Aus für das Wärmenetz?
WNOB stellt Planungen in Oldendorf und Benstorf vorerst ein
Oldendorf/Benstorf (gök). Es war ein Projekt mit großen Ambitionen und noch größerer Hoffnung für die lokale Energiewende, doch nun folgt die Ernüchterung. Die Initiatoren der Wärmegenossenschaft Oldendorf-Benstorf (WNOB) haben beschlossen, die laufenden Planungen für ein gemeinschaftliches Wärmenetz vorerst einzustellen. Was als zukunftsweisende Lösung für die Herausforderungen der Wärmewende in der Region begann, scheitert letztlich an den harten wirtschaftlichen Realitäten.
Zuletzt war es merklich ruhig geworden um die Genossenschaft, die noch im Oktober 2024 bei Schautagen auf dem Hof Knoke über 120 Interessierte angelockt hatte. In einer aktuellen Stellungnahme erklärt Heiko Wöhler (WNOB) nun die Hintergründe für das vorläufige Aus. „In den vergangenen Monaten haben wir intensiv geprüft, welche technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Umsetzung notwendig wären“, so Wöhler. Das Ergebnis der Prüfungen ist eindeutig: Die derzeitige Anschlussdichte in den Ortsteilen ist zu gering. Dies hätte zur Folge, dass die Leitungskosten pro Haushalt so massiv angestiegen wären, dass das Projekt für den einzelnen Bürger nicht mehr attraktiv gewesen wäre. Erschwerend kamen laut Wöhler die aktuellen politischen Förderbedingungen hinzu, die eine wirtschaftlich tragfähige Realisierung unter den gegebenen Umständen zusätzlich blockierten.
Rückblickend schien der Weg im Mai 2023 noch geebnet. Die Vision war klar: Die bestehende Biogasanlage der Bioenergie Saaletal, die bereits kommunale Gebäude wie die Grundschule und einige weitere Gebäude versorgt, sollte erweitert werden. Mit bürgerschaftlichem Engagement in Form einer Genossenschaft wollte man die „Last auf mehrere Schultern verteilen“, wie Gesellschafter Horst-Friedrich Hölling damals betonte. Auch die Gemeinde unter Bürgermeister Clemens Pommerening signalisierte Unterstützung, selbst die teilweise Umnutzung des Sportplatzes für notwendige Speichergebäude stand zur Debatte.
Doch trotz reger Beteiligung bei Informationsabenden und einer verlängerten Registrierungsfrist im Herbst 2024 reichten die Fakten jetzt nicht aus, um die enormen Investitionskosten für ein flächendeckendes Leitungsnetz in Oldendorf und Benstorf zu rechtfertigen. Trotz der aktuellen Entscheidung möchte das Team der WNOB die Flinte nicht gänzlich ins Korn werfen. „Diese Entscheidung bedeutet keinen Abschied von der Idee“, betont Heiko Wöhler. Das Konzept einer gemeinschaftlichen und nachhaltigen Wärmeversorgung bleibe weiterhin großartig und zukunftsweisend.
Sollten sich die Rahmenbedingungen in der Zukunft ändern – sei es durch eine steigende Zahl an Interessenten, neue technische Lösungen oder attraktivere Förderprogramme des Bundes – sei man bereit, die Arbeit jederzeit wieder aufzunehmen. Der Dank der Initiatoren gilt ausdrücklich den Bürgern für das entgegengebrachte Vertrauen. „Ihr Engagement habe gezeigt, wie groß der Wunsch nach nachhaltigen Lösungen in der Nachbarschaft grundsätzlich ist“, so Wöhler abschließend.
Foto: Wärmetage wie hier in Oldendorf 2024 ließen zunächst ein großes Interesse vermuten
