Ein emotionaler Abschied mit Fackelschein

Frank Kirchner wird zum Ehrengemeindebrandmeister ernannt

Brüggen/Eime (gök). Es war ein Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Im historischen Ambiente des Schlosshofs Brüggen verabschiedete die Samtgemeinde Leinebergland ihren langjährigen Gemeindebrandmeister Frank Kirchner nach mehr als drei Jahrzehnten Verantwortung in der Feuerwehr in den wohlverdienten Ruhestand. Auf dem Schlossgelände versammelten sich dank der Gastfreundschaft von Schlossherr Oliver von Cramm weit über 200 Teilnehmer, darunter zahlreiche Wegbegleiter, Freunde, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Kameraden sämtlicher Ortsfeuerwehren, um einem Ausnahmefeuerwehrmann die Ehre zu erweisen. Für die Verpflegung der beeindruckenden Gästekulisse zeichnete der Versorgungszug des Landkreises Hildesheim verantwortlich, der extra angereist war.

Der Einmarsch bei Fackelschein tauchte die Kulisse des Schlossgeländes in ein stimmungsvolles Licht und leitete einen Großen Zapfenstreich ein, der emotional kaum greifbarer hätte sein können. Die musikalische Gestaltung übernahm der Spielmannszug Eime – eine Verbindung voller Symbolik, denn genau dort hatte Kirchners Laufbahn im Jahr 1972 als junger Musiker begonnen, ehe er den Weg direkt in den aktiven Feuerwehrdienst fand. Das Repertoire der Musiker spiegelte die Persönlichkeit des Scheidenden wider. Neben Klassikern wie „Sweet Caroline“, dem „Steigerlied“ und „Ich liebe das Leben“ sorgte vor allem der Klassiker „I did it my way“ für Gänsehautmomente im Publikum. Es war das perfekte musikalische Denkmal für einen Mann, der stets seinen eigenen Weg gegangen ist.

In seiner Festrede blickte Samtgemeindebürgermeister Volker Senftleben auf die beachtlichen Verdienste des obersten Brandschützers der Samtgemeinde zurück und vollzog den feierlichsten Akt des Abends: Er ernannte Frank Kirchner offiziell zum Ehrengemeindebrandmeister der Samtgemeinde Leinebergland. Senftleben wie auch weitere Redner verhehlten nicht, welche Herkulesaufgaben Kirchner im Laufe der Jahre gestemmt hatte. Erzählt wurde auch von turbulenten Zeiten, Anekdoten aus dem Harzer Hohegeiß, das Bethelner Modell bis hin zur anspruchsvollen Fusion der Samtgemeinden Gronau und Duingen. Auch wenn Kirchner damals als der „Sanierer aus Gronau“ argwöhnisch beäugt worden sei, habe er es geschafft, die Wehren zusammenzuführen und für die Zukunft aufzustellen.

Sichtlich gerührt ergriff schließlich der Hauptperson des Abends selbst das Wort. Auf ein vorbereitetes Manuskript verzichtete Kirchner dabei in gewohnter Manier: „Ich habe mir vieles aufgeschrieben. Ihr wisst ja selber, dass ich eigentlich nicht einer bin, der sich ein Papier hinlegt und dann irgendwas vorliest. Was ich erlebt habe, ist im Kopf und im Herzen. Wenn eine Frau einem nicht den Rücken stärkt, dann können wir diese Arbeit nicht machen. Ich sage danke an alle, die das unterstützt haben, und danke für diesen Abend!“ In seiner Rede schlug Kirchner den Bogen von den schönen zu den schmerzhaften Momenten seiner Dienstzeit. Er erinnerte an skurrile Großeinsätze wie zwei Flugzeugabstürze in der Region, bei denen trotz der Tragik nachts in einer Scheune noch spontan ein Geburtstagslied für einen Kameraden gesungen wurde, ebenso wie an die Meilensteine bei der Nachwuchsförderung. Gleichzeitig nutzte er die Bühne für ehrliche und versöhnliche Töne: Er dankte der Politik, den Feuerwehren, der Polizei und dem Rettungsdienst für die langjährige Partnerschaft und bat aufrichtig um Entschuldigung für womöglich zu harte Worte oder unbewusst ungerechte Entscheidungen in der Hektik des Einsatzgeschehens. Ein besonders bewegender Moment folgte, als Kirchner sich unter Tränen bei seinen engsten Weggefährten und vor allem bei seiner Familie bedankte, die in all den Jahrzehnten oft zurückstecken musste. Markus Hüffner war es als neuem Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde überlassen, das Geschenk des Kommandos für Frank und Andrea Kirchner zu übergeben. Auf einer großen Bank kann das Paar in Eime zukünftig auf den Enkel beim Spielen aufpassen.

Foto1092+1095+1097: Die über 200 Feuerwehrkameraden ziehen in den Schlosshof zum großen Zapfenstreich ein

Foto1098+1102+1104: Die Feuerwehrkameraden sorgten im Schlosshof für die passende Atmosphäre

Foto1100: Frank Kirchner sichtlich bewegt mit seiner Familie

Foto1107: Volker Senftleben ernennt Frank Kirchner zum Ehrengemeindebrandmeister