Überraschender Besuch am Leineberglandbalkon

Wenn der erste Eindruck täuscht

Marienhagen/Thüste (gök). Eine Wandergruppe um Wolfgang Schulz vom Heimat- und Verkehrsverein Coppengrave erlebte kürzlich eine Begegnung der besonderen Art. Bei einer Tour durch den Duinger Berg steuerte die Männerrunde den Leineberglandbalkon als Zwischenziel an. Dort trafen sie auf eine Gruppe von sechs jungen Leuten, deren Erscheinungsbild und Ausrüstung zunächst für Verwunderung sorgten. An einem übermäßig vollgepackten Tisch hantierten die ungewöhnlich gekleideten Besucher mit einem Gaskocher, was bei den erfahrenen Wanderern die Frage aufwarf, was dort wohl vor sich ginge und vielleicht sogar Gefahren für das beliebte Ausflugsziel drohten.

Die anfängliche Skepsis wich jedoch schnell einer positiven Überraschung. Ein freundlicher Gruß öffnete die Tür für ein offenes Gespräch, in dem die jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren von ihrem Ausflug berichteten. Die Gruppe war am Morgen mit dem Zug aus der Landeshauptstadt Hannover nach Banteln gereist und von dort mit dem Bus nach Rott gefahren. Nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt zelebrierten sie eine sorgfältig vorbereitete Rast. Alles Nötige für warme und kalte Speisen sowie Getränke hatten sie in ihren Rucksäcken auf den Berg getragen.

Nach der ausgiebigen Pause setzte die Gruppe ihre Wanderung fort. Vor ihnen lag ein elf Kilometer langer Fußmarsch zum Alfelder Bahnhof, um pünktlich um 18 Uhr die Heimreise nach Hannover anzutreten. Wolfgang Schulz zeigte sich beeindruckt von der Aufgeschlossenheit und der sinnvollen Freizeitgestaltung der jungen Gäste. Besonders lobenswert hob er hervor, dass sie den Rastplatz in einem tadellosen und perfekt gereinigten Zustand hinterließen. „Die Gruppe war bestens vorbereitet und nahm auch den kompletten Müll wieder mit. Die waren sehr verantwortungsbewusst“, berichtete Schulz begeistert im Gespräch. Sein Fazit der Begegnung unterstreicht, dass die Realität oft weit positiver ist, als es der flüchtige erste Eindruck vermuten lässt.

Diese Episode ereignet sich in einem besonderen Jahr, denn der Leineberglandbalkon feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Errichtet wurde der Aussichtspunkt auf Initiative von Wolfgang Schulz und Martin Gründel 2016 zusammen mit vielen Ehrenamtlichen auf einem alten Betonfundament vom nahen Steinbruch. Mit einem Budget von lediglich 5 000 Euro, ermöglicht durch zahlreiche Spenden und regionale Gewerbetreibende, schufen sie ein Projekt, das Schulz noch heute als eine der besten Investitionen seiner Amtszeit als Samtgemeindebürgermeister bezeichnet.

Seit der Eröffnung hat sich der Balkon zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Bis zum Jahr 2023 verzeichnete der Punkt allein über eine halbe Million Aufrufe auf Google Maps. Auch wenn der erste große Ansturm der Anfangsjahre nachgelassen hat, bleibt der Ort ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber. Damit das Bauwerk auch in Zukunft Wanderer aus Nah und Fern begeistern kann, sorgen regelmäßige Wartungsmaßnahmen für den Erhalt der Anlage.

Foto: Für eine Wanderung war die Gruppe aus Hannover angereist