Zwischen Wunsch und Wirtschaftlichkeit

Zukunft der Café-Fläche im Nah & Gut Oldendorf im Gespräch

Oldendorf (gök). Wo früher der Duft von frischen Brötchen in der Luft lag und angeregte Gespräche den Supermarkt belebten, herrscht seit dem Jahreswechsel Leere. Die Schließung der Bäckerei-Filiale Bohne im Oldendorfer „Nah & Gut“-Markt hat eine Lücke hinterlassen, die weit über das kulinarische Angebot hinausgeht. Für viele Bürger, insbesondere für die ältere Generation, war die Fläche ein zentraler Treffpunkt im Dorf.

Das Ortsratsmitglied Petra Krause-Wloch (SPD) wurde zuletzt vermehrt von besorgten Bürgern angesprochen. Der Tenor: Es fehlt eine Sitzmöglichkeit, um nach dem Einkauf zu verweilen oder sich mit Nachbarn auszutauschen. In einem Gespräch mit der Inhaberin des Marktes, Angelique Spiller, wurde deutlich, dass die aktuelle Situation für alle Beteiligten unbefriedigend ist. „Es ist total blöd für die Leute, und ich finde es selbst sehr schade. Das war ein echter Dorftreffpunkt“, bedauert Spiller.

Entgegen mancher Gerüchte im Dorf betont die Inhaberin, dass sie keineswegs gegen eine Neunutzung der Fläche sei – im Gegenteil. Vielmehr scheiterten bisherige Bemühungen an der harten wirtschaftlichen Realität. Weder lokale Interessenten noch die Edeka-interne Schäfer-Bäckerei sahen den Standort laut Spiller als wirtschaftlich interessant genug an. Auch die Überlegung eines Interessenten, ein Bistro zu eröffnen, ließ sich organisatorisch nicht umsetzen, obwohl sich Angelique Spiller sogar an den Kosten für eine notwendige Trennwand beteiligt hätte. Dass die Ecke derzeit dunkel und unbelebt wirkt, ist also kein böser Wille, sondern das Resultat fehlender Pächter.

Ein großes Hindernis für einfache Sitzgelegenheiten in Eigenregie ist zudem die rechtliche Lage. Sobald im Innenbereich eine gewisse Anzahl an Sitzplätzen angeboten werden, ist eine offizielle Kundentoilette gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist für den kleinen Betrieb mit nur sieben Mitarbeitern und ohne externe Reinigungskraft nicht zu stemmen, zumal der Zugang zur Toilette durch den privaten Bürobereich führen würde. Die strengen Hygienevorschriften und Putzpläne machen eine solche Öffnung für die Öffentlichkeit laut Spiller unmöglich.

Da der aktuelle Zustand mit der abgesperrten Fläche kein schöner Anblick ist, hat Angelique Spiller nun eine pragmatische Lösung erarbeitet. Um die optische Lücke zu schließen, soll eine flexible Regalwand aufgestellt werden. Diese fungiert als Sichtschutz und Verkaufsfläche, lässt sich aber jederzeit wegschieben, falls sich doch noch ein neuer Betreiber findet. Um den Bürgern zumindest ein Minimum an Komfort zu bieten, plant die Inhaberin zudem das Aufstellen von zwei Stehtischen im Innenbereich. Diese fallen nicht unter die strengen Toiletten-Auflagen und ermöglichen dennoch einen kurzen Plausch beim Einkauf.

Für die wärmeren Monate hat Spiller zudem eine gute Nachricht für die Oldendorfer: Sobald die restlichen Möbel des Vorpächters entfernt sind, möchte sie im Außenbereich wieder einige Stühle anbieten. Auch wenn dies die gemütliche Café-Atmosphäre von früher nicht vollends ersetzen kann, ist es ein wichtiger Schritt, um den sozialen Austausch im Dorf wieder zu fördern. „Für mich ist es auch ärgerlich, denn die Menschen dort sitzen zu sehen, hat dem Laden auch mit Leben eingehaucht“, resümiert die Inhaberin.

Foto: Die ehemalige Bäckerei-Ecke im Supermarkt soll optisch noch weiter abgetrennt werden