Ein ganzes Dorf feiert den Zusammenhalt

415 Jahre Vereinsgeschichte im voll besetzten Festzelt

Brünnighausen (gök). Brünnighausen erlebte jetzt einen beispiellosen Festmarathon. Unter dem Motto „Brünnighausen feiert“ kamen Hunderte Einwohner aus der Region und Gäste zusammen, um ein seltenes Gemeinschaftsjubiläum zu begehen. Vier traditionsreiche Dorfvereine brachten es gemeinsam auf stolze 415 Jahre Vereinsgeschichte. Das gesamte Zeltfest war über alle Tage hinweg herausragend besucht und spiegelte eindrucksvoll wider, was den 500-Einwohner-Ort laut der Vereinsvorsitzenden auszeichnet – eine lebendige Vereinskultur und ein nachbarschaftlicher Zusammenhalt, der in der Region seinesgleichen sucht.

Den feierlichen Auftakt bildete der offizielle Kommers im gut gefüllten Festzelt. Andreas Manz, Vorsitzender des Schützenvereins, hob in seiner Begrüßung hervor, dass Brünnighausen eben „immer etwas anders“ sei und solche Großereignisse ohne die Unterstützung verlässlicher Sponsoren und fleißiger Hände gar nicht denkbar wären. Für die passende musikalische Umrahmung sorgte von Beginn an der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr. Bürgermeister Thomas Küllig zeigte sich tief beeindruckt von der Atmosphäre und dem festlich geschmückten Ort: „Ein derartiges Fest habe ich in der Region seit lange nicht mehr erlebt“. Er würdigte das herausragende Ehrenamt, das alle vier Jubiläumsvereine seit Generationen prägt. Auch Ortsbürgermeister Dr. Gerhard Wegner betonte, wie lebenswert die Aktivitäten der rund zehn dörflichen Vereine den Heimatort machen: „Brünnighausen ist gerade wegen dieses Engagements und des gelebten Nachbarschaftsgeistes so besonders“.

Dass Zeltfeste in Brünnighausen wieder aufleben, freute insbesondere Rüdiger Grupe, den Vorsitzenden des Männergesangvereins „Hoffnung“. Mit 145 Jahren ist der MGV der älteste Verein im Bunde und das Traditionsurgestein schlechthin. „Im Verhältnis zur Einwohnerzahl suche die Dichte an aktiven Vereinsmitgliedern in ganz Niedersachsen ihresgleichen“, so Grupe, der als nächstes großes Ziel bereits das 150-jährige Bestehen des MGV ins Visier nahm. Für beste Stimmung im Zelt sorgte anschließend Reinhard Walprecht, Vorsitzender des Kreischorverbands Hildesheim. Mit seiner heiteren Art riss er das Publikum mit und stimmte spontan Lieder wie „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ an, bei dem das gesamte Zelt lautstark einstimmte.

Das Doppeljubiläum der Brandschützer – 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr und 90 Jahre Feuerwehr-Musikzug – bildete einen weiteren emotionalen Schwerpunkt des Abends. Ortsbrandmeister Wieland Klemt blickte auf die bewegte Geschichte der Wehr zurück und dankte der Dorfgemeinschaft für den unermüdlichen Rückhalt. Gemeindebrandmeister Hagen Bruns zollte den Gründungsvätern Respekt für ihren damaligen Mut, während Brandabschnittsleiter Sebastian Gollin daran erinnerte, bereits beim 70-jährigen Bestehen mitgefeiert zu haben. Regierungsbrandmeister Dascho Wehner, der Brünnighausen zum ersten Mal besuchte, fand begeisterte Worte für die Atmosphäre an der Basis: „Ortsfeuerwehren dieser Größenordnung sind weit mehr als Rettungskräfte – sie fungierten als unverzichtbare Kulturträger und Herzstücke der Gesellschaft“.

Im Rahmen des Feuerwehrjubiläums wurden verdiente Feuerwehrmitglieder befördert: Maria-Franziska Koch stieg zur Ersten Hauptfeuerwehrfrau auf, Katharina Schrader wurde zur Löschmeisterin befördert, aufgrund der zum 1. September geplanten neuen Dienstgrade wohl die letzte Beförderung zur Löschmeisterin laut Hagen Bruns. Auf 25jährige Treue im Feuerwehr-Musikzug blicken Björn Dieck und Jasmin Dieck zurück. Für ihren selbstlosen Einsatz im Hochwasserschutz erhielten Alexander Saffer, Dennis Rauhut, Katharina Schrader, Maria-Franziska Koch, Annalena Koch, Rene Schnurbusch und Theresa Coupee besondere Ehrungen.

Den Abschluss der Vereinsworte bildete der TSV 1946 Brünnighausen. Vorsitzender Jürgen Feuerhake stellte seinen Verein schmunzelnd als den „Benjamin“ unter den Jubilaren vor. Entstanden 1946 aus der Zusammenlegung zweier Sportvereine, entwickelte sich der TSV mit heute rund 240 Mitgliedern zum größten Verein des Ortes, der von Kinderturnen bis Boule eine breite Palette an Aktivitäten bereithält. Ein seltener und bewegender Moment war die Ehrung von Henner Meywerk, der als einzig verbliebenes Gründungsmitglied für selten erlebte 80 Jahre Vereinstreue ausgezeichnet wurde.

Die Kreissportvorsitzende Maria Bergmann brachte den Geist des Abends auf den Punkt: „Vereine schafften über Jahrzehnte hinweg Räume für echte Begegnung. Wir feiern hier in Brünnighausen vor allem die Menschen, die bereitwillig Verantwortung übernehmen – denn Ehrenamtliche leisteten Tag für Tag unbezahlt Unbezahlbares für die Gemeinschaft“. Der Kommers war aber nur der Start in das Wochenende. Beim Wettkampf um den TSV-Dorfpkal, Feuerwerk, Konzerten, Party oder Festumzug war für jeden Besucher an diesem denkwürdigen Wochenende etwas dabei.

 

Foto8724: Jürgen Feuerhake, Rüdiger Gruppe, Wieland Klemt und Andreas Manz beim Kommers

Foto8726: Das Festzelt war schon beim Kommers gut gefüllt

Foto8728: Gemeindebürgermeister Thomas Küllig bei seiner Rede

Foto8730: Reinhard Walprecht stimmte für die Besucher gleich zwei Lieder an

Foto8741: Hagen Bruns befördert Katharina Schrader zur Löschmeisterin

Foto8748: Die geehrten Mitglieder der Feuerwehr

Foto8756: Henner Meywerk wurde für gleich 80 Jahre Mitgliedschaft geehrt

Foto8762: Maria Bergmann bei ihrer Rede

Foto8764: Die anderen Vereinsvertreter machten auch ihre Aufmachung beim Kommers