Frischer Wind für das Salzhemmendorfer Rathaus?

SPD überrascht mit Bürgermeisterkandidaten Marius Fröschke

Salzhemmendorf/Ockensen (gök). Die Würfel für die kommende Kommunalwahl im September sind zumindest beim SPD-Gemeindeverband gefallen, wo in Ockensen auch eine personelle Überraschung präsentiert wurde, mit der im Vorfeld wohl die wenigsten gerechnet haben. Bei einem Treffen im gemütlichen Scheunencafe kamen die Kandidaten für den Gemeinderat sowie die Ortsräte zusammen, um sich kennenzulernen und erste strategische Gedanken für den anstehenden Wahlkampf auszutauschen. Im Mittelpunkt des Interesses stand jedoch die Bekanntgabe, dass die Sozialdemokraten mit dem 32jährigen Marius Fröschke aus Lauenstein einen parteilosen Bewerber für das Amt des Gemeindebürgermeisters unterstützen. Damit fordern sie den amtierenden Verwaltungschef Clemens Pommerening heraus, der erneut zur Wahl antritt.

Der SPD-Gemeindeverbandsvorsitzende Karl Heinz Grießner zeigte sich sichtlich erfreut über den personellen Zuwachs und die Aufstellung der eigenen Reihen. Insgesamt 31 engagierte Menschen aus der Gemeinde haben sich bereit erklärt, für die verschiedenen Gremien zu kandidieren. Die formelle Beschlussfassung über die gesamte Kandidatenliste soll am 5. Juni auf einer Mitgliederversammlung erfolgen. Grießner betonte, dass sich unter den Bewerbern auch einige Parteilose befinden, welche die Ziele der SPD unterstützen. Man habe sich bei der Suche bewusst viel Zeit genommen, um den Bürgern ein breites Angebot zu unterbreiten. Das Ergebnis sei eine ausgewogene Mischung aus jungen und älteren, erfahrenen und unerfahrenen Kräften sowie Frauen und Männern. Besonders stolz ist man darauf, dass in diesem Jahr deutlich mehr Kandidaten zur Verfügung stehen als noch vor fünf Jahren, was angesichts einer oft beklagten Politikmüdigkeit keineswegs selbstverständlich sei. „In der eigenen Gemeinde habe ich von einer solchen Müdigkeit jedenfalls nichts gespürt, viele Angesprochene haben sofort begeistert zugesagt“, so Grießner im Gespräch.

Lange und intensiv wurde im Verband über die Frage einer Bürgermeisterkandidatur diskutiert. Bisher gestaltete sich die Suche schwierig, da viele potenzielle Bewerber davor zurückschreckten, gegen den amtierenden Bürgermeister anzutreten. Grießner stellte klar, dass die Zusammenarbeit mit Clemens Pommerening in der Vergangenheit als Gruppe durchaus gut funktionierte und man auch nicht die handwerkliche Verwaltungsarbeit im Rathaus kritisieren wolle. Allerdings sieht die SPD erheblichen Bedarf für Veränderungen in der politischen Führung. Man wünsche sich für die Zukunft mehr Kommunikation und den Mut, gemeinsam mehr zu bewegen. Ein Bürgermeister müsse nach Auffassung der Sozialdemokraten nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern vor allem Innovationen wagen, auch mal unbequem sein und das Risiko eingehen, bei schwierigen Themen hinzufallen. Aus diesem Grund sei für die SPD frischer Wind im Rathaus dringend notwendig. Man sei daher glücklich, dass es im September nun zu einer echten demokratischen Auswahl kommt.

Der Kandidat Marius Fröschke ist von sich aus auf die SPD zugekommen, nachdem er dort bereits zuvor auf dem Radar der Verantwortlichen stand. Der gebürtige Lauensteiner arbeitet in der Finanzverwaltung des Landes Niedersachsen und bringt somit das nötige Fundament für eine Behördenleitung mit. Als niedersächsischer Landesbeamter ist er seit 15 Jahren im öffentlichen Dienst tätig und kennt die Verwaltungsstrukturen von der Pike auf. Im Falle eines Wahlsieges würde er kraft Gesetzes aus seinem aktuellen Dienstverhältnis entlassen, besitzt jedoch die Option, nach Ablauf der 8jährigen Amtszeit einen Antrag auf Rückkehr in die Landesverwaltung zu stellen. Neben seiner beruflichen Qualifikation ist Fröschke fest in der Region verwurzelt. Er engagiert sich seit über zwei Jahren im örtlichen Naturbad und war davor fast ein Jahrzehnt lang ehrenamtlich beim MTV Lauenstein aktiv.

