Artenvielfalt im Aufwind

Erstes bundesweites Biber Camp am Humboldtsee setzt neue Maßstäbe / TV-Ausstrahlung am 17. Mai 2026 geplant

Wallensen/Duingen (gök). Am vergangenen Wochenende wurde der Humboldtsee bei Wallensen zum Schauplatz einer bundesweiten Premiere in der Naturforschung. Unter der Leitung der Biber-Arbeitsgruppe des NABU Hameln-Hessisch Oldendorf-Aerzen fand dort das erste Biber-Bio-Blitz-Camp Deutschlands statt. Das Ziel dieser dreitägigen Veranstaltung war es, die positiven Auswirkungen der Biberansiedlung auf das lokale Ökosystem wissenschaftlich zu dokumentieren und die Rolle des Nagers als wertvoller Landschaftsgestalter hervorzuheben. Die Organisatoren Ralf Schulte vom Nabu aus Hessisch Oldendorf und die Biberberaterin Michaela Meyer vom Humboldtsee freuten sich über eine enorme Resonanz von fast 50 Teilnehmern, die teilweise aus weit entfernten Bundesländern wie Bayern, Rheinland Pfalz oder Sachsen Anhalt ins Weserbergland gereist waren.

Das Camp widmete sich der Erforschung der noch jungen Biberreviere rund um die Duinger Seenplatte und die Saale, wo die Tiere seit etwa vier Jahren wieder heimisch sind. In insgesamt zehn thematischen Forschungsgruppen untersuchten Experten und begeisterte Laien die Flora und Fauna der Region. Dabei wurden Gewässerinsekten analysiert, die chemische Beschaffenheit des Wassers geprüft oder die Vegetation rund um die Biberdämme kartiert. Fachleute wie Fledermausspezialisten aus Lüchow Dannenberg sowie Ornithologen und Baumbestandsexperten unterstützten die Teams dabei, den Nachweis zu erbringen, dass dort, wo der Biber baut, das Leben blüht. In Kooperation mit den Sportfischern Hameln und integriert in das Citizen Science Projekt FLOW wurden wertvolle Daten über die ökologische Qualität der kleinen Fließgewässer gesammelt. Besonders hervorzuheben ist für Schulte und Meyer die konstruktive Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort. Die Betreiber des Campingplatzes am Humboldtsee und der angrenzenden Fußballgolfanlage begleiten die Wiederansiedlung des Bibers ausdrücklich positiv und begleiten die Biber-Ansiedlung mit viel Herzblut für den Artenschutz. Anstatt das Tier als Konfliktquelle zu betrachten, wird es hier als Partner im Naturschutz verstanden. Der Biber schafft durch seine Dämme wertvolle Wasserrückhalte, die gerade in Dürrezeiten der Landwirtschaft zugutekommen, da sie das Bodenwasser stabilisieren und Hochwasserwellen bei Starkregen abmildern. Erste Anzeichen einer reinigenden Wirkung der Saale durch die Aktivitäten der Tiere sind bereits sichtbar, wie etwa das Vorkommen der gelben Teichrose belegt.

Das enorme öffentliche Interesse an diesem Projekt spiegelt sich auch in der medialen Begleitung wider. Während des Camps fanden umfangreiche Dreharbeiten des NDR-Fernsehens statt, da die Bingo Umweltlotterie das Treffen als förderwürdiges Projekt unterstützt hat. Vor Ort war Reporter Andi Gervelmeyer, der regelmäßig Reportagen für die Bingo-Show im NDR dreht. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit und beeindruckende Bilder der Biberreviere werden am Sonntag, den 17. Mai 2026 ab 17 Uhr in der Sendung Bingo im NDR Fernsehen ausgestrahlt. Für alle Interessierten bietet Michaela Meyer zudem in den kommenden Sommerferien wieder wöchentliche Biberführungen an, für die Anmeldungen direkt über den Campingplatz möglich sind.

Obwohl die Saale in einigen Abschnitten noch unter den Folgen früherer Einleitungsunfälle leidet, blicken die Naturschützer optimistisch in die Zukunft. „Ich bin begeistert, dass sich so viele junge Menschen in das Camp eingebracht haben und sich für den Umweltschutz engagieren“, so Schulte. Ein zweites Camp dieser Art ist bereits in Planung und soll in etwa zwei bis drei Jahren erneut stattfinden, um die langfristigen Veränderungen der Bachlandschaft in natürliche Züge weiter zu dokumentieren. Bis dahin bleibt das Ziel, den Dialog mit Verbänden und Anliegern zu intensivieren und den Biber dauerhaft als unverzichtbaren Ingenieur der heimischen Natur zu etablieren.

Foto001: Bingo-Reporter Andi Gervelmeyer war im Camp auch aktiv

Foto002: Bestimmung von Wasserinsekten

Foto003: Knapp 50 Teilnehmer waren beim Camp dabei

Foto004: Auch Sedimente aus den Biberteichen wurden untersucht

Foto005: Ein Biber in der Saale

Foto006: Ein Fledermauskundler wertet Ultraschallaufnahmen aus