20 Jahre Einsatz für die Ortsumgehung

POM blickt zwischen Uhu-Schutz und Tunnelplanung in die Zukunft

Marienhagen/Thüste (gök). Die Entlastung für Marienhagen und Weenzen sowie umliegende Orte wie Thüste und Duingen nimmt immer deutlichere Formen an, doch der Weg bis zur endgültigen Fertigstellung der Ortsumgehung bei Marienhagen und Weenzen im Zuge der Bundesstraße 240 bleibt ein Marathon. Auf der jüngsten Versammlung des Vereins „Pro Ortsumgehung Marienhagen“ (POM) zogen der Vorsitzende Gerhard Knoke, sein Stellvertreter Peter Stippler und Beisitzerin Ilona Knoke eine Bilanz, die von Zuversicht, aber auch von mahnenden Worten geprägt war. Während wichtige Brückenbauwerke bereits vollendet sind, sorgen Naturschutzauflagen und die Komplexität des anstehenden Tunnelbaus für Verschiebungen im Zeitplan.

Ein Meilenstein konnte bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Die rund 50 Meter lange Brücke über die Landesstraße 462 zwischen Weenzen und Duingen ist fertiggestellt. Das Bauwerk stellte die Ingenieure vor massive Herausforderungen, da der Untergrund in diesem Bereich äußerst instabil und sumpfig ist. Um die notwendige Tragfähigkeit zu gewährleisten, mussten 35 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 1,20 Metern bis zu 27 Meter tief in das Erdreich getrieben werden, bis sie auf stabilen Baugrund stießen. Während der Bau der Brücke für ordentliche Verzögerung sorgte, verlief der Bau der Brücke Beerengrund bei Weenzen im Plan. Der Bau wurde im Zeitraum von 2023 bis 2025 ohne größere Komplikationen realisiert. Derzeit konzentrieren sich die Arbeiten auf den massiven Geländeeinschnitt im Bereich des Steinbruchs. Dort ist bereits ein beachtliches Loch entstanden, da große Mengen Erdreich und Gestein abgetragen wurden. In diesem Abschnitt wird das Material direkt vor Ort sinnvoll verwertet. Aus dem Abbruchgut wird ein sechs Meter hoher Damm aufgeschüttet, auf dem die Straße später in Richtung des künftigen Tunnels verlaufen wird. Diese Arbeiten liegen im Zeitplan und sollen bis 2029 abgeschlossen sein.

Allerdings gerät der Zeitplan für anstehende Fels- und Sprengarbeiten derzeit ins Stocken, was im Verein für Diskussionen sorgt. Aufgrund der Brutzeit des Uhus dürfen notwendige Sprengungen im Bereich des Steinbruchs sowie die Felssicherungen für den Tunnelbau erst ab Mitte Juli beginnen. Ursprünglich war dieser Schritt bereits für April vorgesehen. Gerhard Knoke äußerte zwar Respekt vor dem Artenschutz, merkte jedoch kritisch an, dass man manchmal das Gefühl habe, die Tier- und Pflanzenwelt genieße eine höhere Priorität als die Belange der lärmgeplagten Anwohner. Das Thema Uhu begleite das Projekt bereits seit Jahrzehnten und habe schon in der Vergangenheit für erhebliche Verzögerungen gesorgt.

Für das Herzstück der Ortsumgehung, den Tunnel, wird die Genehmigung für das Frühjahr 2027 erwartet. Der POM rechnet damit, dass die eigentlichen Tunnelarbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten können. Da für den Bau eine Dauer von etwa drei Jahren veranschlagt wird, rechnet der Verein damit, das das ursprüngliche Ziel einer Gesamtfertigstellung bis zum Jahr 2030 nicht gehalten werden kann und auch laut der Straßenbehörde sehr sportlich ist. Da nach dem Tunnelbau noch umfangreiche Verbindungs- und Restarbeiten anstehen, wird eine Verkehrsfreigabe wohl erst später erfolgen können. Trotz der langen Dauer von nunmehr 20 Jahren agiert der Vorstand des POM weiterhin mit großem Herzblut. Der zweite Vorsitzende von POM Peter Stippler betonte, dass die Verkehrsprognosen von 2019 leider eingetroffen seien. Besonders der Schwerlastverkehr nehme stetig zu und stelle eine enorme Belastung für die Bürger dar. Der Verein, der im Juni sein 20jähriges Bestehen feiert, zählt aktuell noch knapp über 70 Mitglieder. Zwar sehen viele Bürger das Ziel durch die sichtbaren Baustellen bereits als erreicht an, doch der Vorstand warnt davor, zu früh nachzulassen. Man wolle „am Ball bleiben“, bis die letzte Teilstrecke befahren werden kann.

Ein besonderes Lob sprachen die Vereinsvertreter der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aus. Trotz hoher Arbeitsbelastung und personeller Abgänge zur Autobahn GmbH hielten die Verantwortlichen stets engen Kontakt zum POM und informierten transparent über den Fortschritt. Um diesen Fortschritt auch mit der Öffentlichkeit zu teilen, plant der Verein für den 29. August ein großes Baustellengrillfest, idealerweise geschützt unter der neuen Brücke im Beerengrund. Dafür werden in Kürze die Genehmigungen angefragt. Die langfristige Perspektive des Vereins ist bereits geklärt. Sobald die Ortsumgehung fertiggestellt ist, wird sich POM auflösen. Die verbleibenden finanziellen Mittel, die aus den symbolischen Jahresbeiträgen von zwölf Euro stammen, sollen dann dem Kindergarten in Marienhagen zugutekommen. Der amtierende Vorstand wurde in der Versammlung einstimmig wiedergewählt und möchte das Projekt gemeinsam bis zum Ende begleiten.

Foto1791: Die Brücke zwischen Weenzen und Duingen wurde mit Verzögerung fertiggestellt

Foto1793+1795: Derzeit wird am Einschnitt zum Bruch in Marienhagen gearbeitet

Foto1796: Der Einschnitt zwischen Tunneleinschnitt und Beerengrund soll erst später erfolgen

Foto1797: Peter Stippler, Ilona Knoke und Gerhard Knoke vom POM-Vorstand sind zuversichtlich, dass in wenigen Jahren die Ortsumgehung für Entlastung sorgt

Foto1804: Gerade an der Engstelle in Marienhagen kommt es immer wieder zu gefährlichen Szenen