„Alle haben gesagt, das passt zu dir“: Christian Priesmeier wagt beruflichen Neuanfang und wird Pfarrverwalter

Salzhemmendorf – Wenn Christian Priesmeier über seinen neuen Lebensabschnitt spricht, dann spürt man vor allem eines: Dankbarkeit. Mit fast 60 Jahren hat der gebürtige Hamelner noch einmal einen beruflichen Neuanfang gewagt. Seit März absolviert er eine Ausbildung zum Pfarrverwalter in der Gesamtkirchengemeinde Saaletal. Begleitet wird er dabei von Pastorin Sabine Ahlbrecht. Für ihn geht mit der Ausbildung ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

„Eigentlich war der Wunsch immer da“, sagt Priesmeier. Lange fehlte ihm jedoch der Mut, den Schritt zu wagen. Heute blickt er auf einen Lebensweg zurück, der ihn auf diese Aufgabe vorbereitet hat.

Schon als Jugendlicher engagierte er sich in der kirchlichen Arbeit, spielte Theater und machte Musik. Gleichzeitig war er im Deutschen Roten Kreuz aktiv, begleitete Hilfsgütertransporte und engagierte sich viele Jahre ehrenamtlich in Bulgarien. „Glaube und soziales Engagement gehörten für mich immer zusammen.“

Beruflich sammelte er vielfältige Erfahrungen. Nach einer Ausbildung zum Dachdecker musste er den Beruf aus gesundheitlichen Gründen früh aufgeben. Es folgten Fachabitur, Umschulung zum Industriekaufmann und zahlreiche Weiterbildungen. Später arbeitete er als Prokurist sowie in leitenden Funktionen im Bereich Kassen- und Hotelsysteme. Seine Arbeit führte ihn rund um die Welt, unter anderem nach Australien, in den Iran, nach Marokko, Russland und in die USA. In den verschiedenen Ländern prägten ihn die Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen.

Parallel blieb die Kirche ein fester Bestandteil seines Lebens. 2000 wurde Priesmeier Mitglied im Kirchenvorstand. Ein Lektorenkurs weckte sein Interesse an der Verkündigungsarbeit. 2002 wurde er Lektor, 2007 schließlich Prädikant. Seitdem gestaltet er regelmäßig Gottesdienste und gehört seit 2012 zum Team der Radioandachten bei Radio Aktiv.

Auch theologisch bildete er sich kontinuierlich weiter. Neben mehreren Fernstudien absolvierte er berufsbegleitend ein Studium der Interkulturellen Theologie, Migration und Gemeindeleitung in Hermannsburg. Einen weiteren wichtigen Abschnitt markiert seine Verbindung zum Kloster Amelungsborn: Seit 2015 ist er lebenslanges Mitglied der Familiaritas, seit 2025 gehört er dem Ältestenkreis an.

Den Weg in den Pfarrberuf sieht Priesmeier als Ergebnis vieler Fügungen. „Im Rückblick habe ich oft das Gefühl, dass Gott Wege lenkt.“ Besonders wichtig ist ihm die Überzeugung, dass Kirche von Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen profitiert. „Man predigt aus dem Leben heraus.“

Neben seiner Ausbildung engagiert er sich weiterhin als Vorsitzender der Lutheriden-Vereinigung, der Vereinigung der direkten Nachfahren Martin Luthers. Rückhalt findet er vor allem in seiner Familie. Mit seiner Frau, die er bereits in der Grundschule kennenlernte, hat er drei Kinder. Dazu kommen noch sieben Enkelkinder. Als er seinen Entschluss bekannt gab, seien die Reaktionen seines Umfeldes eindeutig gewesen: „Alle haben gesagt: Das passt zu dir.“

Bis zur Ordination im September 2027 liegen noch Prüfungen, praktische Einsätze und viele Lerninhalte vor ihm. Für Priesmeier ist das keine Last, sondern eine Aufgabe, auf die er sich freut. „Es ist spannend und herausfordernd zugleich.“ 

Hintergrund: Ausbildung zum Pfarrverwalter

Die Ausbildung zur Pfarrverwalterin beziehungsweise zum Pfarrverwalter bietet in der Landeskirche Hannovers eine Möglichkeit für den Quereinstieg in den Pfarrberuf. Sie ist an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Bis zu acht Personen aus der Landeskirche werden pro Jahr aus den Bewerbungen für den besonderen Zugang zum Pfarrdienst von einer Kommission des Landeskirchenamtes ausgewählt. Zu den Voraussetzungen für die Aufnahme dieser Ausbildung zählen unter anderem eine Mitgliedschaft in der Landeskirche Hannovers und eine mindestens zehnjährige aktive Mitarbeit in einer oder mehreren Kirchengemeinden, insbesondere Vertrautheit und Erfahrungen mit Gottesdienst‐ und Predigtpraxis (als Prädikantin oder Prädikant oder in vergleichbarer Tätigkeit). Mit der Ordination werden die Pfarrverwalter:innen nach der anderthalbjährigen Ausbildungsphase in den Dienst berufen. Damit wird ihnen, wie auch den Pastor:innen, die vorher Theologie studiert und ein Vikariat absolviert haben, das lebenslange Recht verliehen, öffentlich zu predigen, zu taufen und das Abendmahl einzusetzen.

Quelle Thomas Schlenz