Bürgerbus Salzhemmendorf kämpft um Zukunft
Steigende Kosten und Fahrermangel bedrohen den Linienverkehr
Salzhemmendorf (gök). Der Bürgerbusverein Salzhemmendorf blickt auf eine stolze Geschichte zurück. Vor zehn Jahren gegründet, sorgt das Team seit mehr als acht Jahren für Mobilität im Flecken. Es ist der einzige Verein in der Region, der täglich außer sonntags alle Ortsteile im ehrenamtlichen Linienverkehr bedient oder über Rufhaltestellen erreichbar macht. Doch trotz des großen Erfolgs steht das Leuchtturm-Projekt vor existenziellen Problemen. Der Vorsitzende Manfred Roth trat deshalb in der vorletzten Gemeinderatssitzung schon vor die Politiker, um dringend um Unterstützung zu bitten.
Das erste Sorgenkind des Vereins sind die rasant gestiegenen Betriebskosten bei gleichzeitig völlig ausbleibenden eigenen Einnahmen. Seit dem Ausbruch der internationalen Kriege sind die Energiekosten und die allgemeinen Preise durch die Decke gegangen. Bestes Beispiel sind die Kraftstoffpreise: Vor dem Ukraine-Krieg lagen die monatlichen Dieselkosten für den Bürgerbus noch bei rund 650 bis 700 Euro – in der Spitze kletterten sie zuletzt auf über 1 300 Euro. Finanziell ist das für den Verein kaum noch zu stemmen, da auch sämtliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf komplett an die Öffis abgeführt werden müssen.
Zusätzlich drückt den Verein der demografische Wandel im eigenen Team. Die aktuell 15 ehrenamtlichen Fahrer leisten Großes, legen im Jahr rund 45 000 Kilometer zurück und befördern zwischen 8500 und 9000 Fahrgäste. Allerdings liegt der Altersdurchschnitt der Fahrer mittlerweile bei knapp 70 Jahren. Ausscheidende Fahrer durch neue Ehrenamtliche zu ersetzen, erweist sich als Mammutaufgabe. Zwar gibt es immer wieder Anfragen über die Freiwilligenagentur, doch die Interessenten möchten in der Regel etwas verdienen. Dass der Dienst am Steuer vollkommen unentgeltlich geleistet wird, sorgt im Vorfeld oft für Ungläubigkeit.
Erschwert wird die Personalsuche durch den direkten Vergleich mit anderen Institutionen. In manchen Vereinen wird für ähnliche Leistungen mittlerweile ein Mindestlohn gezahlt und Einrichtungen wie die Freibäder erhalten zudem einen Betriebskostenzuschuss von der Gemeinde. Der Bürgerbusverein hingegen kann sich Zahlungen im Rahmen einer Ehrenamtspauschale aus eigener Kraft derzeit schlichtweg nicht leisten. Für den Vorsitzenden Manfred Roth ist daher klar, dass warme Worte allein nicht mehr ausreichen: „Schulterklopfen, Beifall und Dankeschön sind zwar tolle Anerkennung, lösen aber unser Problem nicht.“
Sollte der Bürgerbus seinen Betrieb aufgrund der Kosten und des Personalmangels einstellen müssen, hätte das bittere Konsequenzen für die Bürger. Die Linien würden von den Öffis nicht ersetzt und fielen ersatzlos weg, da sie wirtschaftlich nicht rentabel sind. Dennoch gibt Roth die Hoffnung nicht auf. Bei über 9 000 Einwohnern im Flecken Salzhemmendorf müsse es laut Roth doch möglich sein, mindestens 20 ehrenamtliche Fahrer zu finden, um den wichtigen Service für die Zukunft zu sichern. Etwaige Interessenten können sich unter www.buergerbus-salzhemmendorf.de über die Aktivitäten informieren und auch Kontakt aufnehmen.
Foto: Der Bürgerbus in Salzhemmendorf wird von Ehrenamtlichen gefahren
