Die Konstante „MG6“ verlässt die Herren-Bühne des FC Saale-Ith

Martin Gröhlich beendet Fußball-Karriere im Ostkreis

Bisperode/Ostkreis (gök). Es sind diese besonderen Momente im Amateurfußball, in denen das Ergebnis für einen Augenblick zur Nebensache wird – selbst wenn es ein umjubelter Auswärtssieg im Ith-Derby ist. Nach dem Schlusspfiff beim TSV Bisperode flossen auf dem Rasen die Tränen, gepaart mit donnerndem Applaus und einer tiefen Dankbarkeit. Nach 16 intensiven Jahren im Herrenbereich hat eine echte Vereinslegende des FC Saale-Ith und vorher des WTW seine Fußballschuhe für die erste Garde an den Nagel gehängt. Martin Gröhlich, im Team liebevoll auch mal „Herr Doktor“ genannt und über anderthalb Jahrzehnte eines der Herzstücke mit der Rückennummer 6.

Wenn man über Vereinstreue und Beständigkeit im Ostkreis spricht, kommt man an seinem Namen nicht vorbei. Vor 16 Jahren war es der damalige Trainer Stefan Gluba, der das junge Talent aus der Jugend direkt in den Herrenbereich des SV Weenzen-Thüste-Wallensen (WTW) holte. Es war der Beginn einer Ära. Während im Laufe der Spielzeiten viele Spieler kamen und gingen – weit über 100 Weggefährten kreuzten in dieser Zeit seinen sportlichen Weg –, blieb Gröhlich die unumstrittene Konstante. Er stand für den WTW in guten wie in schweren Zeiten ein. Auch als sich der Verein im Jahr 2024 durch die Fusion mit dem MTV Lauenstein zum FC Saale-Ith zusammenschloss, blieb „MG6“ an Bord und half entscheidend mit, die neue Spielgemeinschaft mit Leben und Identität zu füllen.

Wie tief seine Wurzeln im Verein reichen, zeigt auch sein Engagement abseits des Platzes. Einst trainierte Gröhlich eine Jugendmannschaft des WTW. Aus genau dieser Jugend formte er Talente wie Timo Maslona, mit dem er später viele Jahre lang Seite an Seite in der Herrenmannschaft auf Punktejagd gehen sollte – ein schöneres Zeugnis für nachhaltige Vereinsarbeit gibt es laut Spartenleiter Dominik Heintz wohl kaum.

Dass Martin Gröhlich weit mehr als nur ein verlässlicher Defensivakteur war, machte Kapitän Marcel Woyciechowski in einer emotionalen und empathischen Abschiedsrede nach dem Spiel in Bisperode deutlich. Er blickte zurück auf die Anfänge, als Gröhlich schon in der Alfelder A-Jugend (SVA) – damals noch mit Zweitspielrecht – unentwegt von der Kameradschaft beim WTW und der Feuerwehr Fölziehausen geschwärmt hatte. Aus diesem Schwärmen wurden Meilensteine: Der Aufstieg in die Bezirksliga über die Relegation mit unvergesslichem emotionalen Video-Interview, Kreispokalsiege und als absoluter emotionaler Höhepunkt das geschichtsträchtige „Double“ im Jahr 2023. „Du hast die Entwicklung hier so sehr miterlebt wie kein anderer“, betonte Woyciechowski sichtlich bewegt. Gröhlich war nicht nur sportlich wichtig, sondern auch ein emotionaler Motor der Kabinenkultur. Ob bei legendären Kabinenabenden bis tief in die Nacht, den berühmt-berüchtigten „Telefonaten mit Fritz am Fön“ oder hitzigen, aber stets ehrlichen Diskussionen mit Teamkollegen – Gröhlich lebte den Fußball mit jeder Faser. „Dafür bist du bekanntlich wie kein Zweiter zu haben. Meinung äußern und teilen – aber das Wichtigste: Hinterher zusammen anstoßen!“, so der Kapitän unter dem Nicken der gesamten Mannschaft.

Auch abseits des grünen Rasens hinterlässt der „Herr Doktor“ riesige Fußstapfen. Ob als Kassenwart, im Orgateam oder bei Arbeitseinsätzen auf der Sportanlage. Gröhlich war sich für keine Arbeit zu schade und lebte vor, was echtes Vereinsleben bedeutet. Nun schlägt Martin Gröhlich ein neues Kapitel auf. Die Belastung im Herrenbereich weicht der wohlverdienten sportlichen Kür. Ganz ohne Fußball geht es natürlich nicht, seine Fußballschuhe wird er vorerst für die „Alten Herren“ schnüren. Die gesamte Fußballfamilie des FC Saale-Ith blickt mit Stolz auf die vergangenen 16 Jahre zurück und wünscht ihrer Nummer 6 für den privaten, beruflichen und sportlichen Lebensweg nur das Beste. Auf der Thüster Platte oder auch in Lauenstein wird man sein Gesicht glücklicherweise auch in Zukunft noch oft sehen – dann vielleicht mit etwas weniger Laufarbeit, aber garantiert mit derselben Leidenschaft für seinen Club.