Wanderidyll oder notwendige Verjüngungskur?

Coppenbrügge (gök). Der Wanderweg „Co2“ am nördlichen Ithhang galt bisher als Tipp für Naturfreunde. Ein von Hecken und Bäumen gesäumter Grasweg, der sich idyllisch durch die Landschaft schlängelt. Doch wer dort vor Kurzem spazieren ging, dem bot sich ein verstörendes Bild. Während Anwohner von „brutaler Rodung“ sprechen, verweist das Bauamt auf kranke Bäume und langfristige Naturschutzpläne.

Gernot Hüsam ist fassungslos. Bei seinem Rundgang am vergangenen Sonntag traute der Coppenbrügger seinen Augen kaum: „Einer der schönsten Heckenwege, die ich kenne, ist zerstört“, berichtet er der Redaktion. Wo früher dichtes Grün den Weg säumte, ragen heute nur noch Stümpfe aus dem Boden. Der einst weiche Grasweg sei mit schweren Kettenfahrzeugen „abgeschoben“ worden und für Wanderer derzeit unbrauchbar. Mit einer Nachricht an diese Zeitung bat er um Aufklärung.

Die Antwort aus dem Rathaus ließ nicht lange auf sich warten, fiel jedoch nüchterner aus. Nils Bormann vom Bauamt des Fleckens Coppenbrügge erklärt die Maßnahme mit der mangelnden Pflege der vergangenen Jahrzehnte. Das Hauptproblem dabei ist das Eschentriebsterben. „In der Heckenstruktur sind viele Eschen wild aufgewachsen. Ein Großteil dieser Bäume war durch die Krankheit bereits abgängig“, so Bormann. Um die Verkehrssicherheit auf dem Wanderweg zu gewährleisten, mussten die Bäume entnommen werden. Ziel sei es nicht, die Natur zu zerstören, sondern die ursprüngliche, pflegeleichte Heckenstruktur wiederherzustellen.

Besonders kritisch hinterfragen Naturschützer den Zeitpunkt solcher Arbeiten, da im März die Brut- und Setzzeit beginnt. Hier gibt das Bauamt Entwarnung: Die Fällungen und starken Rückschnitte seien fristgerecht bis zum 28. Februar abgeschlossen worden. „Wir halten uns strikt an das Bundesnaturschutzgesetz“, betont Bormann. Für die großflächige Maßnahme habe man zudem die Zustimmung des Naturschutzamtes des Landkreises Hameln-Pyrmont eingeholt und jeden Baum vorab auf Brut- und Ruheplätze begutachtet.

Dass der Weg derzeit eher einer Baustelle als einem Wanderpfad gleicht, sei ein vorübergehender Zustand. Nach den Arbeiten wurde das Areal mit einem Kettenbagger planiert. Das dabei entstandene Boden-Schotter-Gemisch werde laut Gemeinde schnell wieder zuwachsen. Bormann ist überzeugt: „Das Planum des Weges ist jetzt besser als vorher. Im Sommer wird der Zustand für Wanderer absolut ausreichend und schöner als jetzt kurz nach der Maßnahme sein.“

Eine vorherige Ankündigung oder Beteiligung der Bürger hielt die Gemeinde nicht für nötig. Man könne laut Bormann nicht jede kleinere Pflegemaßnahme vorab öffentlich anmelden. Das würde aus Sicht der Verwaltung den Rahmen sprengen. Für Gernot Hüsam und andere Naturfreunde bleibt dennoch ein fader Beigeschmack. Wo die Gemeinde eine notwendige Verjüngungskur sieht, betrauern sie den Verlust eines der schönsten Heckenwege.

Fotos: Der Wanderweg jetzt und letztes Jahr