Retter in der Not

Feuerwehr sorgt mit Leuchtturmkonzept bei Stromausfall für Sicherheit

Salzhemmendorf (gök). Es ist ein Szenario, das normalerweise durch kluge Technik verhindert wird. Am Dienstagmorgen gegen 9:30 Uhr gingen im östlichen Landkreis plötzlich die Lichter aus. Betroffen waren die Ortschaften Osterwald, Voldagsen, Marienau sowie Hemmendorf, Oldendorf, Benstorf und Ahrenfeld. Während die Technik streikte, lief die menschliche Hilfe sofort an.

Dass ein Stromausfall so lange dauert, ist selten. Das liegt am sogenannten Redundanz- oder N-1-Prinzip. Vereinfacht gesagt, ist das Stromnetz wie ein Sicherheitsseil mit einem Ersatzseil aufgebaut. Fällt eine Leitung aus, übernimmt sofort eine zweite deren Aufgabe. In der Regel merken die Bürger davon kaum etwas. Doch am Dienstag trat ein extrem seltener Fall ein: An einer 30-kV-Hochspannungsleitung traten gleichzeitig Fehler an zwei verschiedenen Stellen auf. „Das Redundanz-Prinzip konnte für vier Ortsteile nicht mehr greifen“, erklärte Natalie Schäfer von den Stadtwerken Hameln Weserbergland. Umschaltungen waren unmöglich, die Orte Hemmendorf, Oldendorf, Benstorf und Ahrenfeld saßen in der Falle.

In diesem Moment schlug die Stunde der Ehrenamtlichen. Um 9:41 Uhr aktivierte die Gemeindefeuerwehr das „Leuchtturmkonzept“. 38 Einsatzkräfte aus vier Ortsfeuerwehren eilten in ihre Stationen. Während in Supermärkten wie dem „Nah und Gut“ die Kühlung ausfiel und einige Frischware im Laufe des Tages entsorgt werden musste, wurden die Feuerwehrhäuser zu sicheren Häfen. In Oldendorf, Benstorf, Ahrenfeld, Osterwald und Hemmendorf besetzten Freiwillige die Gemeinschaftshäuser. Da auch das Telefon- und Mobilfunknetz gestört war, waren diese Orte die einzige Verbindung zur Außenwelt. Besonders in Oldendorf wurde angepackt: Eine Kreiseinheit lieferte einen externen Generator, mit dem die Feuerwehr den Bürgern half. Rund 25 Bewohner kamen hier zusammen, um ihre Handys zu laden oder warmes Wasser für Babynahrung aufzubereiten.

„Um 16:21 Uhr hatten Oldendorf, Benstorf, Ahrenfeld und Hemmendorf wieder Strom“, bilanziert Gemeindepressesprecher Tobias Kramer. Die Dankbarkeit der Bürger war überall spürbar. In Benstorf versorgten Einwohner die Feuerwehrleute mit Heißgetränken, die sie ganz traditionell auf alten, holzbefeuerten „Küchenhexen“ zubereitet hatten. Erst gegen 17 Uhr, nachdem die Einsatzleitung Ort (ELO) in Salzhemmendorf ihre Arbeit beenden konnte, kehrten die 38 Helfer in ihren eigenen Alltag zurück.

Foto: Kreisfeuerwehrkräfte stellten die Stromversorgung im Feuerwehrhaus Oldendorf sicher