Die Bürger stellen die Weichen
Einwohner von Wallensen, Thüste und Ockensen entscheiden über Dorfladenkonzept
Thüste/Wallensen (gök). Die Nahversorgung in Wallensen steht möglicherweise vor einem entscheidenden Wendepunkt. Nachdem in den vergangenen Monaten intensiv über verschiedene Modelle diskutiert wurde, rückt nun eine konkrete Umsetzung in greifbare Nähe. Am Montag, den 11. Mai 2026 lädt der Ortsrat zu einer zentralen Informationsveranstaltung ein, um gemeinsam mit den Bürgern den Startschuss für eine neue Ära des dörflichen Einkaufens zu geben.
Es geht dabei um mehr als nur um Brötchen und Milch. Für Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner (SPD) ist das geplante Dorfladenkonzept ein entscheidender Baustein für die Stärkung der Infrastruktur und die Wiederbelebung der Dorfmitte. In der Sporthalle Thüste werden am 11. Mai ab 19 Uhr die Pläne für den „Dein Schopp“-Containerladen detailliert vorgestellt. Vertreter des Unternehmens werden persönlich vor Ort sein, um das modulare System zu erläutern und Fragen der Einwohner aus Wallensen, Thüste, Ockensen und den umliegenden Ortschaften zu beantworten. Auf Nachfrage stellte Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner (SPD) klar, dass es in der Informationsveranstaltung nur um das Konzept von „Dein Schopp“ geht. Die Ortsratsmitglieder sind sich laut Grießner einig, dass eine Belebung der Ortsmitte auf dem ehemaligen Ratskellergelände die Infrastruktur stärken würde. Der Ortsrat ist zwar Gastgeber, aber einladen zu der Veranstaltung wird der Betreiber von „Dein Schopp“. Eine Vorstellung der anderen Konzepte ist entgegen der ursprünglichen Planung aus dem Januar nach Vorstellung des Ortsrates nicht mehr geplant. „Der Hofladen hat sich ja schon anders aufgestellt und bietet weitere Waren an. Das spricht aber aus unserer Sicht nicht gegen ein weiteres Angebot in der Ortsmitte, welches dem Ort als Ganzes guttun würde. Eine Debatte ist bei der Veranstaltung jedenfalls nicht geplant“, so Grießner.
Maurice Lochte vom REWE-Markt in Salzhemmendorf hatte auch ein Nahverkaufsprojekt auf Containerbasis im Januar während der Ortsratssitzung vorgestellt, was jetzt in den Überlegungen des Ortsrates laut Grießner keine Rolle mehr spielt. Laut dem Ortsbürgermeister hat der REWE schon die Zusammenarbeit mit dem Hofladen forciert, weshalb da kein weiterer Kontakt gesucht wurde. Lochte zeigte sich jetzt auf Anfrage nur überrascht, dass sein Nahverkaufskonzept in keinen weiteren Überlegungen des Ortsrats anscheinend mit einbezogen wird. Auch Christoph Stichnothe vom Hofladen zeigte sich erstaunt, dass der Ortsrat jetzt nur noch das eine Modell von „Dein Schopp“ favorisiert.
Der Fokus des Abends liegt für den Ortsrat auf dem solidarischen Gemeinschaftsmodell. Damit der automatisierte Laden wirtschaftlich betrieben werden kann, ist die Unterstützung der Bürger gefragt. Die Veranstaltung bildet den Auftakt für die Akquise der notwendigen Abonnements. Für die durch das Abonnement getragene Umsatzgarantie gibt es im Gegenzug vergünstigte Einkaufskonditionen für die Abonennten. Dass dieses Modell funktionieren kann, zeigen Beispiele aus der Nachbarschaft. In Deinsen ist die notwendige Anzahl an Abo-Unterschriften bereits erreicht und auch in Bisperode bereitet man sich intensiv auf die Ansiedlung vor. Ortsbürgermeister Grießner betont dabei besonders den sozialen Aspekt des Vorhabens. Ein moderner Dorfladen sichere nicht nur die Versorgung der zahlreichen Einwohner aus der Umgebung und der über 1000 Campinggäste in den Sommermonaten, sondern sei vor allem ein Zeichen der Solidarität gegenüber älteren und weniger mobilen Mitbürgern. Es gehe für ihn ausdrücklich nicht darum, bestehenden Angeboten wie dem örtlichen Hofladen oder dem Fleischer Kunden zu entziehen. Vielmehr gelte der Grundsatz, dass eine Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten die Attraktivität des Ortes insgesamt steigere und somit mehr Menschen den Weg nach Wallensen finden lasse.
Als Standort für den neuen Versorgungsstandort hat die Gemeinde bereits das Grundstück des ehemaligen Ratskellers in der Ortsmitte fest im Blick. Die Fläche befindet sich mittlerweile im Eigentum des Fleckens Salzhemmendorf. Unabhängig von der finalen Entscheidung über den Laden stehen hier zeitnah Veränderungen an. In den kommenden Tagen werden die restlichen maroden Gebäudeteile abgerissen. Das Areal sowie die Böschung zum Kirchengelände werden im Anschluss neu angelegt, um einen einladenden Raum im Herzen des Dorfes zu schaffen.
Der Ortsrat hofft auf eine sachliche und konstruktive Diskussion während der Versammlung. Man habe es nun laut Grießner selbst in der Hand, die Chance auf eine moderne Nahversorgung zu ergreifen. Ob sich eine vergleichbare Möglichkeit in Zukunft noch einmal ergibt, sei für ihn fraglich. Die Bürger sind daher vom Ortsrat aufgerufen, sich am 11. Mai ein eigenes Bild zu machen und die Zukunft ihres Ortes aktiv mitzugestalten.
Foto: Auf dem ehemaligen Ratskellergelände könnte ein „Schopp“ entstehen – die hinteren Garagenreste vor der Kirche sollen in Kürze abgerissen werden
