Dörpe im Dauerstress

Bürgerinitiative kämpft für Tempo 30

Dörpe (gök). Was für viele Durchreisende eine attraktive Ausflugsstrecke durch das Weserbergland ist, bedeutet für die Menschen in Dörpe Lärm, Stress und lebensgefährliche Situationen. Kaum ist die Zeit der schweren Rüben-LKW vorbei, beginnt bereits die Motorradsaison, in der viele Fahrer lautstark und mit hoher Geschwindigkeit durch den Ort jagen. Hinzu kommt der stetige Strom von Pendlern Richtung Hannover und Hildesheim.

Die schmalen Gehwege werden dabei oft zum Angstfaktor. „Ich habe den Ellenbogen schon am Spiegel gesehen“, berichtet eine Bewohnerin aus dem Unterdorf über eine Begegnung mit einem vorbeirauschenden LKW laut der BI-Sprecherin Jenny Piwon. „Seitdem nutzt sie den Gehweg nur noch mit großer Sorge. Auch im Oberdorf ist die Lage prekär. Auf der langen Geraden sind Geschwindigkeiten von über 70 km/h keine Seltenheit. Die Folgen sind klirrende Gläser in den Schränken und eine gestörte Nachtruhe“, so Piwon. Besonders kritisch wird dies von der BI gesehen, da immer mehr junge Familien nach Dörpe ziehen, die um die Sicherheit ihrer Kinder fürchten.

Die Bürgerinitiative „Tempo 30 für Dörpe“ (BID 30) schlägt nun Alarm und fordert mehr politischen Rückhalt für mehr Sicherheit und Lebensqualität im Ort. Für die Bewohner von Dörpe ist laut der Bürgerinitiative die Belastungsgrenze erreicht. Um auf das massive Problem aufmerksam zu machen, hat die Initiative im gesamten Dorf Plakate aufgestellt. Zwar ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr für die Landesstraße L422 zuständig, doch die BID 30 fordert von der Gemeinde Coppenbrügge deutlich mehr Engagement. „Ein Bürgervotum von 73 Prozent für Tempo 30 zeigt sehr deutlich, wie groß der Wunsch nach Veränderung ist“, so die Sprecher Jennifer Piwon, Thomas Seiden und Elmar Windeler. Man erwarte, dass die gewählten Vertreter dieses Signal aufnehmen und den Druck auf die übergeordneten Behörden erhöhen.

Wenig Aussagekraft schreiben die Bürger einer jüngst durchgeführten Verkehrsmessung zu. Diese fand zwischen Ende Januar und Februar an einer Stelle statt, die durch zwei enge Kurven ohnehin zur Mäßigung zwingt. Zudem war der Zeitraum von Schnee, Straßensperrungen und Schulausfällen geprägt. „Das Ergebnis ist nicht repräsentativ für den tatsächlichen Alltag im Dorf“, monieren viele Anwohner. Besonders die Einfahrt aus Richtung Coppenbrügge bleibt gefährlich. Da dort bis zum Ortsschild 100 km/h erlaubt sind, rollen viele Fahrzeuge mit viel zu hohem Tempo in den Ort – genau dort, wo Radfahrer und Fußgänger zum Friedhof oder in die Feldmark queren.

„Wir möchten gemeinsam mit Ihnen daran arbeiten, Dörpe sicher und lebenswert

zu machen. Über 73 Prozent der Menschen fordern Tempo 30. Wir appellieren an

unsere Gemeinde, uns auf diesem Weg zu unterstützen“, so Piwon. Dass Verbesserungen möglich sind, zeigt die Herabsetzung der Geschwindigkeit von 70 auf 50 km/h aus Richtung Eldagsen. Auch der Blick in die Region Hannover belegt für die BI, dass Tempo 30 auf Durchgangsstraßen kein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn der politische Wille vorhanden ist. Die BID 30 richtet daher einen dringenden Appell an den Bürgermeister, den Ortsrat und den Gemeinderat.

Auf Nachfrage erklärte Coppenbrügges Bürgermeister Thomas Küllig, dass bezüglich der Landesstraße schon Anfang des Jahres Gespräche mit den Straßenbehörden stattfanden. „Eigentlich würden die engen Bürgersteige schon für eine Temporeduzierung rechtlich reichen. Trotzdem werden zu unterschiedlichen Jahreszeiten noch Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt, was dann repräsentativ sein soll. Ich vermute aber, dass es am Ende zu keiner kompletten Temporeduzierung im Ort reichen wird. Aber der Flecken ist hier nicht Herr des Verfahrens, sondern kann und wird sich nur für die Belange der Bürger einsetzen“, so Küllig.

Foto: Die Bürgerinitiative hat ganz Dörpe plakatiert