Hoffnungsschimmer in Lauenstein
Sanierungspläne liegen endlich vor – doch die Zeit rennt
Lange mussten die Lauensteiner auf dieses Lebenszeichen warten. Am 13. April gingen jetzt die entscheidenden Unterlagen des Architekten im Rathaus Salzhemmendorf ein. Während im Naturbad die Besucherzahlen bei Events Rekorde brechen, sorgt die schleppende Sanierungsplanung für Frust und gefährdet die Millionen-Förderung.
Lauenstein (gök). Es ist eine Nachricht, die in Lauenstein und dem gesamten Flecken Salzhemmendorf gleichermaßen für Erleichterung und Stirnrunzeln sorgt. Das Naturerlebnisbad Lauenstein ist einen entscheidenden Schritt weiter – zumindest auf dem Papier. Wie Projektleiter Andreas Hillmer von der Verwaltung des Fleckens telefonisch jetzt bestätigte, ist das vollständige Leistungsverzeichnis des beauftragten Architekten endlich im Rathaus eingegangen. Ein erster Versuch vor zwei Wochen war noch unvollständig und musste nachgebessert werden.
Mit dem Eingang der Unterlagen, die detailliert alle für die Sanierung notwendigen Bauleistungen auflisten, beginnt nun die hausinterne Prüfung. „Wir müssen die Zahlen genau unter die Lupe nehmen und schauen, ob sie noch mit unseren Haushaltsansätzen übereinstimmen“, erklärt Hillmer. Da es sich um eine hoch bezuschusste Maßnahme handelt, muss im Anschluss das Rechnungsprüfungsamt grünes Licht geben. Dieser Prozess ist Standard, kostet aber wertvolle Zeit. Hillmer rechnet mit einer mehrwöchigen Bearbeitungsdauer, bevor die Ausschreibungen öffentlich gemacht werden können. „Im Juni könnte sich dann endlich was tun“, so die vorsichtige Prognose des Projektleiters. Beeinflussen könne man die Geschwindigkeit des Rechnungsprüfungsamtes jedoch nicht.
Während die Verwaltung nun prüft, ist die Geduld beim Trägerverein des Bades langsam am Ende. In einem emotionalen Rechenschaftsbericht wendete sich der erste Vorsitzende Marius Fröschke und Kassenwart Michael Namislo noch vor dem Bekanntwerden des Eingangs des Leistungsverzeichnisses ebenfalls am 13. April an die Öffentlichkeit. Die Bilanz des Vereins ist aktuell eigentlich eine Erfolgsgeschichte: Über 3 000 Besucher lockten Events wie das Schlittschuhlaufen, der Mittelaltermarkt und das Osterfeuer allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 auf das Gelände. Das Bad ist als Treffpunkt lebendiger denn je. Doch hinter den Kulissen herrscht Frust. „Egal ob Schausteller, Badegäste oder Spender – alle fragen: Wann öffnet ihr wieder? Unsere Antwort ist kurz und knapp: Wir wissen es nicht. Genau wie vor zwei Jahren“, so der Vorstand um Fröschke und Namislo. Der Verein sieht seine Hausaufgaben als erledigt an. Ein neuer Vorstand wurde gefunden und von den geforderten 100 000 Euro Eigenanteil sind bereits rund 80 Prozent durch Spenden und Veranstaltungen zusammengetragen.
Die Kritik des Vereins richtet sich deutlich gegen die Verzögerungen in der Planungsphase. Seit Sommer 2024 ist der Architekt unter Vertrag, doch außer zwei Zeichnungen sei lange nichts geliefert worden. Versprechungen, die Unterlagen bis Weihnachten 2025 fertigzustellen, verstrichen fruchtlos. „Die Information, dass der Architekt noch ‚ein paar Tage‘ benötige, hören wir seit zwölf Monaten“, moniert der Vorstand. Ein bereits im Sommer 2025 vorgeschlagener Wechsel des Planers wurde seitens der Politik und Verwaltung verworfen – aus Sorge, ein neuer Architekt müsse sich zu lange einarbeiten. Salzhemmendorfs Bürgermeister Clemens Pommerening ist mit der Situation auch nicht zufrieden. „Ein Architekt für solche speziellen Fälle ist aber nicht einfach zu finden und wenn, dann müssen sie auch noch Zeit haben“, so Pommerening auf Nachfrage.
Das größte Sorgenkind ist nun der Kalender. Die Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro müssen nach aktuellem Stand bis Sommer 2027 abgerechnet sein – eine Frist, die bereits einmal verlängert wurde. Andreas Hillmer zeigt sich hier realistisch bis skeptisch: „Ich glaube, dass wir das im Optimalfall hinbekommen, aber wir werden die Frist wohl erneut verlängern müssen.“ Für die Badegäste bedeutet das eine bittere Pille: „Die Badesaison 2027 sehe ich theoretisch wahrscheinlich nicht“, gesteht Hillmer im Gespräch, wobei es dabei aber noch viele Unbekannte in der Rechnung gibt. Sollten die Ausschreibungsergebnisse zudem den finanziellen Rahmen sprengen, stünde das Projekt vor weiteren Hürden.
Der Vereinsvorstand betonte, dass man mit der Veröffentlichung der internen Abläufe der Informationspflicht gegenüber den vielen Spendern und Mitgliedern nachkommen wolle. Man sei nur Pächter, die Fäden für die Sanierung lägen beim Eigentümer – dem Flecken Salzhemmendorf. Nach langer Zeit des Stillstands und der Vertröstungen ist das nun vorliegende Leistungsverzeichnis zumindest das Signal, auf das alle gewartet haben. Ob es reicht, um das Naturbad rechtzeitig aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, wird sich in den kommenden Wochen in den Büros der Beteiligten entscheiden. Eine weitere kurzfristige Badesaison ist laut dem Vorsitzenden Marius Fröschke nicht möglich, da dieses zu viele Arbeiten am Regenerationsteich bedeuten würde und letztes Jahr schon der Wasserverlust in der Saison sehr hoch war.
Infobox: Der Weg zur Sanierung
- März 2025: Architekt meldet Verzögerungen wegen Krankheit; Sanierung verschiebt sich auf 2026.
- Sommer 2025: Das Naturerlebnisbad ermöglicht kurzfristig dank dem Einsatz vieler Ehrenamtlicher noch eine Badesaison
- Herbst 2025: Politik entscheidet sich trotz Verzögerungen gegen einen Architektenwechsel.
- März 2026: Verein sammelt 80 % des Eigenkapitals (80.000 €).
- 13. April 2026: Vollständiges Leistungsverzeichnis geht bei der Gemeinde ein.
- Juni 2026: Geplanter Start der öffentlichen Ausschreibungen.
- Sommer 2027: Aktuelle Frist für den Abschluss der geförderten Maßnahmen.
Foto: Das Naturerlebnisbad liegt noch im Dornröschenschlaf und wartet darauf, wachgeküsst zu werden
