Wiederbelebung der Wallenser Mitte?

Dorfladen könnte Nahversorgung verbessern / Bürger jetzt mit Abos gefragt

Wallensen/Thüste (gök). In der voll besetzten Glück Auf-Sporthalle in Thüste zeichnete sich jetzt eine Perspektive für die lokale Infrastruktur ab. Knapp 100 interessierte Bürger verfolgten gespannt die Ausführungen von Marius Schiel und Sandy Hoppert aus Sachsen Anhalt, die ihr innovatives Konzept für einen modernen Dorfladen von „Unser Schopp“ vorstellten. Die beiden Referenten, die in ihrer Heimat Burgkemnitz in Sachsen-Anhalt bereits einen Dorfladen eröffneten, bringen derzeit die Nahversorgung in Orte zurück, in denen zuvor keine Einkaufsmöglichkeiten mehr existierten. Angesichts steigender Energie und Personalkosten sowie dem massiven Ladensterben im Lebensmittelhandel der letzten Jahre bietet ihr Modell laut den Betreibern eine effiziente Alternative für den ländlichen Raum.

Wallensens Ortsbürgermeister Karl Heinz Grießner (SPD) betonte eingangs, dass es sich um eine reine Informationsveranstaltung handele, um die Realisierbarkeit eines solchen Projekts im Ort auszuloten. Die Entscheidung über eine Ansiedlung der Firma „Unser Schopp“ sei letztlich eine unternehmerische, doch das Interesse im Dorf scheint groß zu sein, wie zwischendurch getätigter Applaus und neugierige Nachfragen belegten. Die Idee eines Dorfladens war bereits vor längerer Zeit in einem Workshop zur Dorfentwicklung als zentraler Wunsch der Bevölkerung formuliert worden. Als potenzieller Standort wird das Gelände des ehemaligen Ratskellers favorisiert. Unabhängig von der Entscheidung über den Laden soll das Grundstück durch den Abriss der alten Kegelbahn und der Garagen ohnehin bis Ende Mai 2026 baureif gemacht werden. Ein solcher Laden wäre laut Grießner nicht nur für Wallensen selbst, sondern für die gesamte umliegende Region von Thüste bis Fölziehausen und den Campingplatz von großer Bedeutung.

Marius Schiel erläuterte die technologische und wirtschaftliche Basis des Vorhabens. Geplant ist ein gedämmter Container Dorfladen mit einer Fläche von bis zu 108 Quadratmetern, der durch Photovoltaik-Technik rund 80 Prozent seines Strombedarfs selbst erzeugt. Mit einem Vollsortiment von bis zu 2000 Produkten, inklusive Kühlung und Tiefkühlung, orientieren sich die Preise an den großen Lebensmittelhändlern wie Edeka oder Rewe. Der Laden soll an 365 Tagen im Jahr durch ein Selbstbedienungssystem zugänglich sein, ergänzt durch stundenweise besetzte Kassenzeiten für Barzahler nach Bedarf. Eine integrierte Sitzecke mit Kaffeeautomat und eine Kinderspielecke sollen zudem den sozialen Zusammenhalt im Dorf stärken und den Laden zu einem Treffpunkt machen. Das wirtschaftliche Herzstück des Projekts ist ein Abo-Modell zur Kundenbindung. Da ein Dorfladen ohne die Unterstützung der Dorfgemeinschaft nicht existieren kann, setzen die Betreiber mit dem Abo-System auf Planungssicherheit. Ab einem wöchentlichen Betrag von 20 Euro können Bürger ein Abo abschließen, das vollständig als Einkaufsguthaben genutzt werden kann. Dieses Guthaben verfällt nicht und ist auch auf andere Personen übertragbar. Für die Umsetzung in Wallensen wird ein wöchentlicher Gesamtumsatz von 4500 Euro benötigt, was etwa 225 abgeschlossenen Abos bei dem Mindest-Abo entspricht. Wer sich für ein Abo entscheidet, profitiert zudem von einem Rabatt in Höhe von fünf Prozent auf seine Einkäufe. Auch Vereine und Firmen können solche Abos abschließen, um das Projekt zu unterstützen.

In der anschließenden Fragerunde wurden auch Aspekte wie die Sortimentgestaltung und die Zusammenarbeit mit lokalen Erzeugern besprochen. Marius Schiel betonte, dass man keine Verdrängung suche, sondern Kooperationen mit dem örtlichen Fleischer und Hofladen anstrebe. Ein Dorfladen mitten im Ort könne zur allgemeinen Belebung beitragen, wovon auch bestehende Betriebe aus Sicht der Betreiber und des Ortsbürgermeisters profitieren würden. Auch der soziale Aspekt wurde bedacht. Im Heimatort der Betreiber ist auch die ebenfalls in Wallensen geplante Cafe-Ecke und ein Kinderspielbereich sehr beliebt als Treffpunkt. Die Versorgung für weniger mobile Menschen würde sich nach Meinung der Betreiber signifikant verbessern und das Dorfleben insgesamt an Attraktivität gewinnen. Auf Fragen zur Sauberkeit erklärte Schiel, dass täglich eine Sichtkontrolle durchgeführt werde. Die Belieferung des Ladens erfolgt in der Regel ein bis zweimal pro Woche. Nach der Versammlung wurde in der Sporthalle in Gruppen noch weiter diskutiert, teilweise auch kontrovers. Gerhard Meyer aus Thüste findet das Konzept des Betreibers zwar in Ordnung, allerdings bemängelt er die aus seiner Sicht mangelnde Kommunikation mit bestehenden Geschäften und die fehlende Erfahrung des Betreibers. Neben einem Bioladen läuft bisher erst der Dorfladen in deren Heimatort erfolgreich. Allerdings sind weitere Dorfläden bereits in der Umsetzung. In der weiteren Nachbarschaft in Adensen und Deinsen im Landkreis Hildesheim wurden die notwendigen Abos wie in anderen Orten vor allem in Sachsen-Anhalt erreicht und die weiteren Schritte auf den Weg gebracht. Mit einer Umsetzung in den nächsten Monaten darf dort gerechnet werden.

Interessierte Bürger können sich ab sofort unverbindlich auf der eigens eingerichteten Webseite registrieren und ihr Interesse an einem Abo bekunden. Unter der Adresse www.unser-schopp.de/gemeinde-wallensen/ ist die Registrierung für ein Abo möglich. Diese Rückmeldungen dienen als notwendige Grundlage für die weiteren Planungsschritte und Bankgespräche. Erst wenn die notwendige Anzahl an Interessenten erreicht ist, können die Verträge aufgesetzt und der Bauantrag vorbereitet werden. In den kommenden Wochen werden zudem Flyer an alle Haushalte verteilt, um über den aktuellen Stand zu informieren. „Jetzt entscheiden die Bürger der Region mit ihrer Abo-Meldung, ob sie das Angebot wollen“, so Grießner in der Veranstaltung. Neben der Online-Möglichkeit können Umfragezettel für die Abos auch im Rathaus Salzhemmendorf, beim Ortsbürgermeister oder in Kürze im Briefkasten der ehemaligen Volksbank abgegeben werden. Bei einer entsprechenden Anzahl an Abos rechnet Schiel mit einer schnellen Umsetzung des Vorhabens. Lediglich die Vorbereitungszeit des Geländes und die Bearbeitungszeit des Bauantrages sind hier die Unbekannten in dieser Rechnung.

Foto: Auf dem ehemaligen Ratskellerplatz in Wallensen könnte ein Dorfladen für Belebung sorgen

Foto: Die Infoveranstaltung in Thüste war sehr gut besucht