Schwere Beine bei „Mallorca 312“
Duo der RSG Gronau trotzen den Bergen
Mallorca/Gronau (gök). Die beiden Gronauer Radsportler Jan Spillecke und Timo Hedderich von der RSG bezwingen das Kultevent „Mallorca 312“. Nach einer harten Wintervorbereitung lieferten sich die beiden Hobbysportler ein packendes Rennen gegen die Hitze, Defekte und schmerzende Waden. Das „Mallorca 312“ ist ein Radsportevent der Sonderklasse: Über 9 000 Radsportbegeisterte, darunter echte Legenden wie Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich und drei weitere ehemalige Gewinner des wichtigsten Radrennens der Welt. Die beiden Gronauer Rad-Enthusiasten hatten im Sommer 2025 den Entschluss gefasst, sich der legendären „Mallorca 312“ zu stellen. Ein Vorhaben, das den beiden schon im Vorfeld alles abverlangen sollte.
Wer bei Mallorca an Sonne und lockeres Rollen denkt, vergisst die harte Vorbereitung im deutschen Winter. Frostige Temperaturen und hartnäckige Erkältungswellen warfen die beiden Gronauer in den Monaten vor dem Start immer wieder zurück. „Statt epischer Ausfahrten auf der Straße hieß es Kilometerfressen auf dem ungeliebten Rollentrainer im Keller“, erinnert sich Hedderich zurück. Umso größer war die Vorfreude, als es zwei Tage vor dem Start endlich nach Playa de Muro ging. Pünktlich um 6:30 Uhr morgens fiel bei milden 15 Grad und dämmerndem Licht dann am Veranstaltungstag der Startschuss. Ziel waren die Berge der Tramuntana.
Doch der Radsport-Gott testete die Nerven der Gronauer früh. Schon nach wenigen Kilometern sprang bei Timo Hedderich bei hoher Geschwindigkeit die Kette ab – ein Schreckmoment, der glücklicherweise glimpflich ausging. Beim anschließenden, kilometerlangen Anstieg zum Puig Major, dem sprichwörtlichen Dach des Rennens, verloren sich die beiden Vereinskollegen im dichten Fahrerfeld aus den Augen. Erst Stunden später, tief in den mallorquinischen Bergen, fanden die beiden Sportsfreunde wieder zusammen.
Dass die Strecke kein Spaziergang werden würde, war klar. Drei Distanzen (167, 226 und 312 Kilometer) standen zur Auswahl. Bei Kilometer 140 und bereits knapp 3 000 absolvierten Höhenmetern in den Knochen wartete die letzte große Rampe: der Anstieg von Es Capdellá hoch in das kleine Bergdorf Galilea. „Kein langer Berg, doch mit zunehmender Erschöpfung wurde jede Serpentine bis zum Gipfel zu einer echten Herausforderung“, gestand Hedderich im Gespräch. Kurz danach schlug die Erschöpfung endgültig zu. Erste schmerzhafte Krämpfe schossen in Jan Spilleckes Beine. In echter Sportsmanier rief er seinem Partner Hedderich zu, er solle alleine weiterfahren.
Bei Kilometer 208 zog das Duo schließlich die Reißleine der Vernunft. Statt der ganz großen Schleife über die 312 Kilometer bogen beide auf die immer noch extrem anspruchsvolle 226-Kilometer-Strecke ab. Eine goldrichtige Entscheidung: Schließlich erreichten Spillecke und Hedderich mit nur kurzem Abstand nach gut zehn Stunden das Ziel. Am Ende überwog der pure Stolz über 226 gemeisterte Kilometer und stolze 3 700 Höhenmeter. Das Kapitel Mallorca ist für die beiden RSG-Fahrer damit aber noch lange nicht geschlossen. Timo Hedderich blickt bereits kämpferisch nach vorn: „Wir kommen wieder, um dann auch die 312 Kilometer vollzumachen!“
Foto001: Erschöpft sitzen Jan Spillecke und Timo Hedderich im Zielbereich
