Zentrale Kita-Platzvergabe und die Herausforderungen des Ganztagsanspruchs

Salzhemmendorf (gök). Die Zukunft der Kinderbetreuung und der schulischen Infrastruktur stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses im Flecken Salzhemmendorf. Unter dem Vorsitz von Thomas Hölscher (SPD) debattierten die Ausschussmitglieder intensiv über eine Reform der Vergabe von Kindertagesstättenplätzen, die bevorstehende Umsetzung des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung sowie die aktuellen Prognosen zur Belegung der Betreuungseinrichtungen.

Ein zentraler Tagesordnungspunkt war die geplante Umstellung bei der Vergabe von Kita-Plätzen. Bisher erfolgte die Anmeldung dezentral in den jeweiligen Einrichtungen, was regelmäßig zu Mehrfachanmeldungen, erheblichem Verwaltungsaufwand und mangelnder Transparenz für die Eltern führte. In Kooperation mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont soll nun ein rechtssicheres, einheitliches Vergabesystem eingeführt werden. Die Verwaltung setzt dabei auf ein Online-Modul der Firma Nolis GmbH als Erweiterung des bestehenden digitalen Rathauses. Eltern können künftig online bis zu drei Wunsch-Kitas angeben, wobei die Vergabe nach einem integrierten Kriterienkatalog mit einem Punktesystem erfolgt. Die pädagogische Qualität verbleibt weiterhin bei den Kitas vor Ort.

Trotz der spürbaren Vorteile für Familien, wie einem einheitlichen Ansprechpartner und dem Wegfall bürokratischer Mehrfachverfahren, gab es auch kritische Stimmen im Ausschuss. Karl-Heinz Grießner (SPD) äußerte Bedenken, dass hier neue Bürokratie aufgebaut werde und Eltern viele Informationen für das Punktesystem liefern müssten. Er betonte die Sonderstellung von Salzhemmendorf im Landkreis mit vielen Vereinsträgern bei den Kindertagesstätten und forderte einen engen Austausch sowie einen verschobenen Start zum Januar 2027. Dr. Wilhelm Koops (Grüne) merkte an, dass das Problem der Platzknappheit durch sinkende Kinderzahlen ohnehin geringer werde. Die einmaligen Kosten für Software und Schulung belaufen sich auf rund 5 500 Euro, die laufenden Kosten für die Kommune betragen 85 Euro monatlich. Am Ende stimmte der Ausschuss der Einführung der zentralen Vergabe, die erstmals für das Jahr 2027 greifen soll, einstimmig zu.

Umfangreichen Diskussionsbedarf rief das Thema der Ganztagsbetreuung hervor. Ab August dieses Jahres gilt der schrittweise aufsteigende bundesgesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Während der Schulzeiten bieten die beiden Grundschulen im Flecken das Angebot bereits seit Jahren an, wobei eventuell kleine zeitliche Ausweitungen auf täglich acht Stunden nötig werden. Ein großes Problem bleibt die Finanzierung. Das Land Niedersachsen stellt nicht genügend Mittel für das pädagogische Personal bereit, weshalb die Gemeinde bereits jetzt zusätzliche Betreuungskräfte finanziert. Gemeindebürgermeister Clemens Pommerening kritisierte in der Vorlage, dass es sich Land und Landkreis hier einfach machen, da eine ordnungsgemäße Betreuung allein mit den Landesmitteln nicht sichergestellt werden könne. Er plädierte dafür, die lokalen Vereins- und Ehrenamtsstrukturen zu stärken, statt Parallelstrukturen aufzubauen.

Besonders die Organisation der Ferienbetreuung, die in der Zuständigkeit des Landkreises liegt, wirft noch Fragen auf. In den kommenden Herbstferien wird es zunächst eine Kooperation mit der Nachbargemeinde Coppenbrügge an der Grundschule Salzhemmendorf geben, da eine Abfrage bisher nur einen geringen Bedarf ergab. Anna Hermenau von der Verwaltung bestätigte, dass es sich anfangs um eine kleine Gruppe von Kindern handelt. Frauke Roth-Paul (SPD) wies auf Unklarheiten bei der Schülerbeförderung hin, da die künftigen Betreuungsorte noch flexibel gewählt werden könnten. Sorgen bereitet auch der Personalschlüssel. Nach Intervention der Schulleitungen wurde der Betreuungsschlüssel zwar von 1 zu 26 auf 2 zu 26 Kinder angehoben, was von den Schulen jedoch immer noch als sehr knapp angesehen wird. Für die Ferienbetreuung wird ein gestaffelter Elternbeitrag von 85 Euro pro Woche erhoben, mit Ermäßigungen für Geschwisterkinder. Der Ausschuss nahm diese Vorlage schließlich nur zur Kenntnis. Nach Info der Salzhemmendorfer Schulleitung sieht es derzeit danach aus, dass die Ferienbetreuung dann in der Grundschule Salzhemmendorf zentral stattfindet.

Entspannter stellt sich die Situation bei der Kindertagesstättenbedarfsplanung des Landkreises dar. Bei den unter Dreijährigen ist die Lage mit 106 angebotenen Plätzen gegenüber 86 prognostizierten Kindern stabil. Im Bereich der über Dreijährigen kommen auf 281 Plätze derzeit 282 Kinder. Aufgrund unterdurchschnittlicher Geburtenzahlen in den letzten drei Jahren prognostiziert der Landkreis bis zum Jahr 2029 sogar ein Überangebot von rund fünfzig Plätzen. Karl-Heinz Grießner (SPD) zeigte sich skeptisch und betonte, dass solche Prognosen in der Vergangenheit nie gestimmt haben. „Die Gruppengrößen wurden in der Vergangenheit aber immer in enger Abstimmung mit den Trägern stets problemlos angepasst“, nahm Pommerening den Druck aus der Debatte.

Zum Ende der Sitzung gab es noch eine konkrete Anfrage aus den Reihen der Politik. Frauke Roth-Paul (SPD) machte auf die klimatischen Bedingungen in den Containerräumlichkeiten der Grundschule Salzhemmendorf aufmerksam. Dort wird es im Sommer extrem warm, weshalb die Installation von Klimaanlagen dringend notwendig sei. Pommerening will dies unverzüglich an seinen Fachbereich für weitere Maßnahmen durchsteuern.

Foto: Derzeit kann der Platzbedarf in den Kindertagesstätten im Flecken – hier die Stoppelhopser in Thüste – gedeckt werden