. Bei der letzten Wanderung war Landesbischof Ralf Meister im strömenden Regen mit unterwegs.

In diesem Sommer wird Superintendentin Henking pensioniert. Um eine lange Vakanzzeit von anderthalb Jahren, wie nach der Verabschiedung von Christian Castel, zu vermeiden, hatte sie ihren Eintritt in den Ruhestand sehr frühzeitig angekündigt, sodass bereits auf der Kirchenkreissynode am 23. April über ihre Nachfolge entschieden werden kann.

Am Ostersonntag wird Katharina Henking in einem Festgottesdienst um 15 Uhr in St. Nicolai verabschiedet. Danach hat sie noch zwei Monate alten Urlaub und zieht mit ihrem Ehemann Arwed, der sich in den vergangenen Jahren aktiv kirchenmusikalisch in den Kirchenkreis eingebracht hat, nach Göttingen in die alte Heimat. „Die Lust auf Leitung habe ich nicht verloren, aber zukünftig wird es wohl wieder die Chorleitung sein.“ Peter Rütters

BU Katharina Henking wird am Ostersonntag in Alfeld offiziell verabschiedet.

Quelle/Foto: Peter Rütters