Dorfladen in Wallensen braucht Unterstützung

Hoffnung auf Solidarität der jüngeren Generation

Wallensen/Thüste (gök). Es war ein Abend voller Hoffnung, als im Frühjahr dieses Jahres knapp 100 Bürger in der Thüster Sporthalle zusammenkamen, um die Pläne für das Dorfladen-Konzept „Unser Schopp“ zu diskutieren. Die Wiederbelebung der verödeten Ortsmitte scheint dabei immer noch greifbar nah. Ein moderner, digitalisierter Container-Laden auf dem Gelände des ehemaligen Ratskellers könnte die Lücke schließen, die nach den Schließungen von Volksbank, Bäckerei und dem letzten Lebensmittelmarkt entstanden war. Rund zwei Monate nach der großen Informationsveranstaltung besteht immer noch Hoffnung auf die Realisierung, doch dafür sind die Bürger der Umgebung gefragt.

In einem aktuellen Gespräch zeichnet Wallensens Ortsbürgermeister Karl-Heinz Grießner (SPD) noch ein gemischtes Bild der Lage. Bislang wurden knapp 50 Prozent der für den wirtschaftlichen Betrieb erforderlichen Abos abgeschlossen. Zwar sind noch nicht alle Interessenbekundungen vollständig erfasst – ein Teil befindet sich derzeit noch zur Bearbeitung im Rathaus in Salzhemmendorf –, dennoch reicht die aktuelle Resonanz noch nicht aus. Der durchschnittliche Wert der bisherigen Abschlüsse liegt bei soliden 25,56 Euro pro Woche und damit über dem geforderten Mindestbetrag von 20 Euro. Positiv hervorzuheben ist auch das finanzielle Engagement einer Kerngruppe: 17 Bürger haben sich bereit erklärt, den Bau des Ladens mit einer Summe von insgesamt 16 500 Euro aktiv zu unterstützen. „Schon einiges abgeschlossen, noch aber zu wenig“, bilanziert Grießner die Situation sachlich.

Besonders auffällig ist die demografische Verteilung der Unterstützer. Bislang sind es vorwiegend die älteren Einwohner von Wallensen, die ein Abo gezeichnet haben und sich damit ein Stück Lebensqualität und Nahversorgung im Alter sichern wollen. Der Ortsbürgermeister richtet seinen Blick daher nun verstärkt auf die jüngeren Generationen und Familien im Ort: „Wir haben in den vergangenen Jahren so viel Infrastruktur verloren, jetzt ist die einmalige Chance da. Ich hoffe inständig auf den Gemeinschaftsgeist, die Solidarität und die Unterstützung der Jüngeren.“ Ohne ein breites Fundament in der gesamten Bevölkerung sei das Projekt auf lange Zeit gestorben, so der Ortsbürgermeister, in dem sich mittlerweile auch ein gewisser Frust breitmacht: „Ich hoffe sehr, dass die Menschen sich jetzt bewegen.“ Das Engagement der Bürger müsse spürbar da sein, denn der Betreiber werde ohne die nötige Absicherung durch Abos nicht investieren. Unklar ist zudem, wie lange das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt überhaupt noch mit der finalen Entscheidung warten wird.

Dabei stehen die Rahmenbedingungen für die Gemeinde und die regionalen Akteure denkbar günstig. Die Reste des baufälligen Ratskellers wurden wie geplant abgerissen und das Areal im Ortskern baureif gemacht. Dadurch hat die Gemeinde das Heft des Handelns in der Dorfmitte fest in der Hand. Ein entscheidender Vorteil für die Gemeindekasse. Die Kommune geht keinerlei finanzielle Vorleistungen ein. Alle anfallenden Bau- und Erschließungsarbeiten werden, sobald das Projekt grünes Licht erhält, allein durch den Betreiber geleistet. Zudem zeichnet sich bereits eine personelle Basis ab. Es gibt schon zwei, drei konkrete Interessenten aus der Region, die gerne im neuen Dorfladen mitarbeiten würden.

Grießner tritt im Zuge des Gesprächs auch vehement den im Ort kursierenden Gerüchten entgegen und räumt mit Missverständnissen auf. Der geplante Dorfladen verstehe sich keineswegs als Konkurrenz zu bestehenden Geschäften. „Unser Ziel ist eine generelle Belebung der Infrastruktur im Zentrum, es soll kein lokaler Händler kaputt gemacht werden“, betont der Ortsbürgermeister. Im Gegenteil, die Betreiber von „Unser Schopp“ bieten laut dem Wallenser weiterhin aktiv Absprachen und Kooperationen mit örtlichen Händlern, wie dem ansässigen Fleischer oder Hofladen, an. Ein florierender Punkt in der Mitte könnte ein Alleinstellungsmerkmal für Wallensen schaffen und über die Ortsgrenzen hinaus strahlen. Dass dies realistisch ist, zeigen erste Abo-Abschlüsse aus den umliegenden Nachbarorten.

Um dem Projekt den entscheidenden Impuls zu geben, starten die Verantwortlichen nun eine weitere große Werbeoffensive. In Kürze soll eine umfassende Beilage durch die Betreiber verteilt werden, um auch die letzten Unentschlossenen zu informieren. Grießner erinnert in diesem Zusammenhang nochmals an die Flexibilität des Modells. Die gezeichneten Abos, die vollständig als Einkaufsguthaben dienen, sind bei Nichtnutzung problemlos auf andere Personen übertragbar. „Jetzt liegt es ganz allein an den Bürgern. Wenn wir diese Chance verstreichen lassen, bleibt die Mitte unseres Dorfes auf unbestimmte Zeit tot“, so der finale Appell des Ortsbürgermeisters.

Hintergrund zum Projekt: Das Konzept sieht einen rund 108 Quadratmeter großen Container-Dorfladen vor, der dank Photovoltaik-Technik zu 80 Prozent energieautark arbeitet. An 365 Tagen im Jahr soll ein Vollsortiment von bis zu 2000 Artikeln über ein digitales Selbstbedienungssystem zugänglich sein, ergänzt durch zeitweise besetzte Kassen für Barzahler. Eine integrierte Kaffeeecke soll den Laden zudem zum sozialen Treffpunkt machen. Um das Projekt zu realisieren, werden rund 225 Abos benötigt. Interessenbekundungen können online unter www.unser-schopp.de/gemeinde-wallensen/ abgegeben oder als Umfragezettel im Rathaus Salzhemmendorf sowie beim Ortsbürgermeister eingereicht werden.

Foto: Auf dem Platz des ehemaligen Ratskellers könnte ein Dorfladen entstehen