Ungewöhnliche Klänge in St. Martin
Neujahrskonzert sorgt für Begeisterung

Wallensen (gök). Klirrende Kälte draußen, emotionale Wärme drinnen. Das erste Neujahrskonzert des Vereins DorfKulTour markierte einen fulminanten Auftakt für das Kulturjahr in der WOLT-Region. Rund 100 Besucher füllten die ehrwürdigen Bänke der Sankt-Martins-Kirche, um das preisgekrönte Ensemble „Trio Con Abbandono“ zu erleben – ein Abend, der trotz technischer Tücken zu einem Triumph für das lokale Ehrenamt wurde.
Dass das Konzert überhaupt in wohliger Atmosphäre stattfinden konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Wie der Vereinsvorsitzende und Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner in seiner Begrüßung verriet, hatte sich die Kirchenheizung pünktlich in der Nacht zuvor verabschiedet. Erst ein kurzfristiger Einsatz eines Monteurs am Konzertmorgen rettete die Veranstaltung. „In solchen Kirchen bekomme man zwar nie eine echte Wohnzimmerwärme hin, aber es sei doch deutlich wärmer als draußen“, scherzte Grießner mit Blick auf die winterlichen Temperaturen. Der historische Rahmen verlieh den Klängen dabei eine besondere Tiefe. Grießner skizzierte kurz die beeindruckende Geschichte des Konzertortes: Die erste Erwähnung der Kirche datiert vom 5. August 1068, das heutige Gebäude stammt zumindest in Teilen aus dem Jahr 1625. Sogar eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert thront im Turm – und genau diese Tradition sorgte für eine charmante Programmänderung. Da das samstägliche Einläuten des Sonntags um 18 Uhr in Wallensen fest verankert und nicht abstellbar ist, integrierten die Musikerinnen die Pause kurzerhand passend zum Glockenspiel.
Unter den Gästen begrüßte Grießner auch den Bundestagsabgeordneten Johannes Schraps (SPD) sowie die Landtagsabgeordnete Britta Kellermann (Grüne). Die Anwesenheit der Politik unterstrich die Bedeutung der Förderung: Dank der „Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt“ (DSEE) und dem Programm „Engagiertes Land“ konnte das Konzert bei freiem Eintritt angeboten werden. Die vier Orte Wallensen, Ockensen, Levedagsen und Thüste profitieren als WOLT-Region schon seit einigen Jahren von diesen Mitteln, wobei der Fokus 2026 verstärkt auf hochkarätiger Kultur liegt.
Musikalisch bot das Trio – bestehend aus Beate Funk an der Klarinette, Claudia Quakernack am Akkordeon und Anne-Lise Atrsaie am Violoncello – eine Darbietung auf höchstem Niveau. Die ungewöhnliche Instrumentierung erwies sich als Glücksgriff für die klare Akustik des Kirchenschiffs, während das Publikum den besonderen Klängen andächtig lauschte. Das Programm „Zwischen Himmel und Manege“ spannte einen weiten Bogen von der traditionellen Klezmer-Suite über Astor Piazzollas leidenschaftliche Werke wie „Milonga del angel“, „La Muerte del Angel“, „Chiquilin de Bachin“ und den berühmten „Libertango“ bis hin zu Franck Angelis „La valse du clown“. Auch Alexander Konstantinowitsch Glasunows „Chant Du Menestrel“, Richard Gallianos „Tango pour Claude“ und „La Valse a Margaux“ sowie Stephen Sondheims „Send in the clowns“ begeisterten die Zuhörer. Mit dem rasanten „Csardas“ von Vittorio Monti, der traditionellen „Klezmerin“ und dem abschließenden „Clowns Carnival“ von Scott Richards bewiesen die Künstlerinnen eine Spielfreude, die immer wieder von begeistertem Zwischenapplaus belohnt wurde. So zeigten die Musikerinnen, dass auch im 20. Jubiläumsjahr ihrer Bühnenpräsenz mit ihnen in der Klassik-Szene gerechnet werden muss.
Das Experiment, ein anspruchsvolles Konzertformat in Wallensen zu etablieren, scheint nach Meinung der Organisatoren geglückt. Die Resonanz der rund 100 Gäste sprach eine eindeutige Sprache: Die Kombination aus Virtuosität und dem anschließenden geselligen Beisammensein bei Sekt und Fingerfood im Vorraum traf genau den Nerv der Menschen. Die am Ende gesammelten Spenden fließen in ein wichtiges lokales Projekt: die Neugestaltung der Außenanlage beim Haus an der Stadtmauer. Nach diesem Erfolg stehen die Chancen gut, dass die Sankt-Martins-Kirche im Laufe des Jahres im Rahmen der neuen Kulturreihe noch öfter zum Schauplatz solcher Highlights wird.

Foto9081: Karl-Heinz Grießner bei der Begrüßung

Foto9083: Rund 100 Besucher waren zum Neujahrskonzert erschienen

Foto9086: Beate Funk, Claudia Quakernack und Anne-Lise Atrsaie während des Konzertes