Wiesenpflege für Artenvielfalt wird belohnt – ein heimlicher Star ist in Lauenstein angekommen

Kooperation soll Erfolg nun nachhaltig sichern

Lauenstein (gök). Das „Weiße Waldvöglein“ ist nicht etwa ein gefiederter Freund, wie der Name vermuten ließe, sondern eine selten gewordene heimische Orchidee. Diese für den flüchtigen Blick unscheinbare Pflanze ist wieder auf der Obstwiese am Krähenberg in Lauenstein anzutreffen. „Es gibt viele großartige Projekte im Naturschutz, aber nicht immer erleben die Begründer noch den Erfolg“, resümiert Werner Anders aus Lauenstein, der die Fläche seit 2014 betreut.

Von Anfang an dokumentierte Anders den Aufbau der Pflanzengesellschaften auf der Gemeindefläche am Kriegerdenkmal. Seit fünf Jahren registriert er dort nun den Einzug des `Weißen Waldvögleins´. „Zuerst habe ich nicht darüber gesprochen, zu unsicher schien mir, ob sie sich behaupten kann – und, um sie nicht durch zu viel Öffentlichkeit zu gefährden. An fünf Stellen scheint sie fest etabliert und in diesem Jahr sind vier weitere hinzugekommen, sodass ich meine Freude darüber gerne teilen möchte“, so Anders. Bereits nach wenigen Jahren gezielter Pflege ließ sich die Zunahme an heilwirkenden Wiesenpflanzen wie „Schwarze Teufelskralle“, „Odermennig“ oder „Wiesenknopf“ verzeichnen. Durch Auslichtung des angrenzenden Baumbestands, Abmagern durch Mähen und Abharken sowie Beweidung zum Sameneintrag von anderen Wiesen ist auf der Wiese eine erkennbare Dynamik entstanden.

Eigentlich wird laut Anders durch diese Landschaftspflege simuliert, was über Jahrhunderte der landwirtschaftlichen Allmende-Nutzung zum Bild der offenen Kulturlandschaft geführt hat. Das Weiße Waldvöglein ist ein echter botanischer Ausreißer, denn sie wird überwiegend oder vollständig von einem Pilz ernährt, der wiederum spezifische Anforderungen an die Bodenstruktur legt. Nur wenn einer der winzigen Orchideensamen auf eine Stelle fällt, wo dieser Pilz vorkommt, löst dieser die Keimung aus. Fortan bilden die beiden Arten eine Lebensgemeinschaft, eine Mykorrhiza. Da der Pilz sich auch mit anderen Pflanzen verbindet, übernimmt er die Funktion des Nährstofflieferanten.  Jeder Eingriff oder Störung bedeuten das sichere Ende für die Orchidee. Ein Verpflanzen zur Verbreitung ist bei dieser geschützten Art folglich aussichtslos.

„Diese Pflanze weist auf, welch komplexe Bedingungen für ihre Existenz herrschen müssen und wie wichtig dafür eine lebendige Bodenkultur ist. Unser BUND-Projekt zeigt aber auch, wie bereits mit einfachen Mitteln solche Voraussetzungen geschaffen werden können“, ist Anders zufrieden. Unklar bleibt, wie die Sporen und Samen den Weg auf die Wiese gefunden haben. „Sie könnten mit den Klauen und dem im Fell der Schafe eingereist sein, die auch dieses Jahr wieder auf der Wiese zu Gast sind. Unser Projekt hier am Krähenberg ist dazu eine Kooperation mit dem Obstwiesen-Pflege-Verein Pyrmonter Bergdörfer eingegangen, sodass eine Beweidung auch für die Zukunft gesichert ist,“ freut sich Anders.

Wer die Aktivitäten rund um den Krähenberg in Lauenstein und anderer Bereiche kennen lernen möchte, kann dies auf dem Obstwiesenfest bei Kleinenberg/Bad Pyrmont am 26. September 2026 ab 14 Uhr tun. „Unsere Gäste dürfen sich am Obstbestand bedienen – also Pflücker und Körbe mitbringen – und können sich fachkundig über Fragen rund ums Obst informieren“, erklärt Anders. Kontakt für weitere Informationen ist möglich unter georg@petau.net.

Foto: Das „Weiße Waldvöglein“ wächst jetzt in Lauenstein