Kein Kreisel für die Calenberger Allee
Landkreis erteilt erneut eine Absage für Salzhemmendorf
Salzhemmendorf (gök). Wer als Fußgänger in Salzhemmendorf zum Netto-Markt möchte, braucht starke Nerven und ein gutes Gehör. Die Kurve an der Calenberger Allee auf Höhe des Quellwegs ist für Fußgänger zumindest von einer Seite schwer einsehbar, der Verkehr fließt zügig in den Ort und eine Querungshilfe fehlt. Doch der Wunsch des Ortsrates nach einer Entschärfung der Situation durch einen Minikreisel wurde nun vom Landkreis Hameln-Pyrmont zum wiederholten Male abgeschmettert.
Der Ortsrat kämpft bereits seit Jahren über alle Parteigrenzen hinweg für eine Verbesserung der Verkehrssituation. Ende 2025 traf jedoch das erneute Ablehnungsschreiben der Kreisverwaltung ein. Die Begründung der Behörde ist formaljuristisch nüchtern: Es handele sich nicht um einen Unfallschwerpunkt. Zudem handele es sich bei der Calenberger Allee um eine Landesstraße, die dem überörtlichen Verkehr dient, während der abgehende Quellweg Richtung Einkaufsmarkt lediglich eine Gemeindestraße ist. Ein Kreisel sei laut Landkreis nur bei „gleichberechtigten Straßen“ sinnvoll, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.
Für Ortsbürgermeister Karsten Appold (Grüne) ist diese Argumentation fernab der gelebten Realität. „Ich bin gerade erst mit dem Hund dort langgegangen. Man sieht von rechts und links fast gar nichts“, schildert er seine Eindrücke. Besonders die Geschwindigkeit, mit der Autofahrer von der Ortseinfahrt kommend in den Bereich einfahren, bereite Sorgen. „Unsere Argumentationslinie ist eine ganz andere. Es geht um die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer – Senioren, die zum Einkaufen wollen oder Schulkinder. Ein Kreisel wäre eine elegante und günstigere Lösung im Vergleich zu einer aufwendigen Ampelanlage“, so Appold. Auch bei den anderen Mitgliedern im Ortsrat stößt die strikte Haltung des Landkreises auf Unverständnis. Jens Kaiser (Grüne) zeigt sich enttäuscht über die Art der Kommunikation. In der Privatwirtschaft kenne er das Prinzip „keine Ablehnung ohne Gegenvorschlag“. „Das vermissen wir hier völlig. Wir landen immer wieder am Ende einer Diskussion und es geht nicht weiter“, kritisiert Kaiser. Er betont, dass ein Kreisel nicht nur die Querung sicherer machen, sondern insgesamt das Tempo aus dem Ort nehmen würde. Auch für den Schwerlastverkehr ließen sich bauliche Lösungen finden, ist man sich im Ortsrat einig.
Die Stellungnahme des Landkreises lässt wenig Spielraum für Hoffnung. Man verweist darauf, dass sich an der Sach- und Rechtslage seit der letzten Prüfung nichts geändert habe. Auch der Verweis des Ortsrates auf funktionierende Minikreisel in Emmerthal wurde zurückgewiesen: Dort handele es sich ausschließlich um Gemeindestraßen, was rechtlich anders bewertet werde als die Kreuzung einer Landesstraße in Salzhemmendorf. Für die Anwohner und Kunden des Netto-Marktes bleibt die Situation damit vorerst beim Alten: Ein „ungutes Gefühl“ bei jedem Schritt über die Straße. Der Ortsrat will das Thema dennoch nicht gänzlich zu den Akten legen, auch wenn die Hoffnung auf Änderung gering ist.
Foto: Jens Kaiser und Karsten Appold vom Ortsrat wollen die Hoffnung auf einen Kreisel noch nicht aufgeben, die Aussichten sind aber nicht gut
