„Ein Ort, an dem das Licht Gottes in diese Welt falle“

Visitation der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph durch Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger

Gronau (gök). Die letzte Visitation durch den Weihbischof in Gronau war 2014. Seitdem ist viel passiert – die Kirchengemeinde St. Joseph mit Gronau, Lauenstein, Elze und Mehle wird seit zwei Jahren durch ein „ÜPE-Team“ (Überpfarrlicher Personal-Einsatz) geleitet. Pfarrer Martin Brzenska aus Alfeld betreut mit Kaplan Mühlbauer, Gemeindereferentin Patricia Fink und Diakon Jens Pohl zusammen mit ihrer Alfelder Gemeinde insgesamt rund 7000 Gemeindemitglieder in neun Kirchorten und 87 Ortschaften. Gronau, Elze, Mehle und Lauenstein sind jedoch weiterhin eine eigene Gemeinde.

Wie ist die Lage vor Ort?

Weihbischof Schwerdtfeger sprach mit den Hauptamtlichen, erhielt Einblick in die Kirchenbücher und traf sich mit dem Pastoralrat. Vier Fragen hatte die Gemeinde im Vorfeld als Denkanstoß bekommen, um sich auf den Besuch vorzubereiten: Wie verkünden wir glaubwürdig und mit Freude das Evangelium? Wo sind wir attraktiv (und stolz auf uns)? Wo sind wir bei den Armen? Welches sind die zentralen Themen der Pfarrei? In der gemeinsamen Heiligen Messe am Ende des letzten Besuchstages fragte der Bischof in seiner Predigt, wie Kirche sich erneuern könne. „Denkt daran, was die Jünger und Maria getan habe, sucht ähnliche Wege“, ermutigte der Bischof die Gemeinde und erinnerte anhand der Lesung aus der Apostelgeschichte an die Anfänge der Kirche, in der die Jünger einmütig zusammen waren, in Sammlung, in Einkehr: „Die Angst weicht, Mut kommt, Resignation hört auf, Hoffnung wird lebendig. Sie gehen auf Empfang und werden empfangsbereit für den Heiligen Geist.“

Als zentrale Aufgabe der Kirche nannte er das Festhalten an der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brechen des Brotes, das gemeinsame Gebet und das Teilen mit den Bedürftigen. Den französischen Philosophen Michel Foucault zitierend bezeichnete er die Kirche als einen „Andersort“. Bei Foucault seien das Geburtshäuser und Friedhöfe, Jahrmärkte und Theater, Klöster und Feriendörfer gewesen. Allen sei gemeinsam, dass sie ein Fenster öffneten in eine andere Welt und Fragen stellten nach Geburt, Leben und Tod. „Ich erwarte mir, dass ihr andere Orte zu schaffen versteht, wo die Logik des Evangeliums gelebt wird“, zitierte er Papst Franziskus, der sich Orte wünsche, an denen das Licht Gottes in diese Welt falle.

Im anschließenden Gespräch mit dem Pastoralrat hatte Weihbischof Schwerdtfeger auch ein offenes Ohr für die Sorgen der Gemeindemitglieder angesichts der großen Krise, in der sich die katholische Kirche befinde. Viele Menschen hätten sich von der Kirche abgewandt, nicht nur wegen der erschütternden Straftaten, die Geistliche an Kindern und Jugendlichen begangen haben. Immer weniger Menschen besuchten die Heilige Messe am Sonntag, immer weniger Ehrenamtliche würden immer mehr Arbeiten übernehmen. Weihbischof Schwerdtfeger hörte zu und bestätigte die herausfordernde Lage: Ein Drittel der Kinder aus katholischen/christlichen Familien werde nicht mehr getauft, in zehn Jahren werde sich die Anzahl der Gemeindemitglieder um 600 durch Tod und Austritt reduzieren. Dann erläuterte er, wo er die Stärken der Gemeinde sehe. Als „einen großen Schatz“ erkannte er die 40 Kinder und Jugendliche, die in Elze als Pfadfinder aktiv seien samt ihrer 20 Leiter.

Außerdem lobte er, dass die Kirchengemeinde ein solides Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch habe. Präventionsbeauftragte der Gemeinde ist Ann-Kristin Hachfeld aus Lauenstein, die Lauenstein auch im Pastoralratsvorstand vertritt. Bischof Schwerdtfeger lobte die Reihe „Mit Gott ins Kino“ und das in Gronau die Kirche jeden Tag zum Gebet geöffnet sei. Er gab Anregungen, diese Stärken zu erweitern: „Schaut, ob ihr auch eure anderen Kirchen öffnen könnt. Besucht die Menschen. Besucht die Familien der Erstkommunionkinder, der Täuflinge. Gebt die Botschaft des Evangeliums weiter!“

Als Pfarrer Brzenska am Ende des Treffens dem Weihbischof dankte und ihn um seinen Segen bat, sagte er: „Es ist von Anbeginn an Aufgabe des Bischofs, die Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken.“ Darauf angesprochen, ob der Besuch des Bischofs sie gestärkt habe, sagte Petra Henze, Mitglied des Pastoralratsvorstands aus Elze: „Ich fand sehr ermutigend, dass er sagte, die Kirche müsse ein Dorfbrunnen sein“. Bischof Schwerdtfeger sprach davon, dass eine geöffnete Kirche wie ein Dorfbrunnen sein könne, an den die Menschen kommen, um Wasser zum Leben zu schöpfen. Pastoralratsmitglied Bernd Steins aus Elze ergänzte: „Ja, der Weibischof hat mir Mut gemacht. Außerdem empfinde ich ihn als bodenständig. Er hat gut erkannt, was wir leisten und uns darin bestärkt, weiterzumachen. Und er hat erkannt, wie vielseitig wir sind. Ich fand das Zitat von Bischof Wanke gut („Das eine Ortskirche nicht wächst, mag auszuhalten sein. Dass sie aber nicht wachsen will, ist schlechthin inkazeptabel“). In dem Zusammenhang fand ich auch, dass er uns ermutigt hat, auf die Menschen zuzugehen.“

Bildunterschrift: Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger im Gespräch mit dem Pastoralrat in Gronau.