Ein Leben im Dienst der Gemeinschaft

„Kümmerer“ Klaus Krumfuß verlässt die politische Bühne

Duingen (gök). Wenn Ende November die konstituierende Sitzung des Rates nach der Kommunalwahl im September zusammenkommt, wird Duingens Bürgermeister Klaus Krumfuß die Sitzung noch ein letztes Mal leiten. Er wird die neu gewählten Ratsmitglieder verpflichten und den Amtswechsel an der Spitze der Gemeinde begleiten. Erst danach ist seine politische Arbeit nach Jahrzehnten großen Einsatzes offiziell getan. Wie schwer ihm dieser Schritt fällt? „Die Entscheidung reifte über einen langen Zeitraum – angestoßen durch den nachdenklichen Satz eines guten Freundes, der mich einst fragte, ob ich davon ausgehe, dass die Dinge für mich unendlich seien“, so Krumfuß nachdenklich im Gespräch. Für Krumfuß steht fest: Wer ein Amt über Jahrzehnte hinweg mit vollem Einsatz geprägt hat, muss auch im richtigen Moment den Mut besitzen, Platz für neue Gesichter und frische Ideen zu machen. Es ist kein schmerzhafter Abschied im Groll oder ein Rückzug aus Gleichgültigkeit, sondern ein tief empfundener Schritt im Reinen mit sich selbst.

Sein politisches und kommunales Engagement war für ihn selber nie eine nüchterne Abfolge von Posten oder eine Bühne zur Selbstdarstellung, sondern stets eine absolute Herzensangelegenheit. „Egal welches Mandat ich innehatte, für mich standen immer die Menschen und ihre konkreten Sorgen im Vordergrund. Wer eine politische Rolle nur spiele, um Wahlen zu gewinnen oder Ansehen einzustreichen, werde auf Dauer zwangsläufig scheitern“, so seine unumstößliche Haltung. Wer den Menschen dienen wolle, müsse diesen Anspruch laut dem Duinger jeden Tag aufs Neue authentisch vorleben. 35 Jahre im Rat, 20 Jahre als Duinger Bürgermeister, viele Jahre im Kreistag, 19 Jahre als Landtagsabgeordneter oder ganz nahbar als Duinger Bürgermeister beim Einkauf auf dem Wochenmarkt: Wenn Bürger ein Anliegen hatten, war er erreichbar. Besondere Hochzeiten, runde Geburtstage oder Jahreshauptversammlungen der örtlichen Vereine waren ihm immer wichtig. Private Grillabende oder die eigene Urlaubsplanung mussten im Zweifel hinter den Aufgaben für die Gemeinschaft zurückstehen.

Geboren am 12. März 1950 im beschaulichen Coppengrave, verlief sein Lebensweg bodenständig und geradlinig. Nach Ausbildung und Bundeswehr trat er schließlich in den Dienst der Polizei Niedersachsen ein. Bis 1998 war er als Polizeibeamter tätig. Der Schritt in die aktive Kommunalpolitik folgte erst 1991 aus reiflicher Überlegung. „Um Vertraulichkeiten und Interessenkonflikte zwischen Nachbarn oder Bürgern in meinem Duinger Dienstbezirk von vornherein auszuschließen, hatte ich eine Kandidatur Jahre zuvor bewusst abgelehnt. Erst als der Rahmen passte, sagte ich zu und erreichte auf Anhieb gute Stimmenergebnisse in der Samtgemeinde und im Flecken Duingen“, erinnert sich Krumfuß zurück. Seit 1977 Mitglied der CDU baute er seine politische Präsenz durch unermüdliche Präsenz vor Ort ab Anfang der Neunziger Jahre stetig aus. Krumfuß war ein Mann der leisen, bedachten Töne, der nach eigenem Bekunden nach dem Einzug in die Gremien 1991 erst einmal jahrelang aufmerksam zuhörte, bevor er richtungsweisende Entscheidungen traf. Sein Fleiß und seine Bürgernähe zahlten sich in beeindruckenden Wahlergebnissen aus, die weit über die eigenen Parteigrenzen hinausreichten. Über 15 Jahre lenkte er als Ausschussvorsitzender im Kreistag die Belange der zivilen Sicherheit, der Feuerwehren und des Rettungswesens, bevor er zum stellvertretenden Landrat gewählt wurde. Im Laufe der Jahre erreichte er bei den Wahlen einige Rekordstände an Stimmen, auf die er immer noch stolz ist.