Die Idee für die Kandidatur entstand laut Fröschke eher zufällig an einem Abend im Kreis von Freunden aus dem Naturbad. Als das Gespräch auf die Kommunalpolitik kam, fiel der Satz, warum er sich nicht selbst für das Amt im September bewerben wolle. Was zunächst als Spaß abgetan wurde, ließ den jungen Mann im Nachgang nicht mehr los. Obwohl er in der Vergangenheit bereits für eine Kandidatur im Ortsrat angefragt worden war, lehnte er dies damals aus Zeitgründen und mangels Gestaltungsmacht ab. „Im Ortsrat könnte ich einfach zu wenig bewegen, während die hauptamtliche Position des Gemeindebürgermeisters die Chance bietet, die gesamte Arbeitszeit und Energie vollumfänglich in den Flecken zu stecken“, ist für Fröschke klar. Nach intensiven Gesprächen in den letzten drei Wochen sei er nun erleichtert, dass die Katze aus dem Sack ist und die Nachricht an die Öffentlichkeit gelangt, da die Geheimhaltung durchaus aufregend war.

Für seine Amtszeit hat sich der parteilose Kandidat, der weiterhin auch Gespräche mit anderen Parteien in der Gemeinde führt, klare Prioritäten gesetzt. Das wichtigste Thema ist für ihn das Miteinander. Hier sieht Fröschke starkes Verbesserungspotenzial in der Kommunikation, beim gegenseitigen Zuhören und der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen für bekannte ländliche Herausforderungen wie die ärztliche Versorgung, die Jugendarbeit und die Seniorenbetreuung. Bis Anfang Juli muss die Bewerbung formell eingereicht werden, der Wahlkampf startet in den nächsten Wochen. Er kündigte bereits an, die Bürger direkt anzusprechen, sei es auf dem Rewe Parkplatz oder auf dem Wochenmarkt. Seine Chancen schätzt der Herausforderer realistisch, aber optimistisch ein. Er rechne sich definitiv Chancen aus, wolle sich jedoch nicht auf Prozentzahlen festlegen. Entscheidend sei für ihn vor allem, dass die Einwohner nun eine echte Wahl haben und nicht nur mit Ja oder Nein für einen einzigen Bewerber stimmen müssen.

Kandidaten der SPD in Salzhemmendorf (p=parteilos):

Gemeinderat: 1. Karl-Heinz Grießner, 2. Frauke Roth-Paul, 3. Gerrit Schäfer, 4. Petra Haehnel, 5. Manfred Roth, 6. Tim Tietz, 7. Uwe Kaller, 8. Christian Stetter (p), 9. Thomas Hölscher, 10. Aileen Schäfer, 11. Gunnar Wiegand, 12. Martina Wieciorek, 13. Klaus Sohns, 14. Thomas Hundeshagen (p), 15. Petra Krause-Wloch, 16. Michael Papenfuß (p), 17. Marno Richter, 18. Michael Stichnothe (p), 19. Klaus Klages;

Ortsrat Wallensen: 1. Karl-Heinz Grießner, 2. Manfred Roth, 3. Annika Scheibler (p), 4. Wilfried Ritterbusch, 5. Hanna Gröhlich (p), 6. Kim-Arne Wiegmann (p), 7. Klaus Sohns

Ortsrat Osterwald: 1. Uwe Kaller, 2. Denise Frankewitz (p), 3. Florian Bruns, 4. Matthias Renziehausen (p), 5. Kevin Engel (p);

Ortsrat Salzhemmendorf: 1. Frauke Roth-Paul, 2. Christian Stetter (p), 3. Michael Stichnothe (p), 4. Michael Papenfuß (p), 5. Klaus Klages;

Ortsrat Lauenstein: 1. Tim Tietz, 2. Gunnar Wiegand, 3. Thomas Hundeshagen (p), 4. Thomas Hölscher, 5. Michael Namislo (p);

Ortsrat Hemmendorf: 1. Petra Haehnel, 2. Aileen Schäfer, 3. Manuel Reichholz (p);

Ortsrat Benstorf: 1. Gerrit Schäfer, 2. Martina Wieciorek, 3. Erik-Ole Schäfer (p);

Ortsrat Oldendorf: 1. Petra Krause-Wloch;

Kreistag Coppenbrügge/Salzhemmendorf: 1. Barbara Fahnke, 2. Manfred Roth, 3. Karl-Heinz Grießner, 4. Monika Schmalkuche, 5. Tim Tietz, 6. Thomas Kurbgeweit, 7. Gerrit Schäfer, 8. Benjamin Jeske, 9. Uwe Kaller, 10. Petra Haehnel;

Foto: Die SPD-Kandidaten für die Kommunalwahl

Foto Marius Fröschke: Marius Fröschke wird bei der Bürgermeisterwahl Clemens Pommerening herausfordern