450 000 Euro für die Zukunft
Dorfgemeinschaftshaus Osterwald wird grundlegend umstrukturiert
Osterwald (gök). In einer wegweisenden gemeinsamen Sitzung haben der Bildungsausschuss des Flecken Salzhemmendorf und der Ortsrat Osterwald den Weg für die Sanierung und Neustrukturierung des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) freigemacht. Das Ziel war eine klare Trennung zwischen Kindergarten und Vereinsleben sowie die Sicherung der Gebäudesubstanz. Die Herausforderungen im DGH Osterwald sind seit längerem bekannt. Kinder müssen für den Gang zur Toilette die Etage wechseln, die Aufsichtspflicht ist in den verwinkelten Räumen schwer zu gewährleisten und die Dorfgemeinschaft teilt sich Flächen mit der Kita, was oft zu organisatorischen Konflikten führt. „Die Kita hätte auf Dauer so nicht weiterbetrieben werden können“, stellte Ausschussmitglied in den Beratungen Karl-Heinz Grießner (SPD) nüchtern klar. Damit der Standort erhalten bleibt, wurde nun ein umfassendes Konzept der Hamelner Architektin Kristin Liebig präsentiert und einstimmig verabschiedet.
Kern des Entwurfs ist die „Nutzungsstrukturierung“. Das bedeutet vor allem eine räumliche Trennung. Die Kita-Sanitäranlagen wandern vom Unter- ins Obergeschoss, damit die Wege für die Kinder kürzer und sicherer werden. „Derzeit müssen die Kinder teilweise alleine nach unten gehen, das ist bei der Aufsichtspflicht schwierig“, bestätigte eine Vertreterin der Kita die Dringlichkeit. Zudem erhält die Kita eigene Zugänge und einen zweiten Rettungsweg über eine neue Außentreppe. Das schafft Platz im Innenbereich: Durch den Entfall des gemeinsam genutzten Flurs kann dieser künftig als aktive Nutzfläche für die rund 50 Kinder herangezogen werden. „Das ist zwingend notwendig, da es sonst zu knapp wird“, erklärte Jan Rohrmann von der Gemeindeverwaltung.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Um der Kita den nötigen Raum zu geben, muss die Dorfgemeinschaft zusammenrücken. So wird etwa der Raum des Männergesangvereins zum Personal- und Büroraum der Kita umgebaut. „Dem Männergesangverein tut das weh“, gab Uwe Kaller (SPD) zu bedenken. Es bestehe unter den Mitgliedern auch die Sorge, dass nicht mehr jeden Freitag gesungen werden könne. Bisher wurde oft auf einen kleineren Raum ausgewichen, wenn freitags der große Dorfgemeinschaftsraum anders genutzt wurde. Thomas Hölscher (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses, fand deutliche Worte: „Leider müssen hier bittere Pillen geschluckt werden. Ich möchte am liebsten keinem wehtun, aber es ist schwierig.“ Am Ende überwog jedoch die Einsicht, dass dieser Kompromiss mit Gesamtkosten von rund 450 000 Euro die wirtschaftlichste Lösung sei. Ein Anbau, so Patrick Schütte (WLP), würde „ganz andere Kosten“ verursachen.
Kritik kam von den Anwohnern und aus dem Ortsrat bezüglich der Barrierefreiheit. Eine Einwohnerin aus dem Ort, Günter Helmer vom Männergesangverein und Uwe Kaller mahnten an, dass eine fehlende Rampe oder ein Aufzug das Gebäude für Senioren, etwa bei DRK-Veranstaltungen, schwer zugänglich mache. Laut Architektin Liebig ist für einen Aufzug im Bestand jedoch kein Platz vorhanden. Patrick Schütte (WLP) sieht die Barrierefreiheit als „langfristiges Thema für den Ortsrat“, das im aktuellen Budget noch nicht vollständig gelöst werden kann.
Die Investitionssumme für das Gesamtprojekt beläuft sich auf rund 452 300 Euro. Der größte finanzielle Posten entfällt dabei mit etwa 200 500 Euro auf die bauliche Trennung der Nutzungseinheiten, was unter anderem den Einbau neuer Sanitäranlagen im Erdgeschoss, Trockenbauarbeiten und die Installation der Fluchttreppen umfasst. Weitere 147 700 Euro sind für die allgemeine Sanierung des Gebäudes vorgesehen, um Risse zu beseitigen, die oberste Geschossdecke energetisch zu dämmen und die Haustechnik zu modernisieren. Die spezifische Ausstattung der Kindertagesstätte nach aktuellen Sicherheitsstandards schlägt mit rund 38 200 Euro zu Buche, während der Rest der Summe für Planungskosten und Genehmigungsgebühren reserviert ist.
Der Zeitplan sieht eine schrittweise Umsetzung vor, um den laufenden Betrieb so wenig wie möglich zu belasten. Da bereits die Hälfte der benötigten Mittel im aktuellen Haushalt bereitgestellt wurde, soll die räumliche Trennung nach dem Wunsch des Bürgermeisters Clemens Pommerening noch im laufenden Jahr realisiert werden. Dabei werden zunächst die Flurwände im Obergeschoss versetzt und die Decken statisch verstärkt, um die provisorischen Holzstützen entfernen zu können. Im darauffolgenden Jahr 2027 liegt der Schwerpunkt auf den restlichen Arbeiten, insbesondere dem Umbau der Sanitärbereiche und der finalen akustischen Aufwertung der Räume. Damit soll die vollständige Ertüchtigung der Kindertagesstätte bis zum Ende des Jahres 2027 abgeschlossen sein. Trotz der Einschnitte zeigte sich Nina Wüstemann (WLP) optimistisch: „Es ist eine gute Lösung für die Dorfgemeinschaft. Wir erhalten einen separaten Bereich, der ganztägig nutzbar ist und sichern gleichzeitig den Fortbestand der Kita.“
Foto0651: Das Dorfgemeinschaftshaus Osterwald soll umgebaut werden
Foto0652: Die Sitzung in Osterwald stieß auf großes Interesse

