„Weenzen Ellaa!“ schallt durch die Nacht
Wenn das Dorf zur Bühne und das Ehrenamt zur Leidenschaft wird
Weenzen (gök). Ausverkauft, laut und herrlich närrisch: Die zweite Prunksitzung des Weenzer Karneval-Vereins (WKV) verwandelte die Mehrzweckhalle in einen Hexenkessel der guten Laune. Doch hinter dem dreieinhalbstündigen Spektakel steckt weit mehr als nur Konfetti – es ist ein Triumph des dörflichen Zusammenhalts.
Wer glaubt, die große Politik mache in Berlin das wichtigste Theater, der war noch nicht beim Karneval in Weenzen. Sitzungspräsidentin Marina Bodenstedt brachte es bei ihrer Begrüßung auf den Punkt: „2025 liegt hinter uns, Politik ist oft wie Karneval mit Masken – aber hier regieren die echten Jecken!“ Im 69. Jahr seines Bestehens bewies der WKV eindrucksvoll, dass Karneval kein bloßes Besäufnis ist, sondern, wie Bodenstedt betonte, „Leidenschaft und Zusammenhalt“.
Schon der Einzug des Prinzenpaars, Martin III. und Rebecca I., setzte den Ton. Sie agierten als Botschafter der Lebenslust. Doch die heimlichen Stars des Abends waren die Kleinsten. Als das Miniprinzenpaar Jorik I. und Linneth I. mit der Mini-Garde einmarschierte, brandete ein Applaussturm auf, der die Wände der Mehrzweckhalle erzittern ließ. Besonders rührend: Prinz Jorik betonte in seiner Rede, wie stolz er sei, in einem Verein zu sein, „wo Kinder so wichtig sind“. Das ist kein hohles Pathos, sondern gelebte Nachwuchsförderung. Die elf Mädchen der Mini-Garde verdienten sich nach ihrem Tanz die erste „Rakete“ des Abends und ihre Kaltgetränke auf den besten Plätzen direkt auf der Bühne redlich.
Karneval in Weenzen funktioniert nur, weil Menschen wie Peter Fuchs ihr Leben dem Verein verschrieben haben. Der langjährige Vorsitzende, der 25 Jahre lang an der Spitze des Vereins stand, wurde unter dem Applaus von Ehrenpräsident Karl-Heinz Schanze noch einmal besonders gewürdigt. Es war ein emotionaler Moment, als Fuchs später gemeinsam mit seinem Enkel Felix Richter Karnevalsklassiker und das Weenzer Karnevalslied anstimmte. Hier wurde der Staffelstab der Tradition live auf der Bühne weitergereicht: Felix trat wenig später solo in die großen Fußstapfen seines Großvaters und führte die erste Polonaise des Abends an. Obwohl Felix Richter mit seiner knappen Volljährigkeit auch schon ein alter Hase beim WKV ist, singt er doch schon seit über zehn Jahren beim Karneval auf der Bühne.
Dass im Ehrenamt Improvisation alles ist, zeigte das „Synchron-Tanzmariechen“. Da Amy-Lee Albrecht erkrankt war, sprang kurzerhand Trainerin Janine Albrecht ein und tanzte an der Seite von Maja Albrecht – eine sportliche Höchstleistung, die den Saal zum Beben brachte. Auch Gitta Brinkmann bewies, dass Weenzer Humor eine Exportware ist: Der Vorstand dankte der langjährigen Büttenrednerin ausdrücklich für ihre Auftritte in Altenheimen, wo sie den WKV mit ihren Büttenreden würdig vertritt.
Das dreieinhalbstündige Programm bot eine beeindruckende Mischung aus sportlicher Höchstleistung und humorvollen Einlagen. Die Tanzmariechen Pia Richter und Sontje Lorenz, die erstmals als von Hermine Stahlmann als Sidekick unterstützt wurde, zeigten akrobatische Soli auf höchstem Niveau. Für Lokalkolorit sorgten die Sketche der Weenzer Damen und der Weenzer Jungs, die mit Fräulein Rottenmeier einen augenzwinkernden Einblick in die Weenzer Anstalt gewährten. Die Midis brachten mit ihrem Barbie-Allstar-Dance modernen Schwung auf die Bühne, während die Maxis mit italienischem Flair und einer Hommage an Bella Napoli die Halle zum Mitsingen brachten. Den rasanten Endspurt leitete die Garde mit ihrem Showtanz im Zeichen der Formel 1 ein, bevor die Männergarde als traditioneller Stimmungshöhepunkt mit einer Westernparodie rund um Lucky Luke und die Puder Rosa Ranch den Saal endgültig zum Kochen brachte.
Als die Band „Happy Connection“ mit Ferdi zum Finale aufspielte und alle rund 200 Gäste danach bis in den Morgen feierten, wurde klar: Der WKV ist für Weenzen das soziale Rückgrat. Karten von Erkrankten waren innerhalb kurzer Zeit in der ausverkauften Halle wieder vergriffen – ein Zeichen dafür, wie begehrt dieses Stück Heimatkultur ist. Im nächsten Jahr steht das große Jubiläum an. Marina Bodenstedt versprach, dass man sich zum 70jährigen Jubiläum sicherlich etwas einfallen lassen wird.
Foto0036: Beim Showtanz sorgte die Garde für Renn-Feeling
Foto0059: Auch Lucky Luke ritt in die Halle ein
Foto0077: Die Männergarde war wieder einer der Höhepunkte des Programms
Foto0101: Rund 70 Teilnehmer sorgten für ein unterhaltsames Programm
Foto0102+0105: Nach dem Programm wurde ordentlich getanzt
Foto9659: Der Einzug des Prinzenpaares mit der Garde
Foto9690: Die Mini-Garde hat enormen Niedlichkeitsfaktor
Foto9692: Der ehemalige Vorsitzende Peter Fuchs mit Ehrenpräsiden Karl-Heinz Schanze und Sitzungspräsidentin Marina Bodenstedt
Foto9706: Büttenrednerin Gitta Brinkmann durfte auch nicht fehlen
Foto9734+9772: Die Garde heizte die Stimmung ordentlich an
Foto9737: Das Publikum in Weenzen war wieder begeistert
Foto9777: Peter Fuchs und Felix Richter sorgten mit ihrem Gesang für Stimmung
Foto9789: Janine Albrecht und Maja Albrecht beim Synchron-Tanzmariechen
Foto9799: Die Weenzer Damen bei ihrem Sketch
Foto9818: Sontje Lorenz und Hermine Stahlmann zeigten viel Akrobatik
Foto9860: Die Weenzer Jungs bei ihrem Sketch mit „Aushilfs-König“ Bernd Grote
Foto9893: Während der Barbie-Show lernte Ken fliegen
Foto9898: Die Midis zeigten eine Barbie-Show
Foto9919+9929: Während seinem Gesang führte Felix Richter eine Polonaise an
Foto9971: Die Maxis sorgten für italienisches Flair in Weenzen























































































