Gefahr durch Risse
Christuskirche Osterwald vorerst für Gottesdienste gesperrt
Osterwald (gök). Die Sorge um die historische Christuskirche in Osterwald wächst. Die bereits seit Jahren beobachteten Rissbildungen im Bauwerk haben sich in den vergangenen Monaten massiv verschlimmert. Anfang September lösten sich im Altarraum Teile des Putzes, Mörtels sowie ein kleinerer Stein und fielen herunter. Zudem droht am südöstlichen Fenster bereits die Verglasung aus ihrem Glasfalz zu stürzen. Ursache für die Schäden ist ein tiefgreifendes gründungstechnisches Problem. Während die Westseite der Kirche auf festem Felsen steht, ruht der Ostteil auf einem nach Südosten abfallenden Hang mit bindigem Boden und einer sogenannten Tonlinse. Durch die extrem trockenen Sommer der vergangenen Jahre hat sich dieser Untergrund bewegt und verschoben, was zu einer kontinuierlichen Zunahme der Rissbreiten führt.
Das Ingenieurbüro Götz & Ilsemann aus Hannover, das auf Statik spezialisiert ist und die Risse bereits seit 2020 mittels Rissmessungen beobachtet, stellte schon bei der letzten Auslesung im Herbst 2025 eine stetige Zunahme der Spalten fest. Nach diesem Sommer haben sich die Schäden jedoch noch einmal spürbar intensiviert. Mitte September besichtigte Thido Saueressig vom Amt für Bau- und Kunstpflege (ABK) in Hildesheim die Kirche vor Ort und empfahl eine kurzfristige Notsicherung. Dabei soll unter anderem das betroffene Fenster herausgenommen und vermutlich vorübergehend mit Sperrholz verschlossen werden, während lose Steine und bröckelnder Putz gesichert beziehungsweise abgeklopft werden. Die Kosten für diese reine Notfallmaßnahme bewegen sich bereits im niedrigen fünfstelligen Bereich. Parallel dazu wird geprüft, ob die aufwendige Ertüchtigung des Fundaments als außerordentliche Baumaßnahme über die Landeskirche angemeldet werden kann, da die Kirchengemeinde die finanziellen Mittel hierfür nicht alleine stemmen kann.
Um jegliches Risiko für die Kirchenbesucher auszuschließen, hat der Gesamtkirchenvorstand einstimmig harte Maßnahmen beschlossen. Bis die notwendige Notsicherung durch eine Fachfirma ausgeführt ist, finden in der Christuskirche Osterwald keinerlei Gottesdienste mehr statt. Selbst nach einer erfolgreichen Notsicherung wird der Altarraum für Besucher komplett gesperrt bleiben. Für die anstehenden Gottesdienste im Oktober hat der Flecken Salzhemmendorf der Gemeinde bereits die Ausweichmöglichkeit in der Friedhofskapelle angeboten. Die Einschränkungen treffen die Gemeinde jedoch besonders in der bevorstehenden Advents- und Weihnachtszeit hart. Sämtliche angefragten Konzerte im Dezember – darunter die Auftritte des Männergesangvereins sowie des Frauenchors gemeinsam mit den Young Voices – können in der Kirche nicht stattfinden. Auch das traditionelle Krippenspiel an Heiligabend wird aus der Osterwalder Kirche verlegt und soll stattdessen nach Oldendorf ausweichen.
Trotz der ernsten Lage betont das Pfarramt, dass keine unmittelbare Einsturzgefahr besteht, die Sicherheit der Menschen aber absolute Priorität hat. Pastorin Corinna Engelmann beschreibt die Situation und das verantwortungsvolle Handeln des Kirchenvorstandes wie folgt: „Letztendlich ist es wichtig zu wissen: Es wird nichts zusammenbrechen oder abstürzen, das ist erst einmal ganz wichtig als Grundaussage. Aber wir können im Moment einfach nicht dafür garantieren, dass nicht wieder etwas herunterkommt und da geht die Sicherheit absolut vor. Der Kirchenvorstand hat sich sehr intensiv und konzentriert mit dem Thema auseinandergesetzt und die Sicherheit immer in den Vordergrund gestellt.“
Foto1086: Die Christuskirche in Osterwald ist vorerst für eine Nutzung gesperrt
Foto1087+1088+1089+1090: Die Schäden im Altarraum sind mittlerweile massiv




