Rettung in letzter Sekunde

„Wir Coppenbrügger“ wendet das Aus ab

Coppenbrügge (gök). Es war eine Nachricht, die in ganz Coppenbrügge bei vielen Menschen für Erleichterung sorgte. Der traditionsreiche Verein „Wir Coppenbrügger“ wird doch nicht aufgelöst. Nachdem 2025 noch alles nach einem unwiderruflichen Ende der fast 100jährigen Vereinsgeschichte aussah, brachte eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 30. Dezember 2025 die entscheidende Wende. In einer Atmosphäre des Aufbruchs wurde ein neues Führungsteam gewählt, das den Verein nicht nur am Leben erhalten, sondern mit frischen Ideen in die Zukunft führen will. An der Spitze des neu formierten, gleichberechtigten Vorstands steht Bürgermeister Thomas Küllig, der das Amt des Vorsitzenden übernimmt. Unterstützt wird er von Natalie Schäfer, die die Aufgaben der Schriftführerin übernimmt, sowie von Nils Algermissen als Kassenwart. Alle drei Vorstandsmitglieder wurden einstimmig gewählt und betreten mit der Vorstandsarbeit Neuland – eine Tatsache, die Küllig durchaus als Chance begreift, um mit neuen Blickwinkeln an zukünftige Aufgaben heranzugehen. „Ich bin ehrlich: Ursprünglich hatte ich gehofft, dass sich jemand anderes für diesen Posten findet“, gestand Küllig im Gespräch. „Doch angesichts der vielen Vereine, die unsere Region in den letzten Jahren verloren hat, bin ich nun hochmotiviert, die Verantwortung zu übernehmen.“

Das Erbe, das die neue Riege antritt, ist beachtlich. Wie Vorstandsmitglied Gustav Gerken ausführte, hat der Verein seit 2010 über 100 000 Euro direkt in Coppenbrügge investiert und das Ortsbild maßgeblich geprägt. Die Bilanz der vergangenen Jahrzehnte kann sich wahrlich sehen lassen: So brachte der Verein insgesamt 69 Ausgaben der geschätzten Zeitung „Aktuell im Flecken“ heraus, schaffte zahlreiche Tische und Bänke für den öffentlichen Raum an und zeichnete Wanderwege für Touristen und Einheimische aus. Auch kulturell setzte der Verein Maßstäbe, indem er Musikveranstaltungen in der Burg organisierte, den Burginnenhof sanierte und gestaltete sowie hochwertige Werbebroschüren für den Ort entwarf. Die finanzielle Schlagkraft des Vereins kam zudem dem Freibad zugunsten der neuen Wasserrutsche, der Spielplatzsanierung sowie der Installation von Treppengeländern und der Unterstützung des Fleckenfestes zugute.

Für die neuen Vorstandsmitglieder ist das Engagement eine Herzensangelegenheit. Natalie Schäfer, die 2011 nach Coppenbrügge zog, möchte ihrer neuen Heimat etwas zurückgeben: „Ein Ort wie dieser lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Wir wachsen mit unseren Aufgaben.“ Auch Nils Algermissen, der als „Kind des Flecken“ hier großgeworden ist, sieht den Verein als wichtige Plattform, um Perspektiven für alle Generationen zu schaffen. Er hatte bereits in der Vergangenheit versucht, ein Bürgerforum zu etablieren und will nun innerhalb des Vereins für neue Ideen und Strukturen offen sein. Der ehemalige Vorsitzende Hans-Ulrich Peschka zeigt sich sichtlich erleichtert über die geglückte Nachfolge. Nach vielen intensiven Gesprächen sei es gelungen, junge Menschen für die Aufgabe zu begeistern. Peschka und Teile des alten Vorstands ziehen sich jedoch nicht vollständig zurück. Als Beisitzer komplettieren Hans-Ulrich Peschka, Wilfried Schöne, Dirk Fengler, Fritz Limbacher und Angelika Meyer das Gremium und stehen den „Neulingen“ mit ihrer Erfahrung beratend zur Seite.

Die Ziele für die nahe Zukunft sind bereits gesteckt. Zunächst gilt es für das Trio, sich in die Vereinsorganisation einzuarbeiten, bevor das Vereinsleben wieder mit neuen Inhalten gefüllt wird. Ein besonderer Fokus soll dabei auf der Integration von Zugezogenen und der engen Zusammenarbeit mit der Jugendpflege liegen. Thomas Küllig blickt sogar noch weiter voraus: Er kann sich vorstellen, den Verein langfristig zu einem „Dorfgemeinschaftsverein“ als eine Art Dachorganisation weiterzuentwickeln, um Synergien zwischen den örtlichen Vereinen besser zu nutzen. Im Jahr 2026 feiert „Wir Coppenbrügger“ zunächst sein 99jähriges Bestehen, ehe das große 100jährige Jubiläum im Jahr 2027 folgt. Während man sich im vergangenen Jahr noch Sorgen machte, ob der Verein diesen Meilenstein überhaupt erreicht, ist die Vorfreude auf ein rauschendes Fest nun größer denn je. Ein gebührender Abschied und Dank an den alten Vorstand soll zu gegebener Zeit in einem passenden Rahmen nachgeholt werden.

Foto: Der alte und neue Vorstand freuen sich über den Fortbestand des Vereins