Sicherheit am Steuer, wenn jede Sekunde zählt

Erstes Fahrsicherheitstraining für die Feuerwehren in Gronau

Gronau (gök). Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr im Wert von mehreren hunderttausend Euro müssen im Ernstfall schnell, sicher und präzise bewegt werden. Dass das unter Stress und schwierigen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit ist, stellte ein neu initiiertes Fahrsicherheitstraining auf dem Parkplatz der Firma ZF in Gronau unter Beweis. Ehrenamtlich organisiert von Christian Kerner, Feuerwehrmann aus Gronau, absolvierten die Inhaber des Führerscheins der Klasse C der Ortsfeuerwehren Gronau, Banteln, Betheln und Brüggen praktische und theoretische Schulungseinheiten für den Ernstfall. Als Pilotprojekt gestartet, dient das Training laut Kerner als Vorbild für eine mögliche kontinuierliche Fortbildung aller Wehren der Samtgemeinde Leinebergland.

Der Impuls für die Weiterbildung kam direkt aus der Praxis. Kerner, der als Berufskraftfahrer regelmäßig entsprechende Sicherheitstrainings absolviert, weiß genau, worauf es hinter dem Lenkrad schwerer LKW ankommt. „Feuerwehrfahrzeuge kosten heutzutage enorm viel Geld. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man täglich als Profi auf der Straße ist oder ein 14- oder 15-Tonnen-Fahrzeug nur gelegentlich im Feuerwehrdienst bewegt“, erklärte Kerner den Hintergrund der Initiative. Gemeinsam mit Experten der DEULA Hildesheim – darunter Martin Aderhold und Bernd Zunder – sowie Hauptkommissar Christian Kopplin von der Polizei Hildesheim stellte er ein Schulungsprogramm auf die Beine. Für das Wohlbefinden und eine entspannte Stimmung beim Frühstück sorgten Melanie Hüffner und Nicole Kerner zwischen Theorie und Praxis im Feuerwehrhaus, wozu der Förderverein der Feuerwehr Gronau die Kosten für das gemeinsame Frühstück übernahm.

Der Schulungstag begann mit einer theoretischen Unterweisung im Feuerwehrhaus Gronau, bei der Polizeihauptkommissar Kopplin den Fokus auf Sonder- und Wegerechte, das vorausschauende Fahren sowie aktuelle Verkehrsregeln legte. So ist beispielsweise beim Rechtsabbiegen innerorts für Schwerfahrzeuge seit einigen Jahren Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben. Anschließend ging es für die Teilnehmer auf das ZF-Gelände zur Praxis. Laut Kerner und Samtgemeindebürgermeister Volker Senftleben zeigte sich ZF gewohnt aufgeschlossen und stellte eine ideale Trainingsfläche zur Verfügung. Zusätzlich zu den eigenen Einsatzfahrzeugen kam auch ein modernes Schulungsfahrzeug der DEULA zum Einsatz – inklusive spiegelloser Kameratechnik, um den Feuerwehrkräften Einblicke in die neueste Fahrzeuggeneration zu ermöglichen.

Auf dem aufwendig abgesteckten Parcours forderten Kernaufgaben aus der Berufskraftfahrerprüfung die Ehrenamtlichen heraus. Ob Slalomfahrten auf engem Raum, Rückwärtseinparken auf Zentimeterabstand oder das Wenden in nur drei bis vier Zügen auf extrem begrenzter Fläche – der Anspruch war hoch. „Gas geben kann jeder, richtiges Fahren ist etwas ganz anderes“, schilderte Kerner die Herausforderungen während der Übungen. „Gerade in Stresssituationen während einer Alarmfahrt müssen die Maße des Fahrzeugs und die Fahrphysik wie das Verhalten bei einer Gefahrenbremsung im Kopf sitzen. Ziel ist es nicht, die Kameraden vorzuführen, sondern ein echtes Gefühl für das Fahrzeug zu vermitteln und Ängste abzubauen.“ Auch Martin Aderhold von der DEULA Hildesheim hob die Bedeutung der praxisnahen Übungen hervor und betonte die Dringlichkeit regelmäßiger Schulungen: „Wir erleben oft, dass die Grundlagen wie das richtige Einstellen der Spiegel oder das Einschätzen von Fahrzeugbreiten im Alltag untergehen. Wenn bei einem Wendemanöver in einer engen Straße oder beim Abbiegen Fehler passieren, kann das verheerende Folgen haben. Es geht darum, Routine zu schaffen, damit die Einsatzkräfte das Fahrzeug auch in brenzligen Situationen sicher im Griff haben.“

Samtgemeindebürgermeister Volker Senftleben verschaffte sich vor Ort persönlich ein Bild von der Fortbildung und zeigte sich begeistert von dem Engagement. „Die Samtgemeinde schafft das Material und die Fahrzeuge an, aber es ist mindestens genauso unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass unsere Feuerwehrkameraden sicher unterwegs sind“, betonte Senftleben am Rande des Trainings. „Es geht primär um die Sicherheit der Frauen und Männer am Steuer und eine optimale Einsatzvorbereitung unter Stress. Eine Regelmäßigkeit in solche Trainings hineinzubringen, macht absolut Sinn, um die passive Sicherheit nachhaltig zu erhöhen.“ Das Pilotprojekt stieß bei allen Beteiligten auf durchweg positive Resonanz. In Zukunft soll das Konzept weitergeführt werden, damit die Fahrübungen in den regulären Dienstbetrieb der Ortsfeuerwehren einfließen und den Fahrern im gesamten Leinebergland langfristig mehr Sicherheit auf ihren Einsatzfahrten verleihen.

Foto9180: In wenigen Zügen muss der LKW auf der markierten Fläche wenden

Foto9181: Mit dem großen Feuerwehrfahrzeug musste auch rückwärts eingeparkt werden

Foto9183: Die Slalomfahrt wurde vorwärts wie rückwärts absolviert

Foto9186: Die 2,50 Meter breiten Feuerwehrfahrzeuge mussten durch ein 2,60 Meter breites Tor schnell durchgefahren werden

Foto9193: In den Räumlichkeiten der Feuerwehr gab es die theoretische Schulung durch die Polizei