Spannender Schlagabtausch in der Steigerklause – mit Video
Salzhemmendorfer Bürgermeisterkandidaten beziehen Stellung
Osterwald/Salzhemmendorf (gök). In der prall gefüllten Osterwalder Steigerklause fand jetzt eine Podiumsdiskussion statt, die den Auftakt für eine regelmäßige Reihe politischer Debatten in Osterwald bilden soll. Unter der starken und souveränen Moderation von Nina Wüstemann und Marc Bruns standen sich die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt im Flecken Salzhemmendorf gegenüber: Amtsinhaber Clemens Pommerening und Herausforderer Marius Fröschke. Beide Bewerber sind parteilos und gebürtig aus dem Flecken, wobei Fröschke von der SPD unterstützt wird. Der Abend wurde zudem per Livestream übertragen und stieß auf breites Interesse.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einigen auflockernden Eisbrecher-Fragen zu Themen wie Kaffee, Ausschlafen, Süßem oder der Wahl zwischen Meer und Bergen stiegen die Kontrahenten direkt in ihre inhaltlichen Ziele ein. Pommerening betonte, dass er bestehende Großprojekte wie den Bau des Feuerwehrstützpunkts Salzhemmendorf, die laufende Dorfentwicklung und weitere Förderinitiativen nahtlos fortführen und weiterentwickeln möchte. Fröschke hingegen kündigte an, im Falle seiner Wahl zunächst intensiv das Gespräch in den einzelnen Ortsteilen zu suchen, um vor Ort Probleme aufzunehmen und wichtige Kontakte zu knüpfen. Auch beim Thema Verwaltungsmodernisierung und Personalgewinnung wurden unterschiedliche Akzente deutlich. Fröschke, der derzeit in der Landesfinanzverwaltung in Hannover tätig ist und dank Homeoffice-Möglichkeiten nur einmal wöchentlich pendeln muss, zeichnete das Bild einer digitalen, flexiblen Verwaltung mit Desksharing-Konzepten, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Pommerening verwies stolz auf sein bestehendes Rathausteam, das bereits jetzt eine kurzfristige Anliegenbearbeitung garantiere. Desksharing sei in Salzhemmendorf derzeit kein Thema, zumal viele Mitarbeiter präsenzorientiert arbeiten möchten. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, habe die Gemeinde jedoch eine neue Stelle geschaffen, die sich gezielt um Ausbildung und Nachwuchsgewinnung kümmert, wenngleich man weiterhin in manchen Bereichen auf externe Bewerbungen angewiesen bleibt.
Einigkeit herrschte beim Stellenwert der Ortsräte, die von beiden als unverzichtbares Bindeglied zur Bevölkerung und als wichtiges Ehrenamt hervorgehoben wurden, das es weiter zu stärken gelte. Beim Thema Tourismus verwies Pommerening auf den aktuellen Aufbau der gemeinsamen „Ith-Region“ mit dem Flecken Coppenbrügge, in den Salzhemmendorf bereits erhebliche Ressourcen investiert. Fröschke regte ergänzend neue Synergien an: So könnte etwa ein neuer Kunstrasenplatz in Lauenstein nicht nur dem Sport dienen, sondern auch auswärtige Vereine anlocken, wovon letztlich Einrichtungen wie die Ith-Sole-Therme oder das Naturfreundehaus am Wochenende profitieren könnten. Hinsichtlich des öffentlichen Personennahverkehrs streben beide Kandidaten Verbesserungen an, wenngleich die Entscheidungsgewalt primär auf Kreisebene liegt. Während Pommerening weiterhin das direkte Gespräch mit dem Nachbarlandkreis Hildesheim zur Anbindungsverbesserung sucht, schlug Fröschke die Erstellung eines regionalen Internetportals für Pendler vor. Weitere Themen des Abends reichten von nötigen Radwegausbauten und Starkregen-Schutzmaßnahmen über den Sanierungsbedarf bei den örtlichen Sporthallen bis hin zur Attraktivitätssteigerung der Gewerbegebiete.
In Finanz- und Verwaltungsfragen machten beide Politiker grundlegende Beobachtungen deutlich. Pommerening übte deutliche Kritik am bürokratischen Förderdschungel, der langwierige Verwaltungsabläufe nach sich ziehe und das Rathaus oft lähme. Förderprogramme seien „Fluch und Segen zugleich“ – sinnvoller wäre eine verlässliche und auskömmliche Grundfinanzierung der Kommunen, da man vor Ort am besten wisse, wo der Schuh drückt. Fröschke brachte beim Thema Windkraft einen konkreten Verteilungsschlüssel ins Spiel. Die finanziellen Akzeptanzabgaben sollten zu 50 Prozent direkt in den betroffenen Ortsteilen verbleiben und zu 50 Prozent an die Gesamtgemeinde gehen, damit alle Bürger fair von der Energiewende profitieren.
Zum Ende der Veranstaltung nutzten die anwesenden Bürger die Gelegenheiten für diverse Nachfragen an das Podium. In der Gesamtschau präsentierte sich Amtsinhaber Pommerening gewohnt fachkundig und administrativ souverän, während Herausforderer Fröschke schlagfertig agierte und ankündigte, sich in verbleibende Einzelthemen noch tiefer einzuarbeiten. Die gesamte Podiumsdiskussion steht für Interessierte ab sofort auch im Replay als Aufzeichnung auf https://www.youtube.com/watch?v=mwvGavhE4oM zur Verfügung.
Foto: Nina Wüstemann, Clemens Pommerening, Marius Fröschke und Marc Bruns sorgten für eine unterhaltsame Diskussion
