Ein Jahrhundert voller Leben

Anneliese König in Bisperode feierte 100. Geburtstag

Bisperode (gök). Der Morgen ihres Ehrentages begann für Anneliese König jetzt in Bisperode zunächst wie jeder andere. Nach dem Aufstehen und dem gemeinsamen Frühstück wählte sie jedoch eine besonders feierliche Garderobe aus, denn dieser Tag markierte einen außergewöhnlichen Meilenstein, ihren 100. Geburtstag. In ihrem Sessel sitzend und sichtlich gut gelaunt, empfing die Jubilarin die ersten Gratulanten in ihrem Zuhause an der Langen Straße. Zu den Gästen gehörten Monika Hundertmark und Ulrike Munzel vom Landfrauenverein sowie Ortsbürgermeister Manfred Sohns und Pastor Ingo Wiegmann von der Kirchengemeinde am Ith. Ihr Sohn Gunthard stand ihr dabei den gesamten Vormittag hilfreich zur Seite.

Die Lebensgeschichte von Anneliese König ist geprägt von Fleiß und historischen Umbrüchen. Geboren wurde sie als Anneliese Wolf im niederschlesischen Lauban, wo sie gemeinsam mit drei Brüdern aufwuchs. Nach ihrem Pflichtjahr schlug sie einen für die damalige Zeit ungewöhnlichen Weg ein und absolvierte als erster weiblicher Lehrling eine Ausbildung zur Sparkassenfachangestellten bei der Kreis- und Stadtsparkasse Lauban. Auf eine kurze Anstellung folgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst, bevor sie im Juni 1946 ihre schlesische Heimat durch die Vertreibung verlassen musste. Nachdem die Familie zunächst in alle Winde verstreut worden war, fand sie 1948 in Bisperode wieder zusammen. Beruflich knüpfte Anneliese König an ihre Kenntnisse an und fand eine Anstellung bei der örtlichen Spar- und Darlehnskasse. Privat wendete sich das Blatt im Jahr 1954, als sie den Kfz-Meister Gunter König heiratete. Dieser betrieb gemeinsam mit seinem Vater Friedrich eine Schlosserei für Maschinen und Kraftfahrzeuge sowie eine Tankstelle im Ort. Mit der Geburt des Sohnes Gunthard im Jahr 1955 und der Betriebsübernahme durch Gunter König im Jahr 1957 begann für das Ehepaar der gemeinsame Weg in die Selbstständigkeit.

Über Jahrzehnte hinweg war Anneliese König die kaufmännische Seele des Familienunternehmens und leitete zudem die Tankstelle. Auch nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1996 blieb sie fest in Bisperode verwurzelt. Heute bewohnt sie weiterhin ihre großzügige Wohnung im eigenen Haus, unterstützt von ihrem Sohn und dessen Ehefrau, die ebenfalls dort leben. Geistig fit genießt sie abends gerne das Fernsehprogramm, oft bis weit nach Mitternacht. Lediglich den regelmäßigen Gang ins Schwimmbad vermisst die begeisterte Schwimmerin heute sehr. Zum Abschluss des Vormittags begab sich die Jubilarin mit ihrer inzwischen angewachsenen Gästeschar in das benachbarte kirchliche Gemeindehaus, um dort im großen Kreis weiterzufeiern.

Foto: Ingo Wiegmann, Gunthard König und Manfred Sohns mit der besonderen Jubilarin Anneliese König