Ein Hauch von Wien und brasilianisches Feuer
“Frühlingserwachen” beim 38. OrgelPlus-Konzert in Hoyershausen
Hoyershausen (gök). Die St. Marien- und Lambertikirche in Hoyershausen war sehr gut gefüllt, als ein besonderes Jubiläum gefeiert wurde. Mit dem 38. Konzert der beliebten Reihe OrgelPlus markierte der Nachmittag den Beginn des elften Jahres dieser kulturellen Institution. Unter dem passenden Motto “Frühlingserwachen” erlebten die Besucher eine musikalische Reise, die weit über die klassischen Grenzen der Kirchenmusik hinausging.
Gudrun Bosman, die die Konzertreihe von der ersten Stunde an organisiert und dabei lediglich auf die Unterstützung von Sponsoren und ihrem Lebensgefährten Lothar Podszus zählen kann, begrüßte das Publikum mit herzlichen Worten. Sie betonte, dass es nun bereits die elfte Runde von OrgelPlus sei, die nun schon zehn Jahre laufe. “Wir können innerhalb dieser langen Zeit nun das dritte Mal das rennomierte Ensemble Angulum Aureum aus dem Goldenen Winkel in Hannover begrüßen”, so Bosmann in Vorfreude bei ihrer Begrüßung. In Hannover sei das Ensemble mit der Kreuzkirche verheiratet und vielfältig bei Konzerten aktiv. “Frühlingserwachen ertönt heute aus jedem Ton mit viel Wind, Freude und Liebesluft”, so Bosman weiter. Laut der Alfelderin könne es auch sein, dass es die Gäste bei den virtuosen Stücken zum Tanzen animiere. Die Orgel trat dabei dieses mal etwas in den Hintergrund.
Das Ensemble Angulum Aureum, bestehend aus Axel LaDeur am E-Piano und an der Orgel, Elisabeth Schwanda an der Blockflöte sowie Marlene Goede-Uter an der Violine, entfaltete sogleich einen bunten Strauß an Kompositionen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Einen ersten Höhepunkt setzte Axel LaDeur, der bei dem Lied “Was eine Frau im Frühling träumt” von Walter Kollo nicht nur an den Tasten, sondern auch als Sänger glänzte und das Publikum in eine unbeschwingte Welt entführte. Es folgte die melodische Süße von Fritz Kreislers Liebesfreud aus den Alt-Wiener Tanzweisen, bei der das virtuose Zusammenspiel von Piano, Violine und Blockflöte den Charme der Romantik in das Gotteshaus brachte.
Nostalgische Gefühle kamen auf, als Robert Stolz’ “Im Prater blühn wieder die Bäume” erklang. Viele Zuschauer stimmten spontan mit ein und ließen den Kinoklassiker von 1958 musikalisch aufleben. Auch der moderne Tango “Este amor como un sol” von Saul Cosentino aus dem Jahr 2008 weckte bei vielen Anwesenden laut Schwanda sicherlich Erinnerungen an die eigene Tanzschulenzeit und sorgte für eine knisternde Atmosphäre im Kirchenschiff.
Besondere solistische Glanzpunkte setzten die Musiker im weiteren Verlauf des Nachmittags. Elisabeth Schwanda beeindruckte mit der barocken Diminutionskunst in “Engels Nachtegaeltje” von Jacob van Eyck, in dem sie die Echoeffekte und vogelähnlichen Imitationen der Nachtigall meisterhaft auf der Blockflöte präsentierte. Axel LaDeur nutzte kurz darauf die Gelegenheit, die historische Furtwängler-Orgel in Hoyershausen für Felix Mendelssohn-Bartholdys “Präludium op. 37 Nr. 2 in G-Dur” erklingen zu lassen, wobei die 6/8-Rhythmen das Thema des Frühlings perfekt untermalten.
Mit dem Stück “Junicanari” von Markus Zahnhausen entführte Elisabeth Schwanda die Zuhörer durch virtuoses Zwitschern und Trillern direkt in die flirrende Hitze eines Junitages, bevor Axel LaDeur ein Mitbringsel einer Brasilien-Reise präsentierte. Der Choro-Klassiker Segura Ele von Pixinguinha und Benedito Lacerda brachte brasilianisches Feuer und technische Raffinesse in das Leinebergland. Mit dem eleganten Passodoble “Für Dich, Rio Rita” von Enrique Santeugini steuerte das Konzert schließlich auf seinen glanzvollen Abschluss zu.
Den krönenden Endpunkt setzte zunächst der berühmte “Frühlingsstimmenwalzer” von Johann Strauss. Das virtuose Meisterwerk feierte die Wiedergeburt der Natur mit einer Leichtigkeit, die das Publikum eigentlich bewegt in den frühen Abend entlassen sollte. Doch aufgrund des lang anhaltenden Applauses gab es noch eine Zugabe aus dem letzten Konzert von vor vier Jahren. Mit dem Klassiker “L’Amour est bleu”, mit dem 1967 Vicky Leandros den Grand Prix gewonnen hatte, ging es schließlich mit einem Ohrwurm für die Besucher auf den Heimweg. Für alle Liebhaber der Reihe steht der nächste Termin bereits fest: Das 39. OrgelPlus-Konzert findet am Sonntag, den 10. Mai, um 17 Uhr statt. Dann wird Uwe Rehling aus Hannover unter dem Motto “Die heitere Orgel von Bach bis Jazz” zu Gast in Hoyershausen sein. Das Ensemble selber hat einen weiteren Besuch in Hoyershausen schon für den Herbst nächsten Jahres zugesagt.

Foto1811: Axel LaDeur, Marlene Goede-Uter und Elisabeth Schwanda waren in Hoyershausen zu Gast

Foto1812: Die Kirche in Hoyershausen war gut gefüllt

Foto1815: Axel LaDeur setzte sich bei Felix Mendelssohn-Bartholdys “Präludium op. 37 Nr. 2 in G-Dur” einmal an die Furtwängler-Orgel in Hoyershausen