Von der Zuchttradition zur modernen Passion
Stuten- und Fohlenschau in Bisperode mit buntem Programm
Bisperode/Ockensen (gök). Die traditionsreiche Pferdezucht im Weserbergland steht vor einem ihrer glanzvollen Höhepunkte. Am kommenden Wochenende vom 19. bis 21. Juni 2026 verwandelt sich der Reit- und Ausbildungsstall am Ith in Bisperode in ein lebendiges Schaufenster der Hannoveranerzucht. Der Pferdezuchtverein Weserbergland lädt alle Züchter, Experten und pferdebegeisterten Familien zu einem dreitägigen Event ein, das den tiefen Wandel der Zucht aufzeigt und gleichzeitig das lebendige Vereinsleben feiert. Dass diese hochkarätige Veranstaltung trotz der fortschreitenden Zentralisierung im Verband weiterhin im Weserbergland stattfinden darf, verdankt der rund 130 Mitglieder starke Verein dem unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz des Vorstands um den Vorsitzenden Wilhelm Siekmann und engagierten Mitstreitern.
Ein besonderes Augenmerk gilt an diesem Wochenende den Zuchtprodukten aus der ganzen Region. In Ockensen etwa betreibt Ulrich Nietsch sein Gestüt seit vielen Jahrzehnten. Der mittlerweile 87jährige Unternehmer mit Leidenschaft wird tatkräftig unterstützt von seiner Betriebsleiterin Bettina Schlüter. Für den passionierten Züchter bedeutete die Arbeit mit den Pferden auf den heimischen Weiden in Ockensen stets den idealen Ausgleich zu den großen Herausforderungen seines Berufslebens. „Der Umgang mit Pferden ist für mich der schönste Urlaub. Die Tiere brauchen beim Umgang die volle Aufmerksamkeit, so dass man in diesen Momenten gut vom Beruf loslassen kann“, so Nietsch. Auf dem Gestüt wird das Prinzip gelebt, die eigenen Fohlen robust aufzuziehen, selbst auszubilden und reifen zu lassen, um den wahren Charakter und Fortschritt der eigenen Zuchtlinien in Natura zu erleben. Dass die Zucht in Ockensen eine Zukunft hat, beweist die nächste Generation. Der Enkel von Ulrich Nietsch, der seine Ausbildung zum Pferdewirt erfolgreich absolvierte und nun Wirtschaftswissenschaften studiert, reitet aktiv im Betrieb mit und steht bereit, das Erbe später fortzuführen.
Die Schauen spiegeln eindrucksvoll die enorme Entwicklung der letzten Jahrzehnte wider. War der Hannoveraner früher vor allem ein Arbeitstier für die Landwirtschaft oder das Militär, hat er sich in den vergangenen 40 Jahren durch die gezielte Einkreuzung von Vollblut, Trakehner und arabischem Blut zu einem edlen, rittigen Sport- und Freizeitpartner gewandelt. Auch die logistischen Abläufe haben sich radikal verändert. Standen früher noch Landbeschäler auf lokalen Deckstationen wie in Emmern für den Natursprung bereit, wird der Samen heute meist per Kurier im Einzelversand zur künstlichen Befruchtung geliefert.
Das Festwochenende am Ortsausgang von Bisperode Richtung Harderode beginnt am Freitag, den 19. Juni 2026 um 17 Uhr mit der feierlichen Stutenschau. Eine bedeutende Neuerung greift ab diesem Jahr, denn es werden erstmalig keine zweijährigen Jungstuten mehr präsentiert. Stattdessen begutachtet die Kommission die dreijährigen sowie die vier- bis sechsjährigen Stuten in zwei Ringen, um am Ende die Siegerstute zu küren. Dank großzügiger Sponsoren werden in diesem Jahr Preisgelder von über 2000 Euro ausgeschüttet und die Siegerstute darf sich über eine hochwertige, beschriftete Ehrendecke freuen. Diese Prämierungen mit der Staatsprämie sind für die Züchter von unschätzbarem Wert, da sie nicht nur den Zuchtfortschritt dokumentieren, sondern den Käufern Leistungsgeprüfte Qualität garantieren. Insgesamt werden 25 Stuten zur Schau erwartet.
Der Samstag steht ganz im Zeichen der Gemeinschaft und der Geselligkeit für jedermann. Ab 20 Uhr lädt der Reitstall am Ith zur großen Sommerparty ein. Unter dem Motto „Snacks, Drinks und Beats“ sorgt ein DJ für tanzbare Musik in der Reithalle, wo auch eine Happy Hour zwischen 23 Uhr und Mitternacht wartet. Ein besonderes Highlight für Fußballfans wird die Live-Übertragung des Deutschland-Spiels ab 22 Uhr sein. Der Eintritt beträgt fünf Euro, wobei frühe Besucher bis 21 Uhr freien Einlass genießen.
Der absolute Publikumsmagnet folgt schließlich am Sonntag, den 21. Juni 2026 ab 15 Uhr mit der großen Fohlenschau. Rund 15 gemeldete Fohlen werden dann gemeinsam mit ihren Mutterstuten den Wertungsrichtern und den hoffentlich zahlreichen Zuschauern im Ring präsentiert. Die Neugier der jungen Fohlen im Zusammenspiel mit dem Fachcharakter der Schau verspricht beste Unterhaltung. An allen Tagen ist auf dem idyllischen Gelände am Ith bestens für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, sodass einem abgerundeten und traditionsbewussten Wochenende im Zeichen des Pferdes nichts im Wege steht.
Foto: Bettina Schlüter und Wilhelm Siekmann begutachten vorab schon mal die Fohlen auf der Weide bei Ockensen
Foto: Auf dem Gelände in Bisperode steht am Wochenende alles im Zeichen des Pferdes




