27Nach 15 Jahren Ende des Ehrenamts
Abruptes Ende einer generationenübergreifenden Erfolgsgeschichte / Schulleitung setzt auf rein schulisches Konzept
Oldendorf (gök). Es ist ein Abschied voller Bitterkeit und verletzter Gefühle, der das Ende einer beispiellosen Erfolgsgeschichte im regionalen Ehrenamt markiert. Seit einigen Wochen herrscht Gewissheit: Die ehrenamtlichen Helfer, die über fast anderthalb Jahrzehnte hinweg den Schulgarten der Grundschule Oldendorf aufgebaut, gepflegt und mit Leben gefüllt haben, haben das Projekt komplett aufgegeben. Was im Jahr 2011 als visionäre Idee des Oldendorfer Vereins für Grenzbeziehung und Heimatpflege von 1980 begann, ist nach massiven Unstimmigkeiten zwischen den Freiwilligen und der Schulleiterin Maike Krengel endgültig Geschichte. Der Acker wurde inzwischen von der Schule übernommen – die pädagogische Arbeit im Grünen soll künftig ausschließlich in den Händen des Lehrerkollegiums liegen.
Der Rückblick auf die Anfänge zeigt, mit wie viel Herzblut das Projekt einst ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 2011 stellte ein Oldendorfer Landwirt ein rund 500 Quadratmeter großes Stück Ackerland in direkter Nachbarschaft zur Grundschule zur Verfügung. Unter der engagierten Leitung und Koordination der Initiatorin Erika Rasch entwickelte sich die Garten-AG im Nachmittagsangebot schnell zu einem wahren Publikumsmagneten. Ursprünglich für zwölf Kinder geplant, schwelte die Teilnehmerzahl rasch auf bis zu 28 Kinder an. Niemand wurde abgewiesen. Um auch die Wintermonate sinnvoll zu überbrücken, entstanden zusätzliche Arbeitsgruppen wie eine Koch-, Werken- und Näh-AG.
In Spitzenzeiten, bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie, engagierten sich rund 15 ehrenamtliche Frauen und Männer aller Altersgruppen. Sie brachten pädagogische, handwerkliche und landwirtschaftliche Fähigkeiten ein und machten den Schulgarten zu einem echten Mehrgenerationenprojekt. Gemeinsam bauten sie Kartoffelsorten wie die „Rote Laura“ sowie Gemüse, Tomaten, Gurken und Salate an. Die Kinder lernten den gesamten Kreislauf eines Gartenjahres kennen – vom Säen über das Krauten bis zur Ernte und der anschließenden Verarbeitung zu gesunden Gerichten. Sogar der Verkauf der Ernte vor dem örtlichen Supermarkt, bei dem die Kinder stolz das Rechnen und den Kundenservice übten, wurde organisiert. Die Arbeit trug Früchte weit über das Dorf hinaus. 2014 wurde das Projekt mit dem Niedersachsenpreis für Bürgerengagement ausgezeichnet und erhielt eine Förderung von 3 000 Euro, gefolgt von mehreren erfolgreichen Förderanträgen bei der Bingo-Umweltstiftung für Hummel-, Bienen- und Naschgartenprojekte im Gesamtwert von weiteren 9 000 Euro.
Hinter den Kulissen kriselte es jedoch schon länger. Nach Berichten aus den Reihen der Betreuerinnen eskalierte die Situation im vergangenen Frühjahr endgültig. Der Auslöser mag Außenstehenden banal erscheinen, war aber für die Ehrenamtlichen dann nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bei einer kreativen Aktion im Gartenunterricht hatten die Kinder Wolle um die dicken Bäume im Garten gewickelt. Schulleiterin Maike Krengel forderte den sofortigen Rückbau, da sie die Gefahr von Mikroplastik in der Natur sah und befürchtete, Vögel könnten sich darin verfangen. Es folgten gegenseitige Vorwürfe über mangelnde Kommunikation und unklare Kompetenzen. Während Erika Rasch berichtet, dass Treffen von Vorwürfen geprägt waren und die Ehrenamtlichen sich „unterzuordnen“ hätten, betont die Schulleitung ihre Gesamtverantwortung für das Schulgelände. Auch praktische Fragen führten zu Reibungen der Parteien. Zuletzt schrumpfte das Team der Aktiven stark zusammen, da viele ältere Helfer aus gesundheitlichen Gründen ausschieden. Als schließlich zwei Helferinnen nach einer lautstarken Auseinandersetzung die Zusammenarbeit aufkündigten und nach ihrer Aussage ein Haus- und Betretungsverbot erhalten hatten, zog auch Initiatorin und Hauptorganisatorin Erika Rasch resigniert den Schlussstrich: „Ich muss damit abschließen jetzt. Man reibt sich einfach immer nur auf.“
Schulleiterin Maike Krengel versucht auf Nachfrage die Situation zu beschwichtigen. Den Vorwurf eines offiziellen Haus- oder Schulgeländeverbots gegen die langjährigen Kräfte weist sie direkt zurück: „Ein Haus- bzw. Schulgeländeverbot habe ich nicht ausgesprochen.“ Zu den genauen Gründen des Bruchs möchte sie sich im Detail nicht äußern: „Leider traten Unstimmigkeiten auf, die zu einer Beendigung der Zusammenarbeit führten. Ich bitte um Verständnis, dass ich auf diese nicht weiter eingehen werde, da ich nicht erkennen kann, inwiefern eine öffentliche Diskussion darüber hilfreich sein kann.“ Gleichzeitig betont Krengel nachdrücklich, dass das Ehrenamt an der Grundschule Oldendorf keineswegs tot sei. Abseits des Gartens seien über 30 ehrenamtliche Helfer aktiv – vom gesunden Schulfrühstück über Lesepaten (Mütter, Väter, Omas, Opas) bis hin zu Helfern bei Hausaufgaben und Schulveranstaltungen. Das Ehrenamt bleibe eine „wertvolle Unterstützung für die individuelle Förderung unserer Schüler und des Schullebens.“ Für die Zukunft des 500-Quadratmeter-Areals hat die Schulleitung bereits ein neues, rein schulisches Konzept ausgearbeitet. Der Garten soll im Rahmen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) fest in den regulären Unterricht und den Ganztagsbereich integriert werden.
„Das gesamte Schulteam kümmert sich um den Schulgarten“, erklärt Krengel. Jede Schulklasse hat fortan einen eigenen Ackerabschnitt zugewiesen bekommen, den die Kinder eigenständig bepflanzen, hegen und pflegen. Das pädagogische Ziel ist klar definiert: Praxisnahes Lernen biologischer Zusammenhänge, die Förderung von Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und der Ernährungsbildung direkt am Beet. Auch ökologisch soll die Anlage durch Blühwiesen für Bienen und Hummeln sowie ressourcenschonenden Anbau überzeugen. Die Bewässerung in den heißen Sommerferien sei durch das Schulteam personell abgesichert und die Finanzierung soll künftig über den Schulförderverein, zweckgebundene Spenden sowie neu beantragte Förderprojekte laufen.
Erika Rasch und ihre Mitstreiter blicken trotz des schmerzhaften Endes versöhnlich auf die Kinder: „Wenn die Schule das weitermacht, ist das super“, sagt Rasch abschließend. Mit den „Garten-Ehrenamtlichen“ will sich Rasch zumindest noch einmal zu einem gemütlichen Kaffeenachmittag treffen, wenn auch nicht mehr auf dem Gelände der Schule.
Fotos: Der Oldendorfer Schulgarten muss künftig ohne Ehrenamtliche auskommen

