Naturerlebnisbad Lauenstein soll bleiben
Rat beschließt Millionen-Sanierung trotz finanzieller Sorgen
Salzhemmendorf/Lauenstein (gök). Die Zukunft des Lauensteiner Naturerlebnisbades stand im Mittelpunkt einer eilig einberufenen, emotionalen Ratssitzung in Lauenstein. Zahlreiche interessierte Bürger waren vor Ort, um die Debatte um den Fortbestand des beliebten Bades zu verfolgen. Dabei wurde auch Kritik an der Verwaltung laut, der von manchen Anwesenden eine Verschleppung des Verfahrens vorgeworfen wurde. Fachbereichsleiter Jan Rohrmann trat diesen Vorwürfen jedoch entschieden entgegen und betonte, dass die Verzögerungen nicht mutwillig geschehen seien, sondern man schlichtweg von externen Planern und deren Zeitabläufen abhängig sei.
Hintergrund der dringlichen Sitzung war eine massive Kostensteigerung der lang geplanten Sanierungsmaßnahme. Hatte der Rat des Fleckens Salzhemmendorf ursprünglich im Juni 2024 ein Budget von 1,5 Millionen Euro festgeschrieben, so machten die jüngsten Ausschreibungsergebnisse einen Strich durch diese Rechnung. Allein bei den Baumaßnahmen stellte sich ein unerwarteter Mehrbetrag von rund 610.000 Euro heraus; hinzu kommen gestiegene Nebenkosten wie Statik und Planung sowie das Risiko unvorhergesehener Posten beim Bauen im Bestand. Mittlerweile wird realistisch mit Gesamtkosten von bis zu 2,3 Millionen Euro gerechnet. Da eine Aufhebung und Wiederholung der Ausschreibung aufgrund des knappen Zeitfensters – die zugesagten ZILE-Fördergelder in Höhe von einer Million Euro sind strikt bis zum 30. Juni 2027 befristet und nicht verlängerbar – unmöglich war, musste dringend eine neue Beschlusslage her.
Um das Projekt zu retten, schlug der Verwaltungsausschuss Ende Juni einen neuen Finanzierungsweg vor. Neben den bereits eingeplanten Fördermitteln, Spenden des Trägervereins in Höhe von 100 000 Euro und Haushaltsmitteln soll der verbleibende Restbetrag aus dem angekündigten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität des Landes bestritten werden. Die Kommunalaufsicht signalisierte hierfür bereits im Vorfeld grünes Licht. Angesichts der angespannten Haushaltslage des Fleckens Salzhemmendorf, dessen dauerhafte Leistungsfähigkeit derzeit nicht gegeben ist, dürfen diese Mittel zwar eigentlich nicht für neue, zusätzliche freiwillige Aufgaben eingesetzt werden. Da es sich beim Naturerlebnisbad jedoch um ein bereits laufendes, bestehendes Projekt handelt, bei dem lediglich eine unvorhergesehene Kostenerhöhung aufgefangen werden muss, wird diese Entscheidung aufsichtsrechtlich akzeptiert.
Die anschließende Abstimmung im Rat spiegelte die Zerrissenheit angesichts der enormen Summen wider. Zwar stimmte das Gremium dem Beschlussvorschlag zur Sanierung bis zu einer Höhe von 2,3 Millionen Euro mehrheitlich zu, eine einstimmige Entscheidung wurde es jedoch nicht. Mit vier Gegenstimmen lehnten die Ratsmitglieder Michael Lang (CDU), Marita Schütte (CDU), Matthias Haag (CDU) und Otto Brockmann (Aktive Bürger) das Vorhaben aus rein finanziellen Bedenken ab. Kritische Töne kamen auch von Wallensens Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner (SPD), welcher daran erinnerte, dass das Freibad Wallensen seinerzeit nicht einmal mit wenigen hunderttausend Euro gerettet worden war. Trotz dieses bitteren Rückblicks stimmte er letztlich auch für den Erhalt des Bades in Lauenstein, da in der politischen Debatte die Auffassung überwog, dass es sich um eine unverzichtbare Einrichtung für die gesamte Region handelt.
Für Diskussionen sorgte zudem die geplante Beteiligung der Ortschaft Lauenstein über die sogenannte Akzeptanzabgabe des im Bau befindlichen Windparks „Heidsiek“. Nach Fertigstellung der Windkraftanlagen stehen dem Ortsteil jährlich rund 25 000 Euro zur Verfügung, die gesetzlich für Maßnahmen zur Steigerung der Akzeptanz eingesetzt werden müssen. Der Vorschlag der Verwaltung sah vor, diese Mittel für die kommenden zehn Jahre zweckgebunden für den Erhalt des Naturerlebnisbades heranzuziehen. Der Ortsrat Lauenstein, der unmittelbar vor der Ratssitzung tagte, verweigerte hierzu jedoch vorerst ein klares Votum und vertagte die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt. Bürgermeister Clemens Pommerening zeigte sich im Nachgang enttäuscht über dieses Zögern: „Ich hätte mir ein klares, solidarisches Signal des Ortsrates für das Bad gewünscht. Zumindest wurde das aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen!“
Mit dem Entschluss für die Sanierung des Bades muss die Verwaltung nun Fahrt aufnehmen. Der Rat hat grünes Licht für die Vergabe der Gewerke erteilt, sofern das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont seine finale Zustimmung erteilt. Bürgermeister Pommerening blickt der ausstehenden Prüfung optimistisch entgegen und geht davon aus, dass lediglich die üblichen formellen Bescheinigungen nachgereicht werden müssen. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht: Sobald die Freigabe vorliegt, müssen die Aufträge kurzfristig vergeben werden, damit die Baumaßnahmen pünktlich bis zum Stichtag im Sommer 2027 abgeschlossen sind und die wertvollen Fördergelder nicht verfallen.
Foto: Das Naturerlebnisbad soll jetzt saniert werden
