Das Dorf soll entscheiden
Wie sieht die Nahversorgung in Wallensen künftig aus? / Bürgerversammlung geplant
Wallensen (gök). Die Zukunft der Nahversorgung in Wallensen bewegt die Gemüter. Rund 30 Bürger füllten das Feuerwehrgerätehaus bis auf den letzten Platz, um die Konzepte für einen neuen Dorfladen zu diskutieren. Schon vorher wurden in sozialen Netzwerken fleißig über die Zukunft im Ort diskutiert, alleine: viele kamen dann persönlich nicht zur entscheidenden Ortsratssitzung. Das Ergebnis des Abends ist nun, dass der Ort und auch umliegende Kunden aus Thüste, Ockensen, Fölziehausen oder vom Campingplatz am Humboldtsee die Qual der Wahl zwischen drei verschiedenen Modellen haben und das letzte Wort die Einwohner mit ihrer Entscheidung selbst haben sollen, was sie mittragen.
Per Online-Vortrag stellten Simone Boost und Marius Schiel das Konzept der Firma „Dein Schopp“ in der Sitzung vor. Ihr Ansatz: Ein modulares Containersystem mit einem Vollsortiment von bis zu 2 000 Produkten auf 72 oder 108 Quadratmetern. 80 Prozent des Stroms werden selbst erzeugt, der Zugang erfolgt per App oder Kundenkarte, gezahlt wird bargeldlos an Selbstbedienungskassen. Doch das Modell ist an Bedingungen geknüpft. „Kein Dorfladen ohne Dorfgemeinschaft“, so das Credo des Unternehmens. Um die Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung durch Banken zu sichern, fordert das Unternehmen ein „Dorfladenabo“. Rund 4 500 Euro Umsatzgarantie pro Woche durch die Bürger seien nötig – im Gegenzug erhalten Abonnenten einen Bonus von fünf Prozent auf ihren Einkauf. Rechnerisch müssten 225 Bürger pro Woche für 20 Euro einkaufen.
Einen regionalen Gegenentwurf präsentierte Maurice Lochte, Inhaber des REWE-Marktes in Salzhemmendorf. Er bietet als „letzte Lösung“ eine „Nahkauf-Box“ an – ein System aus zwei Überseecontainern auf 42 Quadratmetern mit etwa 700 Artikeln des täglichen Bedarfs. Der Vorteil: Die Box könnte durch den lokalen REWE-Kaufmann betrieben werden und wäre innerhalb weniger Monate realisierbar. „Ich möchte nur keinen Anbieter von außen“, betonte Lochte mit Blick auf die lokale Verbundenheit. Alkohol und Tabak gäbe es in diesem Modell allerdings nicht. Die Gemeinde müsste lediglich die befestigte Fläche vorbereiten, den Rest würde REWE übernehmen.
Als dritte Säule steht der bereits im Ort ansässige und beliebte Hofladen von Mirka und Christoph Stichnothe im Fokus. Mit über 500 Produkten und einer engen Bindung zur Region ist der Laden jetzt schon ein fester Bestandteil Wallensens. Die Inhaber gaben jedoch zu bedenken, dass der Betrieb extrem personalintensiv sei. Man suche bereits nach Lösungen, etwa für ein Backwaren-Sortiment oder ein 24/7-Zugangssystem, wolle aber in einem möglichen Konkurrenzkampf mit großen Systemen nicht untergehen. In diesem Fall wäre das ein Ausbau in dem bestehenden Umfeld in der Angerstraße. Hier wird derzeit auch über eine Kooperation mit dem REWE-Markt mit Maurice Lochte gesprochen.
Eine Verkaufsbox entsprechend der ersten beiden Alternativen könnte im Niedertor auf dem ehemaligen Ratskeller-Grundstück entstehen. Die rund 1 000 Quadratmeter große Fläche ist nach dem Teilabriss durch den Landkreis nun im Eigentum des Fleckens Salzhemmendorf. Der Ortsrat nahm zur Kenntnis, dass der noch stehende Rest der alten Kegelbahn marode und nicht sanierungsfähig ist. Ein vollständiger Rückbau soll noch in diesem Jahr erfolgen, womit der Weg für eine neue Nutzung frei wäre. Während der erste Abriss aus Gefahrgründen durch den Landkreis getragen wurde, müsste ein weiterer Abriss der alten Kegelbahn durch den Flecken finanziell getragen werden.
Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner (SPD) betonte die Wichtigkeit des Projekts: „Das Dorf ist zurzeit tot, wenn man nachmittags durch den Ort geht.“ Man wolle das Problem der Nahversorgung nun endgültig lösen, aber nichts über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden. Auch Ratsmitglied Manfred Roth (SPD) mahnte zum Realismus: „Ein Dorfladen bedeutet einen Wechsel der Einkaufsgewohnheiten. Die Entscheidung liegt bei uns.“
So geht es weiter: Der Ortsrat hat beschlossen, eine kurzfristige Bürgerversammlung in der Sporthalle anzusetzen. Dort sollen alle drei Konzepte – „Dein Schopp“, die „Nahkauf-Box“ und die Erweiterung des Hofladens Stichnothe – detailliert vorgestellt werden. Danach soll die Bevölkerung entscheiden, welchen Weg Wallensen in die Zukunft des Einkaufens gehen will.
Foto8976: Mit einem Online-Vortrag wurde das Konzept von „Dein Schopp“ vorgestellt
Foto8979+8981: Auch Maurice Lochte vom REWE Salzhemmendorf stellte ein mögliches Konzept vor
Foto8983: Auf dem ehemaligen Ratskeller-Grundstück soll noch das Nebengebäude mit der alten Kegelbahn und den Garagen abgerissen werden, wo dann ein Einkaufsladen entstehen könnte