Der Sprung in die Landespolitik 1998 glich zunächst einem Sprung ins kalte Wasser. Als der ursprünglich vorgesehene Kandidat aus beruflichen Gründen verzichtete, sprang Krumfuß kurzentschlossen ein. Gegen interne Vorbehalte im Kreisverband, er sei als Politiker schlicht „zu dicht an den Menschen“ und besuche selbst die kleinsten Vereine, setzte er sich im Nominierungsverfahren durch. Die anfänglichen Hürden einer Erstkandidatur meisterte er mit breiter Rückendeckung aus den Ortsverbänden und zog schließlich über die Landesliste in den Niedersächsischen Landtag ein, dem er fast zwei Jahrzehnte bis November 2017 angehörte. Selbst bei der Niederlage 2017 gegen seinen direkten Gegenkandidaten Volker Senftleben von der SPD erreichte er ein starkes Ergebnis, hatte aber unter dem Minustrend der CDU auf Bundesebene noch zu leiden, was damals die Wahl kostete. Das sehr gute Verhältnis zu Senftleben trübte das aber nicht, noch heute arbeitet er vertrauensvoll interfraktionell mit ihm in seiner Funktion als Samtgemeindebürgermeister zusammen. 2003 feierte er zudem einen historischen Überraschungssieg, als er den Wahlkreis erstmals direkt für die CDU gewann.

Im Landtag übernahm Krumfuß schnell Verantwortung: Er wurde etwa Gründungsvorsitzender des neu geschaffenen Petitionsausschusses und rückte schließlich auch in das Landtagspräsidium auf. In dieser repräsentativen Funktion vertrat er das niedersächsische Parlament bei Staatsakten und internationalen Gedenkveranstaltungen. Selbst nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag blieb seine Expertise gefragt. Auf Bitten internationaler Weggefährten engagierte er sich ehrenamtlich im europäischen Netzwerk der Bürgerbeauftragten und Ombudsleute bei der Europäischen Bürgerbeauftragten in Brüssel. Über Jahre hinweg reiste er zu Parlamentskonsultationen quer durch Europa und tauschte sich mit internationalen Entscheidungsträgern aus – etwa bei einer Tasse Espresso mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz oder auch Kronzprinz Haakon von Norwegen. Nicht für jeden war dieses Wirken nachvollziehbar. „Als ich mein europäisches Ehrenamt aufnahm, konnten sich überregionale Pressevertreter zunächst gar nicht vorstellen, dass man so ein Engagement auch ehrenamtlich machen kann“, erinnert sich Krumfuß schmunzelnd zurück.

Ob auf dem Donnerstagsmarkt, den er vor zwei Jahrzehnten als Ansprechpartner mit aufbaute, beim unkomplizierten Klönschnack, beim Frühschoppen in Coppengrave oder bei den Jahreshauptversammlungen der regionalen Vereine – Klaus Krumfuß war nie ein Amtsträger, der Aufgaben oder Bürgertermine groß an Stellvertreter delegierte. „Meine Stellvertreter beim Bürgermeister-Amt mussten mich wirklich nicht oft vertreten. Mir war die Nähe zu Duingen immer wichtig“, betont er. Er schätzte das direkte Wort, löste Alltagsprobleme unbürokratisch vor Ort und begegnete den Menschen stets auf Augenhöhe. Höhepunkte in seiner Zeit als Bürgermeister waren für ihn die Weiterentwicklungen in Duingen. Nicht alles verlief dabei einfach und ohne Diskussionen. Aber der Blick auf Bereiche wie das Industriegebiet und besonders die Neue Mitte in Duingen lassen ihn zufrieden wirken. Besonders das Bürgerzentrum in Duingen und die Begegnungsstätten in den Ortsteilen werden in den nächsten Jahren das Miteinander im Flecken Duingen prägen.

Wenn Ende November die Übergabe an die Nachfolge erfolgt, zieht sich der überall als „Kümmerer“ bekannte Duinger in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Aufdrängen wird er sich nach seiner Aussage dem neuen Rat nicht und auch unaufgeforderte Ratschläge wird es von ihm nicht geben. Doch wenn sein profunder Erfahrungsschatz und sein diplomatisches Geschick gefragt sind, wird Klaus Krumfuß den Menschen in seiner Heimat auch weiterhin mit offenem Ohr zur Seite stehen. Künftig will er sich auf seine ehrenamtliche Vereinsarbeiten wie beim DRK Duingen und der Verkehrswacht konzentrieren, wobei aber das Privatleben nicht mehr so wie sonst zu kurz kommen soll. Auf Geburtstagsfeiern etwa will er dann von Anfang an dabei sein und nicht wie sonst erst später aufgrund anderer Termine dazukommen.

Foto: Klaus Krumfuß wird sich im November aus der Kommunalpolitik zurückziehen und dann Projekte wie die Betreuung des Duinger Bürgerzentrums in andere Hände geben

Foto: Die Neue Mitte ist für Krumfuß eines der wichtigsten Projekte der letzten Jahrzehnte gewesen