Dörpe ist viel älter als gedacht
Heimatforscher deckt vergessene Urkunde von 1247 auf
Dörpe (gök). So richtig glücklich war Friedrich Wilhelm Vespermann nie mit den bisherigen Vorstellungen zum Alter seines Heimatdorfes am Fuße des Osterwaldes. Schon seit Jahren „gräbt“ der Dörper Heimatforscher in alten Büchern, Aufzeichnungen und Archivalien, um den Ursprüngen des Ortes nachzugehen. Zwar galt bisher das Homburger Lehnregister aus dem Jahr 1470 als ältester sicherer Nachweis für das Bestehen von Dörpe, doch Vespermann gab sich damit nicht zufrieden. Zwar feierte man im Ort lange Zeit eine Hamelner Erbschaftsurkunde vom 24. Juni 1393 als früheste Erwähnung, doch der darin genannte Name „Bertoldes an der Doerpe“ lässt viel Raum für Spekulationen: Meinte das Dokument tatsächlich einen Bertold aus Dörpe oder schlicht einen „Bertold vom Dorfe“, dessen Heimatgemeinde ungenannt blieb?
Dass der Raum um Dörpe bereits vor Tausenden von Jahren von Menschen genutzt wurde, steht wissenschaftlich außer Frage. Oberhalb des Dorfes, am Pass über den Berg von Coppenbrügge nach Eldagsen, fand Förster Heiko Brede im Jahr 2015 bei der Wiederherstellung des historischen Hutewaldes ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit, das auf ein Alter von etwa 4000 bis 5000 Jahren geschätzt wird. Konkrete Siedlungsspuren aus der Vor- und Frühgeschichte fehlten in dem damals dicht bewaldeten Tal zwischen Ith und Osterwald jedoch lange. Erst eine neuere pollenanalytische Untersuchung des Gelbbachtaler Moors von Franziska Brede aus dem Jahr 2019 erbrachte den Nachweis von Getreidepollen für das erste Jahrtausend vor Christus sowie verstärkte Entwässerungs- und Siedlungsanzeiger für die Zeit zwischen 400 und 1000 nach Christus.
Den entscheidenden urkundlichen Durchbruch für das Dorf selbst erzielte Friedrich Wilhelm Vespermann nun jedoch im Landesarchiv Hannover. Dort stieß er auf eine im Grunde bekannte, aber völlig in Vergessenheit geratene Urkunde vom 25. Januar 1247. Das Dokument belegt, dass Heinrich von Homburg die Vogtei Lauenstein als Lehen von Herzog Otto dem Kinde (Herzog von Braunschweig und Lüneburg) erhielt. Unter den zur Vogtei gehörenden Ortschaften wird explizit Dörpe gemeinsam mit dem Bach Schachtebeck aufgelistet. Damit ist die schriftliche Ersterwähnung des Ortes schwarz auf weiß um über 220 Jahre nach vorne datiert – Dörpe kann somit auf eine mindestens 780-jährige Geschichte zurückblicken.
„Dass diese Urkunde über Generationen hinweg aus dem Blickfeld der Heimatforschung verschwand, ist auf ein historisches Verwirrspiel in der Aktenführung zurückzuführen“, erklärt Vespermann im Gespräch. Die Verwaltung der mittelalterlichen Ämter Lauenstein und Coppenbrügge wurde bis ins 19. Jahrhundert getrennt geführt. Spätere Historiker und Heimatforscher gingen fälschlicherweise davon aus, dass alle Dörpe betreffenden Dokumente im Coppenbrügger Archivbestand zu suchen seien. Da die entscheidende Urkunde von 1247 jedoch im Bestand des Amtes Lauenstein archiviert lag, wurde sie schlichtweg übersehen. Vespermann konnte diesen Irrtum nun endgültig aufklären.
Die Recherchen vor Ort und in den Archiven glich dabei mitunter einer Spurensuche mit Hindernissen. Durch historische Aktenverlagerungen und Auslagerungen in Bunkereinrichtungen waren Dokumente zeitweise schwer auffindbar, was auch zu Rückfragen und Abstimmungen mit Historikern und Archäologen wie Prof. Dr. Härke führte. Doch Vespermann ließ sich nicht beirren, um die Historie seiner Heimat lückenlos zu belegen. Für den umtriebigen Heimatforscher, der sich seit 2003 intensiv mit der Regionalgeschichte beschäftigt, ist die Archivarbeit allerdings nur die eine Seite der Medaille. Zusammen mit anderen Mitstreitern engagiert er sich seit Jahren praktisch im Ort: So hat er den historischen Bergmannsweg mit aufgebaut, alte Grenzsteine zusammen mit dem Landkreisverantwortlichen rund um das Dorf gesucht, gereinigt und kartiert sowie Zeitzeugenberichte und historisches Bildmaterial zur Bergbau- und Steinbruchgeschichte gesammelt. Die neu aufbereiteten Erkenntnisse, Karten und Dokumente werden nun im Landeshauptarchiv in Hannover hinterlegt, damit die Geschichte von Dörpe auch für zukünftige Generationen gesichert bleibt.
Foto0265: Friedrich Wilhelm Vespermann forscht über seinen Heimatort Dörpe
Foto0266: Die Arbeit von Vespermann wurde auch schon im Burgmuseum Coppenbrügge ausgestellt
Foto0267: Derzeit arbeitet Vespermann auch an einer neuen Beschilderung des von ihm vor über zehn Jahren gestalteten Bergmannsweg
Foto0270: Auf dem Bergmannsweg sind viele Wanderer unterwegs



