Flammen der Solidarität

Wie Gronau sein Osterfeuer aus der Asche rettete

Gronau (gök). Es war ein Schock in der Nacht zu Karsamstag, der die ehrenamtlichen Helfer des TSV Gronau tief traf. Gegen 2:11 Uhr wurden die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Gronau in die Kuhmasch gerufen – das traditionelle Osterfeuer, das erst die Tage zuvor mühsam aufgeschüttet worden war, stand in voller Ausdehnung in Flammen. Was als Vorfreude auf ein gemeinschaftliches Fest geplant war, endete in den frühen Morgenstunden zunächst in einem Trümmerfeld aus Asche und Glut. Besonders für Uwe Göldner, in Gronau liebevoll „Katze“ genannt, war der Anblick ein schwerer Schlag. Seit dem 1. April hatte er täglich auf dem Platz gestanden, Strauchschnitt angenommen und unzählige Stunden Herzblut in die Vorbereitungen investiert. Die mutwillige Zerstörung seines Werkes hinterließ ihn zunächst fassungslos und am Boden zerstört.

Doch was in den Stunden nach dem Brand geschah, zeigt die beeindruckende Stärke einer funktionierenden Gemeinschaft in der Region. Anstatt aufzugeben, entschied sich der Vorstand des TSV um den verantwortlichen Fußball-Spartenleiter Christian Angel für die Flucht nach vorn. Ein digitaler Hilferuf verbreitete sich über WhatsApp, Facebook und Instagram wie ein Lauffeuer durch die Stadt und die umliegenden Orte. „Unsere Botschaft war klar, wir lassen uns unser Fest nicht nehmen“, erklärte Angel im Gespräch. Ab neun Uhr morgens am Ostersamstag verwandelte sich der Platz hinter dem Freibad in einen Ort überwältigender Hilfsbereitschaft. Überall sah man Autos mit Anhängern, die neuen Strauchschnitt anlieferten, um den verlorenen Haufen rechtzeitig zum Abend wieder aufzubauen. Der Verein hatte den Einkauf für das Osterfeuer die Tage zuvor schon erledigt und wäre sonst auch auf den Kosten sitzengeblieben.

Die Unterstützung kam von allen Seiten und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Aus den umliegenden Dörfern wie Eime, Elze oder Rheden wurde Material herbeigeschafft. Auch Yannik Jaenisch aus Barfelde etwa brachte spontan eine Anhängerladung vorbei, die eigentlich für das dortige Feuer gedacht war. „So eine Brandstiftung ist boshaft und ich wollte bewusst ein Zeichen gegen die Zerstörung setzen“, so Jaenisch. Vor einigen Jahrzehnten passten in vielen Orten noch Feuerwachen auf ihr Osterfeuer auf, doch eigentlich waren diese Zeiten laut Jaenisch doch passé. Auch viele ortsansässige Unternehmer ließen alles stehen und liegen, um mit schwerem Gerät zu helfen. Das Bauhofteam von der Samtgemeinde engagierte sich ebenfalls stark und stellte einen Bagger zur Verfügung, um den neuen Berg aus Strauchschnitt fachgerecht aufzuschichten. Unter den vielen Gronauern, die anpackten, war auch Hartmut Klein. Er war durch seinen Sohn in den sozialen Medien auf den Brand aufmerksam geworden und zögerte nicht lange, Reste aus seinem Garten zum Platz zu bringen. Er ist aber nur einer von vielen, die dafür sorgten, den Haufen für das Osterfeuer wieder wachsen zu lassen. Vom TSV waren rund 30 Helfer gleichzeitig im Einsatz, um gleichzeitig die Getränke- und Grillwagen aufzubauen und die letzten Vorbereitungen für das Fest zu treffen. Die ursprüngliche Verzweiflung wich einer Atmosphäre des Aufbruchs und des Stolzes.

Am Abend sollte das Feuer schließlich wie geplant brennen – vielleicht laut Angel sogar heller als je zuvor. Der Spartenleiter rechnete vorher wie gewohnt mit mehreren hundert Besuchern, die nicht nur wegen der Tradition, sondern auch wegen dieses besonderen Zeichens des Zusammenhalts kommen würden. In Krisenzeiten, so das Fazit von Angel, rückt man in Gronau und Umgebung eben zusammen.

Foto1528: Jannik Jaenisch bringt auch Strauchschnitt nach Gronau

Foto1532: Ehrenamtliche Helfer vom Bauhof schichten mit Bagger das Osterfeuer in Gronau wieder auf