Ritter, Met und Regenschirme
Erstes Mittelalter-Spektakel in Lauenstein trotzt den Elementen
Lauenstein (gök). Wenn der Duft von über offenem Feuer gebratenem Spanferkel durch das weite Rund des Naturerlebnisbades zieht und sich das dumpfe Schlagen von Äxten mit dem fröhlichen Feilschen an Marktständen vermischt, dann ist die Zeitreise perfekt. Lauenstein feierte eine Premiere, die trotz launischen Aprilwetters im März das Zeug dazu hat, eine neue Tradition im Ostkreis zu begründen. Der erste Mittelaltermarkt auf dem Gelände des Naturbades lockte Neugierige, Fachleute und Gewandete aus der gesamten Region an und bewies, dass das historische Ambiente und moderne Dorfgemeinschaft eine hervorragende Symbiose eingehen.
Das Gelände des Naturerlebnisbades Lauenstein, das normalerweise im Sommer für Abkühlung sorgt, bot die ideale Kulisse für dieses besondere Spektakel. Über 30 Stände hatten den Weg in den Flecken gefunden, auch wenn die Organisatoren bedauerten, dass kurzfristig einige Absagen eingegangen waren. Dennoch wirkte der Markt keineswegs leer. Vielmehr nutzten die Betreiber die Weitläufigkeit des Areals geschickt aus, um ein authentisches Lagerleben zu inszenieren. Bereits am Freitagabend, als die ersten Feuer entzündet wurden, lag ein besonderer Zauber über dem Badgelände. Zahlreiche „Gewandete“ – Besucher und Akteure in historisch nachempfundener Kleidung – waren bereits vor Ort und verliehen dem Areal ein unvergleichliches Flair. Wer durch die Reihen der Zelte schritt, fand eine beeindruckende Vielfalt vor. Handgefertigter Schmuck, fein gewebte Stoffe, robuste Rüstungsteile und natürlich der obligatorische Met in verschiedensten Geschmacksrichtungen luden zum Stöbern und Kaufen ein.
Besonders die kulinarische Meile ließ kaum Wünsche offen. Neben den Klassikern wie Braten und deftigen Suppen zog vor allem ein großer Salami-Stand die Blicke auf sich. Die weitläufigen Rasenflächen boten zudem Raum für Aktivitäten, die auf engeren Marktplätzen oft keinen Platz finden. So konnten sich die Besucher im Bogenschießen versuchen oder beim Axtwerfen ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Für die kleinsten Recken gab es kindgerechtes Dosenwerfen und ein historisches Karussell, das für leuchtende Augen sorgte. Der Samstag zeigte sich leider von seiner nasskalten Seite, was die Besucherströme zunächst etwas bremste. Doch die Lauensteiner ließen sich die Laune nicht verderben. Heiko Dörpmund aus Lauenstein fasste die Stimmung treffend zusammen: „Tolles Ambiente hier, nur das Wetter ist nicht so toll. Aber eine tolle Veranstaltung, die den Ort bereichert.“
Diese Einschätzung teilte auch Hubert Brock, der vor allem die geschickte Nutzung des Geländes lobte: „Gerade der hintere Bereich im Naturbad bietet sich an, das sieht toll aus zwischen den Bäumen.“ Tatsächlich wirkten die weißen Zelte der Heerlager unter den alten Baumkronen so, als gehörten sie schon immer dorthin. Ein besonderes Lob kam von Carsten Wabschke, der zugab, zunächst skeptisch gewesen zu sein: „Ich bin sehr positiv überrascht von unserem Mittelaltermarkt! Ich konnte mir so wirklich nichts drunter vorstellen, da ich nur das große Event aus Hameln kannte. Ich finde das Angebot auf dem Markt im Naturbad sehr gut aufgestellt, es ist nicht nur was für Menschen, die mit dem Mittelalter in Verbindung stehen! Für mich ist es eine gelungene Abwechslung für unsere Region. Ich würde mich freuen, wenn sich dieser Mittelaltermarkt in der Region oder sogar im Naturbad etabliert!“
Dass der Ruf des Marktes weit über die Grenzen des Landkreises hinausreichte, bewies Thomas Müller, der den Weg aus der Landeshauptstadt auf sich genommen hatte: „Ich bin extra aus Hannover angefahren. Wirklich ein tolles Ambiente mit total freundlichen Menschen. Ich habe mich extra wie im Mittelalter gekleidet und habe mir so auch den Eintritt gespart“, freute er sich über den Rabatt für Gewandete.
Der Sonntag entschädigte dann für den verregneten Vortag. Bei deutlich trockneren Wetter füllte sich das Gelände zusehends und die Händler zeigten sich zufrieden. Ein kleiner Wermutstropfen blieb jedoch. Der ursprünglich geplante Showkampf musste entfallen, da die professionellen Ritterkämpfer zeitgleich in ihrer Bundesliga-Runde gefordert waren. Doch Faxe Weber vom Organisationsteam blickt bereits optimistisch nach vorne: „Bei einer Wiederholung im nächsten Jahr ist das definitiv wieder angedacht.“ Überhaupt scheint eine Fortsetzung im Bereich des Möglichen zu liegen. Die Marktleute selbst sind eine eingeschworene Gemeinschaft – rund 60 Prozent der Aussteller bilden ein festes Stammteam, das gemeinsam von Ort zu Ort zieht. In Lauenstein fühlten sie sich sichtlich wohl. Faxe Weber betonte: „Wir Aussteller würden gerne nächstes Jahr wiederkommen und auch der Trägerverein vom Naturerlebnisbad ist aufgeschlossen.“ Einziger Unsicherheitsfaktor für das Jahr 2027 ist die geplante Sanierung des Bades.
Foto1306: Heiko Dörpmund lässt die Axt fliegen
Foto1329: Günter Tiedau ist mit der Axt sehr treffsicher
Foto1362+1365: Hubert Brock zielsicher mit Pfeil und Bogen
Foto1387: Heiko Dörpmund lässt sich das Bogenschießen erklären
Foto1393: An den Ständen gab es viel zu stöbern
Foto1394: Natürlich durfte auch Met in allen möglichen Formen nicht fehlen
Foto1398+1399+1402: Auch durch Regen ließen sich viele Menschen nicht aufhalten














