Über die Kinder an die Eltern

Wiesenhabitat am Kindergarten Osterwald soll erweitert werden

Osterwald (gök). Für die Kinder im Kindergarten Osterwald gibt es seit rund drei Jahren regelmäßig wiederkehrende Abenteuer zu erleben. Auf allen vieren können die Kinder dabei die Welt entdecken und gerade Insekten näherkommen. Mit Hilfe von Thomas Maschke wurde ein Wiesenhabitat direkt am Kindergarten angelegt. Manchmal denken Spaziergänger, dass es sich bei der Wiese am Kindergarten um ein ungepflegtes Stück Rasen handelt. „Am Rand wird die Wiese aber immer gemäht, damit auch auffällt, dass die Pflanzen mit Absicht so angelegt wurden“, erklärt Osterwalds Ortsbürgermeister Torsten Hofer.

„Die Idee bei einer Wildwiese ist, dass die Kinder selber aktiv werden können. Wir wollten Lebensraum für Tiere anbieten sowie Kontakt und Berührung für die Kinder möglich machen“, erklärt Maschke die Ziele für die geschaffene Wildwiese. Am Anfang lag die Arbeit vor allem bei den Mitgliedern des Vereins Biotop-Management-Initiative, die die schwere Arbeit wie Bodenvorbereitung alleine durchführten. Bei der Gestaltung werden dann die Kinder mit einbezogen, die zusammen mit Maschke und den Erzieherinnen die verschiedenen Pflanzen eingraben und dabei auch die Erde mit ihren Händen fühlen können.

„Ausgestattet mit einer Lupe können die Kinder dann die Wiese richtig entdecken. In dem Mikrokosmus werden dann etwa schnell Blattwanzen oder Käfer entdeckt, die man sonst so nicht einfach sieht. Man kann Kindern viel erzählen oder vorlesen, doch das Selbstentdeckte bleibt den Kindern doch eher im Gedächtnis“, erklärt Maschke. Der 57jährige hofft so, dass so auch der Sinn für die Schönheit der Natur im Gedächtnis bleibt und ein entsprechend vorsichtiges Verhalten mit und in der Natur geschaffen wird. Aus seiner Sicht haben Kinder heutzutage nicht mehr so viel Berührungspunkte mit der Natur, werden zu oft kontrolliert und haben keine Freiräume mehr. Das geht aus seiner Sicht schon mit Spielgeräten los, die auf den verschiedenen Spielplätzen installiert sind. Mit Freude erinnert er sich zurück, wie er in seiner Kindheit mit verschiedensten Gegenständen noch Spielgeräte selber gebaut hat.

„Es ist toll, dass die Kinder so an die Natur herangeführt werden und im Kindergartenalter schon das Interesse für die Natur geweckt wird. Natürlich gibt es auch mal Konfliktpotential, wenn ein Gelände als ungepflegt empfunden wird“, so Hofer. Mit Hilfe einer Trockensteinmauer, Totholz, Sand oder Nistkästen wurden auf der Wiese auch kleine Sonderlebensräume geschaffen. So darf auch mal ein Nistkasten von den Kindern unter Aufsicht geöffnet und das Vogelnest inspiziert werden. Die verschiedenen heimischen Wildpflanzen wie Johanniskraut, Schwarze Königskerze oder Riesenglockenblume werden von Maschke und seinem Team selber herangezogen, da es Wildpflanzen nur schlecht zu kaufen gibt. Auch wenn die Wiese mit Wildpflanzen ausgefüllt ist, muss das Gelände gepflegt werden. Ein bis zweimal im Jahr wird die Wiese vorzugsweise mit einer Sense gemäht, wo dann auch das gemähte Gras weggeräumt wird. Die Wiese in Osterwald ist mittlerweile zu einem Hotspot der Insektenwelt geworden, wo zahlreiche Insekten bewundert werden können.

Das Wiesenhabitat soll mittelfristig noch um ein Waldhabitat direkt am Kindergarten erweitert werden. Auf der anderen Seite des Dorfgemeinschaftshauses, wo der Kindergarten integriert ist, stehen mehrere Eichen, die sich für ein Waldhabitat laut Maschke anbieten. „Dort können wir Pflanzen anlegen, die sonst nur im Wald vorkommen. Buschwindröschen oder Bärlauch sind dann Pflanzen, die wir dort anpflanzen können und einen strukturreichen Wald kennzeichnen. Auch das Anlegen von Totholzhaufen oder aufhängen von Nistkästen für Fledermäuse oder Hornissen kann ich mir dann zusammen mit den Kindern vorstellen“, erläutert Maschke seine Gedanken.

Der gelernte Tischler und Naturliebhaber ist sich sicher, dass man über die Kinder aus dem Kindergarten den ganzen Ort noch grüner machen kann. „Vielleicht überzeugen manche Kinder dann auch die Eltern, in ihren Gärten Wildwiesen, Biotope oder andere Insektenparadiese anzulegen“, hofft Maschke. Torsten Hofer etwa hat mit Hilfe von Maschke sein Garagendach schon zu einem kleinen Feuchtbiotop umgewandelt, wo besonders Schwalben Baumaterial für ihre Nester finden.

 

Foto0733+0735+5607: Die Schwalben fühlen sich auf dem Garagendach wohl und finden dort genug zum Bauen ihrer Nester

Foto8204: Thomas Maschke im Wiesenhabitat

Foto8206: Von solchen Blumensamen ernähren sich auch Insekten oder Vögel

Foto8208: Auch die Wiesenameisen fühlen sich in der Wiese wohl

Foto8210+8211: Auch Marienkäfer fühlen sich in der Wiese wohl

Foto8212+8214: Mit verschiedenen Utensilien wurde die Wiese am Rand gestaltet