Halfpap schreibt Geschichte am Tischtennistisch

WTW-Mitglied Jörg Halfpap feiert beeindruckendes Weltmeisterschafts-Debüt

Thüste/Hannover (gök). Tischtennis ist für Jörg Halfpap weit mehr als nur ein Hobby. Als aktives Mitglied beim SV Weenzen-Thüste-Wallensen (WTW) rief der seit einigen Jahren an Parkinson erkrankte Sportler und der Verein das Jedermann-Tischtennis-Angebot vor rund dreieinhalb Jahren ins Leben, um Parkinson-Patienten und älteren Freizeitspielern einen geschützten Raum für Bewegung und Gemeinschaft zu bieten. Nun schrieb Halfpap für den WTW auch ein weitere große Vereinsgeschichte. Als erstes WTW-Mitglied überhaupt nahm er an einer Weltmeisterschaft teil. Die 7. Parkinson-Tischtennis-WM fand quasi direkt vor der Haustür in Hannover statt, was sich Halfpap nicht entgehen ließ. In der Swiss Life Hall und zwei Nebenhallen des Landessportbundes trafen rund 800 Spieler aus 35 Ländern – darunter Athleten aus den USA, Israel, China, Finnland oder Polen – aufeinander. Unterstützt von 220 ehrenamtlichen Helfern wurden an 90 Tischen weit über 4 000 Tischtennis-Duelle ausgetragen. Um faire Bedingungen zu schaffen, wurden die Teilnehmer nach Trainingsumfang und Spielerfahrung in Kategorien unterteilt, wobei Halfpap in der dritten Kategorie an den Start ging. Zur Vorbereitung hatte er zuvor im regulären Tischtennis-Sparten-Training des WTW mitgewirkt und war von Trainer Detlef Reich besonders in Regelkunde geschult worden.

Schon am ersten Turniertag bewies Halfpap enorme Kampfstärke. In einer Sechser-Gruppe im Modus „Jeder gegen Jeden“ verlangte er zwei erfahrenen deutschen Vereinsspielern alles ab und verlor jeweils nur knapp mit 1:3. Im dritten Spiel gegen den Isländer Sigurkarl Stefansson fand der WM-Debütant schließlich perfekt in seinen Rhythmus und feierte einen souveränen 3:0-Erfolg. Mit geschickter Taktik und der gezielten Anspielung der gegnerischen Rückhand legte er im vierten Match nach und siegte mit 3:1. Die größte Energieleistung folgte im letzten Gruppenspiel. Trotz eines 0:2-Satzrückstands und nach über sechs Stunden Turnierdauer gab Halfpap nicht auf, erkämpfte sich Satz um Satz und drehte die Partie sensationell noch zu einem 3:2-Sieg. Damit gelang ihm überraschend der Einzug in die Hauptrunde der besten 128 Spieler.

Der zweite Tag brachte zwar sportliche Dämpfer, minderte jedoch keineswegs die Begeisterung. Im Doppel trat Halfpap gemeinsam mit Dirk Eiffert an, die sich vorher online zum Zusammenspiel abgesprochen hatten. Das Duo musste sich jedoch in allen drei Vorrundenspielen – unter anderem gegen die chinesisch-englische Paarung Xiaofeng Li und Peter Groves – jeweils mit 0:3 geschlagen geben. Auch in der ersten K.-o.-Runde des Einzels endete die Reise gegen den stark aufspielenden Marcus Weber mit einer 0:3-Niederlage. Trotz des Ausscheidens blickt der WTW-Akteur mit stolzer Freude auf das Event zurück: „Ich wollte vorher nur nicht alle Spiele verlieren, sondern als Ziel mindestens eins gewinnen“, erzählte Halfpap schmunzelnd. „Es herrschte bei meiner ersten Weltmeisterschaft eine tolle Atmosphäre, in der sehr freundschaftlich miteinander umgegangen wurde. Es ist ein tolles Gefühl, mal bei einer WM dabei zu sein.“ Für diesen besonderen Moment wurde sogar die Familienplanung geändert: „Eigentlich sollte der Geburtstag meiner Mutter am zweiten WM-Tag gefeiert werden. Doch für die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft hat meine Mutter mir gerne freigegeben, statt den 91. Geburtstag mit ihr zu feiern. Ich kam dann einfach später dazu!“ Beim nächsten Jedermann-Tischtennis am Montag, den 5. Oktober um 19.30 Uhr in Thüste kann Halfpap dann auch den anderen Mitgliedern berichten, wie sich eine Weltmeisterschaft anfühlt und was das psychisch für Auftrieb geben kann. Vor Ort in Hannover wurde Halfpap auch von seiner Frau Karina und Freunden angefeuert, die auch bei dieser besonderen Geschichte dabei sein wollten. Seine Frau berichtete Freunden auch noch ganz begeistert vom letzten Spiel am ersten Tag, wo er seine kämpferischen Fähigkeiten mal wieder unter Beweis stellte.

Foto0387: Jörg Halfpap bestritt seine Spiele am ersten Tag in einer Nebenhalle des Landessportbundes in Hannover

Foto0391: In Hannover herrschte WM-Flair

Foto0397: In freundschaftlicher Atmosphäre wurde sich zusammen warmgespielt

Foto0408: Jörg Halfpap musste genau wie die anderen Spieler alle auch als Schiedsrichter zwischendurch unterstützen

Foto0410: Auch aus Island waren Spieler anwesend

Foto0426: Jörg Halfpap spielte besonders am ersten WM-Tag starkes Tischtennis, obwohl er nie im Ligabetrieb gespielt hat

Foto0437: Gegen Ligaspieler Jochen Ziegler verlor Halfpap die ersten beiden Sätze unglücklich mit 10:12 und das Spiel schließlich knapp mit 1:3

Foto0452: Karina Halfpap war sichtlich stolz auf ihren Mann Jörg

Foto0459+0465: Gegen Sigurkarl Stefansson aus Island zeigte Halfpap eine souveräne Leistung beim 3:0-Sieg

Foto0473: Sigurkarl Stefansson aus Island und Jörg Halfpap genossen beide als WM-Debütanten das Turnier in Hannover sehr

Foto: Die meisten Spiele fanden in der Swiss Life Hall statt